Kapitel 33

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„Wer zur Hölle hat mich verpfiffen?", fragte ich John B völlig fassungslos, während die Twinkie mit lautem Motorgeräusch über den Asphalt jagte. Mein Puls hatte sich noch immer nicht beruhigt.

„Ich habe absolut keine Ahnung, Kate. Aber zum Glück hat Sarah die Situation zu Hause spitzbekommen und uns gerade noch rechtzeitig Bescheid gegeben", entgegnete er, ohne den Blick von der Straße zu nehmen.

Ich nickte stumm und fuhr mir mit beiden Händen durch meine völlig zersaustem, klammen Haare. Ich wollte mir in meinem tiefsten Inneren überhaupt nicht ausmalen, was wohl passiert wäre, wenn mein Vater uns tatsächlich im Chateau überrascht hätte. Er hätte uns beiden wahrscheinlich eigenhändig den Kopf abgehackt. Nebenbei war ja auch bekannt, dass er absolut kein großer Fan von den Pogues und meinem neuen Lebensstil war. Für ihn waren John B und die anderen schlichtweg Abschaum.

„Ich habe da so eine ganz bestimmte Vermutung... Ich schätze, es war Rafe", warf John B plötzlich mit einer unheilvollen, ruhigen Stimme in den Raum.

„Was?!", brach es augenblicklich lautstark aus mir heraus. Ich drehte mich fassungslos zur Seite und sah ihn mit einem absolut ungläubigen Blick an. „Wie kommst du auf so einen Schwachsinn?"

„Na ja, denk doch mal logisch nach, Kate. Niemand sonst auf dieser verdammten Insel wusste, dass du die letzten Tage bei mir untergetaucht warst", meinte John B trocken.

„Das ist absolut unmöglich!", konterte ich sofort, und Verteidigungsreaktionen makierten meine Stimme. „Aus welchem vernünftigen Grund um alles in der Welt sollte Rafe mich bitteschön eiskalt bei meinem eigenen Vater verpetzen? Nachdem er mich selbst tagelang versteckt hat?"

„Reine Eifersucht, Kate."

John B sah mich für den Bruchteil einer Sekunde mit einem todernsten Blick von der Seite an. Ich presste meine Lippen augenblicklich zu einer schmalen, harten Linie zusammen und wandte den Kopf ab. Ich wusste absolut nicht, was ich von dem, was John B gerade so leichtfertig gesagt hatte, halten sollte. Ich wollte es einfach nicht glauben, und ehrlich gesagt konnte ich mir das in meiner aktuellen Verfassung auch beim besten Willen nicht vorstellen.

Sowas hätte Rafe mir niemals angetan. Er wusste ganz genau, wie unendlich kompliziert, toxisch und verfahren das Verhältnis zu meinem Vater im Moment war. Er kannte den Schmerz des Rauswurfs.

Kurz flackerte der Impuls in mir auf, mein Handy zu zücken und Rafe eine direkte Nachricht zu schreiben, um mich zu vergewissern. Doch ich ließ die Hand wieder sinken. Ich wollte das zarte Band des Vertrauens, das ich mir in den letzten Tagen so mühsam zu ihm aufgebaut hatte, nicht durch unbegründetes Misstrauen missbrauchen.

Schweigend und in eine schwere Atmosphäre gehüllt fuhren wir weiter durch die ländlichen Ausläufer von Outer Banks, während im Hintergrund aus den scheppernden Lautsprechern nur leise, monotone Musik lief. Ich spielte nervös mit den Perlen meines Armbands und ließ meine unruhigen Blicke verloren über die vorbeiziehende Landschaft der Insel schweifen.

„Wir müssen dringend noch tanken, bevor wir die anderen abholen können. Der Zeiger steht quasi schon auf null", durchbrach John B irgendwann die quälende Stille.

Nach ein paar Meilen hielten wir an einer kleinen, sichtlich heruntergekommenen und abgelegenen Tankstelle am Straßenrand. John B stellte den Motor ab und stieg sofort aus dem Wagen, um den Tankrüssel einzuführen. Ich lehnte meinen schweren Kopf erschöpft gegen die kühle Fenterscheibe und stieß einen tiefen, nachdenklichen Seufzer aus. Genau in diesem Moment vibrierte das Handy in meiner Hosentasche.

Ich fischte es hastig heraus, entsperrte den Bildschirm und spürte, wie mein Herz kurz stolperte, als Rafes Name in großen Buchstaben auf dem Display aufleuchtete. Es war eine Nachricht von ihm:

JEALOUS | RAFE CAMERON ✓Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt