Wir hatten kaum die Wohnung erreicht, als ich auch schon in mein Zimmer stürmte und versuchte meinen Laptop zu starten.
„Meinst du nicht, du willst erst mal schlafen?", fragte Cole mich vorsichtig, doch ich schüttelte entschlossen den Kopf. Nein, ich musste es jetzt lesen, sonst würde es mir Alpträume bescheren und ich würde es mir schlimmer ausmalen, als es wirklich war. Ich meinte, so schlimm konnte es doch nicht werden. Sie alle kannten mich doch gar nicht, was sollten sie da schon Schlimmes schreiben können? Wie sollten sie über mich her ziehen, wenn sie doch so gar nichts wussten?Allein an diesen Fragen merkt man schon, wie sehr ich mich damals getäuscht hatte. Heute weiß ich, wie naiv ich damals war, doch ich war doch gerade einmal 17 gewesen. Ich hatte keine Ahnung vom Leben gehabt , und obwohl ich gedacht hatte, dass ich wüsste, wie grausam Menschen sein konnten, hatte ich lernen müssen, dass sie noch viel grausamer sein konnten. Sie hatten mich wieder enttäuscht und der Teil der Geschichte, den ich jetzt erzählen werden, ist in meinen Augen der schrecklichste. Auf jeden Fall war dies der schmerzhafteste Teil für mich und ich schaffe es kaum ihn zu erzählen, doch ich muss. Ich kann nicht mehr länger schweigen, weil es mich langsam aber sicher umbringt. Obwohl... Ich bin ja sowieso schon fast Tod, was macht es da noch für einen Unterschied? Na ja, für mich macht es einen Unterschied. Ich habe das Bedürfnis sie zu erzählen, weil ich einfach nicht mehr den Mund halten kann. Die Wahrheit muss endlich ans Licht kommen und auch wenn sie vielleicht niemanden interessiert, brauche ich die Gewissheit, dass jeder der möchte, in der Lage ist, sich auch meine Version der Geschichte zu Gemüte zu führen, denn dies ist die wahre, schonungslose Version, und ich hoffe, dass die Leute durch sie endlich anfangen einzusehen, was sie mir damals angetan haben, auch wenn es nicht nur eine bestimmte Person war. Ich hoffe es so sehr, doch ich glaube nicht daran... Wie dem auch sei, ich denke ich sollte endlich weiter machen und nun auch den schrecklichen Teil nicht mehr länger Tod schweigen.
Es kam mir vor, als bräuchte mein Laptop eine Ewigkeit, bis er mir endlich Twitter öffnete. Sekunden verstrichen und in quälend langsamem Tempo baute er mir die Seite komplett auf. Zu schnell für meine Laptop klickte ich auf die Trends und brachte ihn so fast dazu abzustürzen, aber ich konnte einfach nicht mehr länger warten. Die Ungeduld trieb mich in den Wahnsinn. Sam und Cole war ich dankbar dafür, dass sie mich in Ruhe ließen. Trotzdem konnte ich hören, dass sie beide noch nicht ins Bett gingen, und ich wusste, dass sie dies nur mir zu Liebe taten.
Endlich, mein Laptop hatte die Twittertrends geöffnet. In Sekundenschnelle hatte ich die verschiedenen Hashtags überflogen und bemerkt, dass sie beinah alle von Harry und mir handelten.
HarrysNewGirl, HarrysLove und Harrysslut waren direkt zu zuordnen, doch auch Trends wie, UnknownGirl und TheNew bezog ich auf mich, auf wen denn auch sonst. Wen konnten sie denn sonst damit meinen? Die meisten wirkten auf den ersten Blick positiv, und das stimmte mich positiv, doch als ich anfing die dazu gehörigen Tweets zu lesen, verflog diese positive Stimmung wieder. Es wurde spekuliert, vermutet und zahlreiche Boshaftigkeiten wurden ebenfalls ausgetauscht. Fairerweise muss ich sagen, dass auch nette und süße Tweets vorhanden waren. Tweets, in denen Harry viel Glück gewünscht wurde, in denen gesagt wurde, wie sehr sie sich doch für ihn freuten und in denen einfach nur nett nachgefragt wurde, ob irgendwer eine schlichte Vermutung hat, wer die Unbekannte sein könnte. Doch diese Tweets befanden sich eindeutig in der Unterzahl. In den meisten wurde ich beschimpft, Harrys das neue Glück nicht gegönnt oder er als Lügner und Heuchler dargestellt. Es war zum aus der Haut fahren. Jeder Tweet machte mich nur noch wütender, doch ich konnte nicht aufhören zu lesen. Immer häufiger fand ich auch Tweets zu dem Thema Larry, welches Harry mir schon einmal erklärt hatte. Larry war der Shipname für ihn und Louis, da sehr viele Fans davon ausgingen, dass die beiden schwul und heimlich zusammen wären, was eindeutig nicht der Fall war. Sowohl Harry als auch Louis belastete dieses Gerücht sehr, da sie eine sehr enge Freundschaft hatten. Aber egal, was sie auch sagten, was sie auch versuchten zu erklären, so viele der Fans waren nicht vom Gegenteil zu überzeugen. Sie glaubten immer noch fest an ihre Larrytheorie und nahmen es lieber in Kauf, Harry und Louis damit seelisch gewaltig zu zusetzen, als zu zugeben, dass sie nicht recht hatten. Ich meine, es war ja in Ordnung, dass sie eine andere Meinung und andere Ansichten zum Liebesleben von Harry und Louis hatten und sie durften diese auch gerne mitteilen, doch an irgendeiner Stelle war einfach Schluss. Diese Stelle aber hatten die sogenannten Fans schon vor langer Zeit überschritten und in vielen Tweets und Kommentaren taten sie dies immer und immer wieder.Erst als Sam leise in mein Zimmer kam und mir den Laptop wegnahm merkte ich, dass ich angefangen hatte zu weinen. Die Tränen liefen mir über die vor Wut erhitzten Wangen und ich hatte es nicht einmal bemerkt.
„Hope, es ist vielleicht besser, wenn du das alles nicht liest."
„Aber ich muss."
„Nein, das musst du nicht. Es ist doch egal, was sie alle schreiben. Du kennst die Wahrheit. Du weißt es besser, belaste dich noch mit diesen verzogenen Gören, die nichts Besseres zu tun haben, als in das Leben anderer Personen viel mehr rein zu interpretieren, als da wirklich ist, nur weil ihr eigenes Leben stinklangweilig ist."
„Sam, das ist doch gerade einmal der Anfang."
„Ja, das ist es wohl. Und es nimmt dich jetzt schon so sehr mit. Stell dir doch nur einmal vor, wie sehr es dich in vielleicht einem Monat mitnehmen wird. Wenn sie anfangen dich zu beschimpfen. Ich meine so richtig zu beschimpfen. Du darfst es nicht dazu kommen lassen, dass sie dich verletzten können. Du musst es abschalten. Rede am Besten mit Harry darüber. Er kann dir bestimmt weiter helfen."
„Ich weiß es nicht. Ich glaube, dass er sich selber einredet, dass es ihn nicht mit nimmt und das er es ignorieren kann, aber ich sehe, dass ihn das Alles mehr mitnimmt, als er sich selber eingesteht. Ich merke es, wie er davon redet und ich sehe den Schmerz in seinen Augen. Die Ruhelosigkeit und die Angst davor, sie alle zu enttäuschen. Er will es allen Recht machen, dabei wird er das niemals schaffen. Er will sie nicht enttäuschen, aber er wird sie früher oder später enttäuschen, egal wie sehr er sich bemüht. Nur kann er das nicht einsehen und ich habe Angst, dass es ihn kaputt macht. Ich meine, er ist jetzt schon manchmal so kaputt, nur merkt er das nicht. Ich glaube nicht, dass er mir helfen kann, denn er brauchst selber Hilfe."
„Was ist mit Niall? Oder Zayn?Liam?Louis?"
„Ich weiß es nicht. Sie kenne ich nicht so gut wie Harry, aber ich glaube nicht, dass es ihnen besser geht. Ich meine, Harry sieht man es auch nicht sofort an. Nicht auf den ersten Blick."
„Trotzdem glaube ich, dass ihr es schaffen könnt."
„Wirklich? Ich hoffe es so sehr, doch ich kann nicht daran glauben. Ich wünsche es mir, ja das tue ich wirklich. Aber ich glaube nicht daran."
„Dann fang an daran zu glauben. Fang damit an und ihr werdet es schaffen, das verspreche ich dir."
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Different (Harry Styles)
FanfictionHope und Harry. Der gleiche Anfangsbuchstabe und ihre Liebe zur Musik ist wohl das Einzige, was sie verbindet. Ansonsten könnten sie unterschiedlicher nicht sein. Sie, die arme Straßenmusiker, die das Wort glücklich nur aus Geschichten kennt. Er, d...