Chapter 27

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Schweißgebadet schreckte ich aus dem Schlaf hoch. Die Bilder meines Traumes noch immer im Kopf. Es konnte nicht wahr sein. Es durfte nicht. Ich konnte nicht schon wieder einen Alptraum haben. Nicht hier in Harrys Armen, dem Ort, an dem ich mich seit langem das erste Mal wieder geborgen fühlte. Ich merkte, wie mein Herzschlag sich langsam wieder verlangsamte und auch meine Atmung sich wieder normalisierte. Mit der Normalisierung meiner Atmung kehrte auch die Müdigkeit zurück. Doch die Angst, die blieb. Die Angst davor wieder einzuschlafen. Die Angst vor einem weiteren Alptraum. Die Angst davor, dass Harry etwas bemerken könnte. Die Angst, dass er bemerken könnte, wie kaputt ich doch war. So kaputt. So zerstört. Und mit all diesen Gedanken kam auch die Wut. Die Wut auf meine Eltern. Die Wut auf meine Mutter. Auf all das, was sie mir angetan hatten. Ich hasste sie dafür. Zum ersten Mal gestand ich mir das ein, stellte ich überrascht fest. Ich lag hier neben dem Mann, den ich liebte. Ja, ich liebte Harry. So sehr. So etwas hatte ich für noch keinen anderen Menschen gefühlt. Ihn liebte ich, und weil ich das wusste, weil ich endlich wusste, wie es sich anfühlte zu lieben, wusste ich auch, dass ich meine Eltern hasste. Hass. Es war ein so schweres, so starkes Wort. Ein Gefühl, welches kaum jemand verdiente und welches man doch so oft glaubte zu verspüren. Aber ich war mir sicher, dass es bei mir nicht nur ein Glaube war. Es war die Wahrheit. Die Realität, und ich hatte jedes, wirklich jedes, Recht dazu. Meine Eltern hatten mich zerstört. Da war es mir ja wohl erlaubt sie zu hassen.

„Hier hast du etwas zu essen.", sagte meine Mutter und knallte mir eine Schüssel mit Suppe auf den Tisch in meinem Zimmer. Das tat sie mit so einer Heftigkeit, dass die Suppe dabei beinah über den Tellerrand schwappte. Mein Blick streifte den Teller nur eine Millisekunde, dann richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder auf meine Mutter: „Wann kommt er?"

„Später.", antwortete sie einsilbig und machte Anstalt das Zimmer wieder zu verlassen.

„ Du hast mir versprochen, dass er heute kommt."

„Iss deine Suppe."

„Ich mag nicht."

„Elizabeth!"

„Nein."

„Jetzt fang keinen Streit an. Nicht jetzt. Nicht heute. Benimm dich einmal in deinem verschissenen Leben."

„Ich benehme mich immer und ich tu immer, was du willst, und das weißt du ganz genau."

„Halt den Mund."

„Nein."

„Halt sofort den Mund, oder er wird gar nicht mehr kommen."

„Das kannst du mir nicht antun."

„Doch, das kann ich", schrie sie „Und wenn du nicht sofort aufhörst zu schreien, dann werde ich dafür sorgen, dass dein Leben zur Hölle wird."

„Mein Leben ist jetzt schon die Hölle.", schrie ich todesmutig zurück. In dem Moment platzte meiner Mutter der Kragen und mit zornesrotem Gesicht kam sie auf mich zu. Ihre kleinen Augen quollen beinah aus ihren Augenhöhlen.

„Halt jetzt endlich die Klappe.", brüllte sie und gerade als ich trotzig etwas erwidern wollte, holte sie mit der Hand aus. Das Wort blieb mir im Hals stecken und ich fing an gellend zu schreien.

„Hope"

Ich konnte gar nicht mehr aufhören.

„Hope"

Ich schrie, und schrie.

„Hope. Verdammt nochmal, Hope. Wach auf. Wach doch endlich auf. Alles ist in Ordnung. Du bist hier, hier bei mir."

Panisch riss ich die Augen auf und als ich ein Gesicht über meinem sah, schlug ich zu. Einfach aus Reflex, und mit den Gedanken immer noch in meinem Traum. Erst als Harrys Stimme „Hope", rief, realisierte ich, was hier gerade vor sich ging. Ich hatte Harry geschlagen, und seine Wange wurde langsam rot. Es musste weh getan haben, dennoch hielt Harry mich immer noch fest. In seinen Augen konnte ich aber lesen, wie überrascht er von meiner Tat war. Überrascht und schockiert.
„Hope?", fragte er leise und ich fing schon wieder an zu weinen.
„Es tut mir leid. Oh mein Gott, es tut mir so leid." Ich konnte gar nicht fassen, was hier geschah. Ich hatte Harry geschlagen und ich würde es ihm erklären müssen. Aber wie? Ich konnte ihm ja schlecht alles erzählen, oder?
„Hope, was ist nur mit dir los?"
Am liebsten hätte ich geschrien, dass ich es nicht wusste. Das ich nicht wusste, was hier geschah. Was mit mir geschah und was mit mir los war.

„ Du kannst es mir erzählen Hope. Bitte erzähl es mir.", sagte Harry und wiegte mich dabei leicht in seinen Armen. Diese Geste gab mir Sicherheit. Die Sicherheit, die seine Augen mir nicht gaben. In ihnen standen immer noch Überraschung und Schock. Konnte ich es ihm erzählen? Würde er mich dann verlassen?
„ Hope, ich weiß nicht, was mit dir los ist. Und ich kann dir nicht helfen, wenn du es mir nicht erzählst.", ich merkte, wie wichtig es Harry war. Hatte er mir vor wenigen Stunden noch gesagt, ich könnte es ihm erzählen, wann ich es wollte, so hatte ich jetzt das Gefühl, dass er es nun einfach wissen musste. Aber musste er das? Musste er es jetzt wissen?

Ich wollte gerade über diese Frage weiter nach grübeln, als er mir vorsichtig eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich und mir dann sanft die Tränennassen Wangen trocknete. In diesem Moment wusste ich, dass ich es ihm einfach erzählen musste. Ich hatte keine andere Wahl, und ich war mir sicher, dass er mich nicht verlassen würde. Nein, nicht deswegen. Nicht, weil ich so kaputt war. Nicht deswegen.


Different (Harry Styles)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt