Chapter 03

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„Du warst ein versehen, verstehe es doch endlich. Ich wollte dich nicht. Wir wollten dich nicht. Niemand will dich. Niemand wird dich jemals wollen." Ihre Worte waren hart und verfehlten ihre Wirkung nicht. Ich wusste es, ich hatte es immer gewusst, doch diese Worte ausgesprochen zu hören tat mehr weh, als sie nur zu denken. Es riss mein kleines Herz entzwei und ich hatte das Gefühl, dass sie ein Teil davon mitnahm, als sie das Zimmer verließ. Tränen liefen meine Wange hinunter, und ich wollte sie stoppen. Meine kleine Hand fing einzelne Tränen auf, während mein zarter Kinderkörper die Tränen und die aufsteigenden Gefühle unterbinden wollte. Ich bekam es nicht hin.

Ich versuchte zu schreien, um mich zu schlagen, irgendetwas anderes zu tun als einfach nur in dieser Ecke zu sitzen und zu weinen. Zu warten, während ich zerbrach. Auf ihn zu warten, damit er mir sagte, dass ich es wert sei geliebt zu werden. Ich klammerte mich an diese Hoffnung und wollte sie nicht gehen lassen. Ich hoffte, dass wenigstens er mich wollte, gewollt hatte. Ich liebe ihn doch und er mich. Er musste mich wollen.

Plötzlich hörte ich einen lauten Schrei. Ich konnte ihm niemanden zuordnen, doch ich erschrak fürchterlich. Er war laut und markerschütternd. Ich war mir sicher, diesen Schrei nie wieder zu vergessen und kauerte mich nur noch mehr in die Ecke.

Ein weitere Schrei folgte und noch einer. Sie waren schlimm, doch sie waren harmlos gegenüber dem, was noch folgen sollte.

Bevor ein weiterer Schrei folgen konnte wachte ich schweißgebadet auf.  Mein Kissen lag auf dem Boden Ich musste es wohl im Schlaf dort hin geworfen haben. Vorsichtig hob ich es auf und klammerte mich ängstlich daran.

Ich versuchte die Bilder aus meinem Kopf zu werfen und den Traum zu vergessen, doch es funktionierte  nicht.

Es war der immer gleiche Traum, und er hatte sich in meinem Kopf eingebrannt. Die Bilder, die Geräusche, die Gefühle ja sogar der Geruch des Raumes.  Alles war in meinem Kopf, fest verankert und unlöschbar.

Keine Festplatte der Welt konnte es besser speichern, als mein Kopf.  Ein Virus, der mich besetzt hatte und einfach nicht losließ.

Ich hatte Angst davor wieder einzuschlafen und diese Hölle erneut zu durchleben, doch ich wusste, dass ich schlafen musste.

So wie ich es jede Nacht musste. Schlafen, damit ich am nächsten Tag wieder singen konnte. Damit ich fit war und mir niemand ansah, welche Hölle ich noch immer durchlebte.

Sie durften es nicht erfahren, nicht wissen.

Nicht einmal Sam und Cole, obwohl ich ihnen sonst alles erzählte.

Ich hatte es noch niemandem erzählt, und das hatte ich so schnell auch nicht vor. Wenn ich es jemandem erzählen würde, müsste ich Worte finden, die das alles beschrieben und das konnte ich nicht. Mir fehlten die Worte dazu. Worte, die das alles real machen würden.

Nein, sie durften es nicht wissen.

Mit diesem Gedanken schlief ich wieder ein.

Sie dürfen es nicht wissen. Keiner darf es wissen.

Der Schlaf griff nach mir uns zog mich hinab in seine Tiefe. Es war ruhig und entspannt. Jegliche Träume waren meilenweit entfernt und beruhigt konnte ich durchschlafen, bis mich der Wecker am nächsten Morgen abrupt aus dem dunklen Nichts riss.

Verschlafen rieb ich mir meine Augen, stellte meinen Wecker ab und ging ins winzige Badezimmer. Ich stand immer eine halbe Stunde früher als die anderen beiden auf, damit ich meine Ruhe im Bad hatte und, wenn es notwendig war, die Augenringe überschminken konnte.

Wenn Sam und Cole das Bett verließen sah ich immer aus, als hätte ich eine entspannte Nacht gehabt, und als würde es mir gut gehen.

Ich wusste, dass Cole langsam Verdacht schöpfte, doch er war taktvoll genug, um nicht nachzufragen, und das rechnete ich ihm hoch an.

Different (Harry Styles)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt