Kapitel 18

6K 156 3
                                        

Der nächste Tag brach mit strahlendem Sonnenschein an. Ich versuchte, die verwirrenden Gedanken an die vergangene Nacht tief in meinem Hinterkopf zu vergraben, und machte mich auf den Weg zum Wreck. Ich war dort mit Kiara verabredet, um ein wenig Zeit totzuschlagen. Ich zog mir eine schlichte Denim-Shorts und ein enges, weißes Crop-Top an, schnappte mir mein Fahrrad und trat den Weg hinüber zum Cut an.

Wie ich es bereits am helllichten Tag erwartet hatte, war der gesamte Schotterparkplatz vor dem Restaurant vollkommen überfüllt mit Autos. Die Touristen und Pogues drängten sich regelrecht um die besten Plätze. Ich stellte mein Fahrrad an dem hölzernen Geländer ab und betrat das angenehm schattige, nach frittierten Meeresfrüchten duftende Restaurant.

Ich ließ meinen Blick durch den Raum schweifen und suchte nach Kiaras braunem Lockenkopf. Ich entdeckte sie schließlich im hinteren Bereich: Sie balancierte gerade geschickt zwei vollbeladene Teller an einen der Tische und verschwand im nächsten Moment auch schon wieder im dichten Trubel der Küche. Ich wollte gerade den Schritt in ihre Richtung wagen, als plötzlich eine unverkennbare, leicht raue Stimme meinen Namen rief.

„Kate! Hier drüben!"

Ich blickte mich suchend um und erkannte JJ, der an einem der hinteren Ecktische saß. Er war vollkommen allein, hielt ein Glas Cola in der Hand und winkte mich mit einem verlegenen Lächeln zu sich herüber.

„Hey", begrüßte der Pogue mich leise, als ich an seinen Tisch trat. Seine Ohren liefen leicht rot an.

„Hey", erwiderte ich, strich mir eine blonde Strähne hinter das Ohr und spürte sofort, wie merkwürdig und leicht angespannt die Situation nach seinem gestrigen Liebesgeständnis war. Trotz der spürbaren Distanz war es unheimlich schön, sein vertrautes Gesicht wiederzusehen.

„Bitte... setz dich doch zu mir", sagte er und deutete mit einer einladenden Handbewegung auf den freien Holzstuhl direkt gegenüber von ihm.

Ich legte meine Tasche auf dem Boden ab und ließ mich langsam auf die Sitzfläche nieder.

„Willst du ein paar?", fragte JJ im nächsten Moment und schob mir seine halbvolle Schale mit Pommes herüber, um das Eis zu brechen. Ich lächelte matt und lehnte dankend ab.

Für einen quälend langen Moment herrschte eine dichte, unangenehme Stille zwischen uns, in der nur das Summen der alten Klimaanlage zu hören war. Schließlich war es JJ, der tief durchatmete und beschloss, das Schweigen zu brechen.

„Hör zu, Kate... es tut mir verdammt noch mal leid wegen neulich auf der Veranda. Ich... ich war einfach durch den Wind", begann der Blondschopf ehrlich, suchte meinen Blick und fuhr sich nervös durch die Haare. „Du bist mir unfassbar wichtig. Du bist ein Teil von uns, und ich will unsere Freundschaft wegen so einem Scheiß unter gar keinen Umständen aufs Spiel setzen. Verzeihst du mir?"

Ein Stein fiel mir vom Herzen. „JJ, du bist mir doch auch unendlich wichtig. Es ist alles absolut gut zwischen uns, versprochen!", antwortete ich erleichtert und schenkte ihm ein ehrliches, breites Lächeln. Er erwiderte es sofort, und die vertraute Wärme zwischen uns kehrte augenblicklich zurück. Ich war einfach nur unendlich froh, dass wir dieses riesige Missverständnis so schnell aus der Welt geschafft hatten.

Genau in diesem Moment kam auch schon Kiara aus der Küche geschlendert, die Schürze leicht fleckig, und ließ sich erschöpft auf den freien Stuhl neben uns fallen.

„Endlich Pause! Ich dachte schon, ich sterbe da drinnen", stöhnte sie erleichtert auf, streckte die Beine von sich und steckte sich ohne langes Fragen eine von JJs Pommes in den Mund.

„Ja, bedien dich ruhig ungeniert, Kie. Ist ja nicht so, als wären das meine", kommentierte JJ das Ganze mit seinem gewohnt sarkastischen Unterton und einem schiefen Grinsen, woraufhin Kie nur amüsiert die Augen verdrehte. Die beiden neckten sich mal wieder wie ein altes, seit Jahren verheiratetes Ehepaar.

JEALOUS | RAFE CAMERON ✓Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt