Chapter 20

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„ Ich bin mir ja nicht sicher, ob dieser Pulli so unauffällig ist.“, sprach ich meine Bedenken aus. Harry und ich waren nun schon einige Minuten zu Fuß unterwegs gewesen und man sah zwar sein Gesicht nicht, doch trotzdem schaute jeder, an dem wir vorbei kamen uns hinter her. Diese Ohren waren aber auch sehr auffällig. Früher oder später würde irgendwer ihn trotzdem erkennen, trotz Pulli.
„ Ja, aber sie sehen lustig aus. Lass es uns einfach darauf ankommen. Wenn wir Glück haben erkennt mich niemand.“
Ich willigte ein, weil ich selber keine bessere Idee hatte. Hoffentlich hatten wir Glück.

„Und was machen wir jetzt?“, fragte er zum zweiten Mal.
„ Ins Kino gehen. Ich weiß, dass das stinknormal ist, aber ich hoffe, dass es dir dennoch gefällt.“
„Und ob. Welchen Film wollen wir den schauen?“
„ Das habe ich noch nicht entschieden. Wir können ja einfach gucken, welcher läuft.“

Dreißig Minuten später waren wir dann auch endlich am Kino. Wir sind mit dem Bus gefahren. Harry wurde nicht erkannt, doch ein zwei Mal war es verdammt knapp gewesen. Ein Mädchen hatte ihn zwar angestarrt, doch sie war sich nicht sicher gewesen, ob er es wirklich gewesen war. Eine andere Gruppe von Mädchen hatte getuschelt, ihn aber dann doch nicht angesprochen.
Jedes Mal hatte ich auf Harrys Gesicht die Angst gesehen, dass sie ihn wirklich erkannten. Und dann die Erleichterung, dass sie es doch nicht getan hatten.
Mir wurde immer mehr bewusst, dass es doch eher ein Fluch war berühmt zu sein, als ein Segen. Anfangs war es bestimmt anders. Ich stellte es mir cool vor, dass erste Mal auf der Straße angesprochen zu werden. Und auch beim zweiten und dritten Mal, doch danach wurde es nur noch lästig.
Harry konnte nicht einfach mal so eben vor die Tür gehen. Er konnte nicht einfach mal eben in die Stadt gehen und sich etwas kaufen, ohne dass er sich verkleiden musste oder eben andauernd erkannt wurde.
Das war sicherlich eine ungeheure Last und eine Sache, die man vorher komplett unterschätzte.

Harry überließ mir die Filmwahl. Ich entschied mich für einen Liebesfilm und kaufte die Tickets. Dann holten wir uns noch eine große Tüte Popcorn und jeder ein Getränk. Harry bedanke sich, wohlerzogen, wie er war. Mit einem Lächeln nahm ich das zur Kenntnis und dann machten wir uns auf die Suche nach unserem Kinosaal. Still liefen wir nebeneinander her. Harry trug sein Getränk und das Popcorn und ich nur mein Getränk. Verstohlen schaute ich zu Harry, der immer noch den Bärenpulli und die Kapuze trug. Unwillkürlich musste ich lächeln.
So langsam fing ich an zu realisieren, was hier geschah. Ich, Hope Summers, hatte mein zweites Date mit Harry, Harry Styles. Mit dem unglaublichen Harry Styles. Und als mir bewusst wurde, dass ich der glücklichste Mensch der Welt sein sollte, merkte ich, dass ich auch genau das war. Ich war glücklich. Richtig glücklich. Auch wenn das alles wie ein Klischee und so unwirklich klingt, ich war es, und es war ein tolles Gefühl.

Harry und ich schnappten uns zwei Plätze in der letzten Reihe und als es langsam dunkel im Saal wurde und noch immer wenig Menschen sich im Saal aufhielten, zog Harry sich die Kapuze vom Kopf. Wir saßen ganz alleine in der letzten Reihe und die wenigen Menschen vor uns schauten alle auf die Leinwand, auf der gerade die erste Werbung lief.
„Jetzt erkennt mich sowieso keiner mehr.“, flüsterte Harry und ich hoffte, dass das auch stimmte.

Ich bekam vom Film nicht viel mit, denn ich war zu sehr damit beschäftigt Harry von der Seite immer wieder an zu schauen. Wie er da saß und den Film schaute. Ab und zu etwas Popcorn aß.  Es war besser, als jeder Film. Ich konnte mich gar nicht satt sehen. Er war perfekt.
Irgendwann war das Popcorn leer und der Film erreichte langsam seinen Höhepunkt, als Harry mich beim starren erwischte. Ich wollte noch schnell weg schauen, doch Harry war schneller.
„Hope.“, flüsterte er und bei der Erwähnung meines Namens wurde mir ganz warm ums Herz.
„Harry.“, erwiderte ich leise.
Ich merkte, wie mir die Röte ins Gesicht stieg und war froh darüber, dass es dunkel war und Harry es
so hoffentlich nicht sah.
Gerade als ich noch überlegte, was ich noch sagen konnte griff Harry nach meiner Hand.
Einfach so. Langsam glitten seine Finger über meine Haut, bevor sie meine Hand ganz hielten. Seine Haut war warm und so weich. 
Versonnen blickte ich wieder zur Leinwand und ein Lächeln zierte mein Gesicht. Ich befand mich in einem Traum. In dem Traum von Millionen von Mädchen.

Als der Saal sich langsam wieder erhellte und die ersten aus ihren Plätzen aufstanden, zog Harry sich schnell wieder die Kapuze über den Kopf. Dafür ließ er wenige Sekunden meine Hand los und sofort vermisste ich die Wärme seiner Haut. Doch dann nahm Harry wieder meine Hand und wir standen ebenfalls auf. Den ganzen Weg nach draußen ließ Harry meine Hand nicht mehr los, und es machte mich nur noch glücklicher. Auch wenn niemand sah, wer er war, zeigte er doch allen, dass ich wenigstens für heute zu ihm gehörte. Er schämte sich nicht für mich, obwohl er in einer komplett anderen Liga spielte als ich. Er war ein Superstar und ich eine Straßenmusikerin. Auch damals war mir schon klar, dass wenn mehr aus uns werden würde, er der einzige war, dem dieser Unterschied egal war.  Alle anderen würden sich darauf stürzen und es zerpflücken. Die Differenzen zwischen uns untersuchen und auseinander nehmen, bis nichts mehr davon übrig bleiben würde, und das war eine der Sachen, vor denen ich Angst hatte. Panische Angst.

Wir verließen gerade das Kino, als Harry sich zu mir herüber lehnte und mir leise ins Ohr flüsterte: „ Der Abend war toll.“ Dabei streifte seine Lippe fast mein Ohr und ich hielt für Sekunden die Luft an. Mir schoss die Wärme in den Körper, und ich wusste, wenn ich meinen Kopf nur ein Stückchen drehen würde, würden unsere Lippen aufeinander treffen. Auch Harry wusste es und ich fragte mich, ob er es darauf anlegte. Wollte er mich küssen?
 
Ehe ich weiter darüber nachdenken konnte zog Harry seinen Kopf wieder zurück und ich lächelte ihn nur verlegen an.
„Wollen wir einen Teil des Rückweges zu Fuß zurück legen?“, wollte Harry wissen und ich nickte nur. Das Wetter war schön und es obwohl es dunkel war, war es angenehm warm. Der Sommer stand bevor, und das merkte man. Langsam setzten wir uns in Bewegung, immer noch Hand in Hand.

Different (Harry Styles)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt