Kapitel 30

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Noch am selben Abend, als die Lichter in Figure Eight gelöscht waren und das Anwesen meines Vaters in tiefe Stille versank, schlich ich mich wieder einmal unbemerkt aus dem Haus. Das Adrenalin und das pochende Gefühl von Rafes Berührungen saßen mir noch tief in den Knochen, als ich kurz darauf am Waldrand in die Twinkie stieg.

Am Lagerfeuer berichtete ich den Pogues ausgiebig von Rose' luxuriösem Geburtstagsdinner. Ich erzählte vom Champagner, dem steifen Kook-Smalltalk und Haileys unverschämt overdressedem roten Kleid – doch den Part, in dem Rafe mich unter der edlen Holztafel gefingert hatte und wir anschließend leidenschaftlichen, brutalen Sex im Badezimmer hatten, ließ ich wohlweislich komplett weg. Das war mein Geheimnis. Unser Geheimnis.

Sarah entschuldigte sich im Laufe des Abends mehrfach mit gedrückter Stimme für ihre Abwesenheit bei dem Essen. Ich schüttelte nur den Kopf und nahm sie fest in den Arm; ich konnte es ihr absolut nicht verübeln, da sie durch ihre Beziehung zu John B im Moment ohnehin den totalen Krieg mit Ward und Rose austrug.

Erst weit nach Mitternacht brachten die Jungs mich mit dem Van wieder zurück. Am Rande unseres Grundstücks verabschiedete ich mich mit einem leisen Flüstern, huschte über den Rasen und kletterte mit geübten Griffen über die Rankhilfe nach oben. Ich schwang ein Bein nach dem anderen durch den Fensterrahmen, atmete erleichtert auf und wollte gerade den ersten Schritt in mein abgedunkeltes Zimmer setzen – als plötzlich mit einem harten Klicken das grelle Deckenlicht anging.

Ich zuckte so heftig zusammen, dass mir fast das Herz stehen blieb. Mein Vater stand mitten in meinem Zimmer. Verdammte Scheiße, er hätte mich beinahe zu Tode erschreckt.

Mein Blick wanderte fassungslos zur Zimmertür. Das Schloss war komplett beschädigt; das Holz splitterte an den Rändern. Er musste die Tür vor Wut mit roher Gewalt aufgebrochen haben, denn ich war mir zu einhundert Prozent sicher gewesen, dass ich von innen abgeschlossen hatte. Seine dunklen Augen funkelten mich im hellen Licht so unendlich wütend und zugleich tief enttäuscht an, dass mir augenblicklich das Blut in den Adern fror. Mein Puls jagte von null auf hundert.

„Wo zur Hölle bist du gewesen, Katherina?", fragte er mit einer gefährlich leisen, bebenden Stimme.

„Ich... ich... ehm... ich war bloß bei...", stammelte ich haltlos. Ich stand wie angewurzelt da, die Hand noch am Fensterrahmen, und wusste beim besten Willen nicht, wie ich dieses Desaster jetzt noch logisch erklären sollte.

„Ich habe die Schnauze jetzt endgültig voll von deinen unzähligen Dummheiten und deinen verdammten Lügen!", fuhr er mich lautstark an, und seine Stimme dröhnte durch den Raum.

„Und was bitteschön erwartest du eigentlich von mir?!", schoss es nun plötzlich auch aus mir heraus. Die aufgestaute Wut der letzten Tage bahnte sich ihren Weg an die Oberfläche. „Ich bin verdammt noch mal achtzehn Jahre alt, Dad! Und du behandelst mich hier wie eine Schwerkriminelle und gibst mir wochenlangen Hausarrest! Ich bin kein kleines, unselbstständiges Kind mehr, verdammt noch mal!"

„Ach ja? Du hältst dich also ernsthaft schon für so unglaublich erwachsen?", entgegnete mein Vater eiskalt. Seine Augen verengten sich zu Schlitzen. „Wenn du doch angeblich so reif und erwachsen bist, dann möchte ich ab der heutigen Nacht verdammt noch mal sehen, wie du ganz alleine da draußen im Leben klarstehst!"

Ich kniff die Augen zusammen und starrte ihn völlig verwirrt und fassungslos an. Ich verstand nicht, worauf er hinauswollte – bis er sich im nächsten Moment abrupt umdrehte, mit großen Schritten auf meinen Kleiderschrank zuging und die Türen mit Wucht aufriss. Er griff blindlings hinein und schmiss die Hälfte meiner Klamotten, Kleider und Pullover mit einer brutalen, rücksichtslosen Bewegung mitten auf den Fußboden.

JEALOUS | RAFE CAMERON ✓Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt