Chapter 37

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Ohne, dass ich darüber mit Sam oder Cole redete, wusste ich, dass ich verloren war. Ich war verloren. Meine Entscheidung war gefällt, dafür brauchte ich keine Hilfe, keine guten Ratschläge oder sonst irgendetwas in der Richtung. Meine Entscheidung stand und es gab keine Alternative.
Ich hatte mein neues Handy aus meiner Gitarrentasche gefischt und Harry eine Nachricht geschrieben.

Treffen an unserem geheimen Platz?

Dieser Ort lag so abgelegen in einem Park in London, dass uns dort niemand finden würde. Niemand würde uns sehen oder hören und ich konnte ihm alles sagen, was ich ihm zu sagen hatte. Was ich ihm sagen musste.
Bevor ich mich aufmachte zu unserem Treffpunkt, hatte ich noch etwas Wichtiges zu tun. Ich schälte die Gitarre aus ihrer Tasche und nahm sie in die Hand. Schaute sie noch ein letztes Mal an, um mich zu versichern, dass ich bereit war. Bereit, für diesen Schritt. Bereit, es zu ändern, für immer. Den Schmerz zu zu lassen, der kommen würde, um zu bleiben. Und in diesem Moment, da war ich mir sicher gewesen. Ich war mir sicher gewesen, dass ich dafür bereit war. Bereit den Schmerz zu ertragen, Tag für Tag, mein ganzes Leben lang.
Mit einer Entschlossenheit, die ich von mir niemals erwartet hatte, holte ich aus und zerschlug die Gitarre an einer Steinmauer. Schlug wieder und wieder auf diese ein, bis ich nur noch ein winziges Stückchen Holz in der Hand hatte. Mit jedem Schlag hatte ich das Gefühl, dass ich mich ein Stückchen mehr befreite und mich für das kommende vorbereitete. Als ich auch das letzte Stück Holz der Gitarre weg warf, war ich mir sicher, dass ich nie wieder eine Gitarre in der Hand halten würde. Dass ich nie wieder auch nur einen Ton auf irgendeinem Instrument spielen würde, und, dass ich nie wieder auch nur einen Ton singen würde.
Dann drehte ich mich um und machte mich auf zu Harry. Er hatte geantwortet, dass er da sein würde und ich war mir sicher, dass er glaubte, dass ich mich entschuldigen würde.

Ich hatte unseren Platz beinah erreicht, als ich Harry auch schon sah. Ich war mir sicher, dass er mich noch nicht sehen konnte und so blieb ich stehen. Versuchte Kraft zu sammeln, für das kommende.
Tränen bildeten sich in meinen Augen und ich schaute ihn einfach nur an. Nahm sein Bild in mir auf, um es niemals zu vergessen. So wollte ich ihn in Erinnerung behalten. So und nicht anders.
Er schaute sich um und obwohl wir gestritten hatten, lag um seine Mundwinkel ein Lächeln, welches seine Grübchen zum Vorschein brachte. Seine braunen Locken umspielten sein Gesicht, und würde ich ihn nicht schon über alles auf dieser Welt lieben, spätestens jetzt wäre es soweit.
Ein letztes Mal noch schaute ich ihn an und genoss seinen glücklichen Anblick. Ja, so wollte ich ihn in Erinnerung behalten, definitiv. Als ich ihn so da stehen sah, keimten noch einmal kurz Zweifel in mir auf. Ich würde ihm das Herz brechen, wollte ich das wirklich? War ich bereit dieses Lächeln zu zerstören? Ja, war ich. Ich war bereit dazu, ihn zu zerstören. Es war das Beste für ihn, da war ich mir sicher. Ich würde ihn zerstören, doch ich war mir sicher, dass er stark genug dafür war. Er würde sich selber wieder aufbauen und weiter machen können. Ob ich das auch konnte wusste ich nicht. Würde ich irgendwann weiter machen können? Nein, sicher nicht. Ich würde kein normales Leben führen können, doch das hatte ich nie gehabt. Ich hatte nie ein normales Leben gehabt, so etwas war für mich einfach nicht vorgesehen gewesen. Trotzdem musste ich die Reißleine ziehen. Eine andere Möglichkeit gab es gar nicht. Ich musste uns retten, bevor wir hoffnungslos verloren waren.
Überzeugt das richtige zu tun machte ich mich auf zu Harry und verließ meine Deckung.

Als er mich sah fing er an zu grinsen und obwohl wir uns im Streit getrennt hatten, kam er strahlend auf mich zu und umarmte mich stürmisch. Bevor ich auch nur irgendetwas sagen konnte, sprach er: „Es tut mir leid. So leid Hope. Ich werde dir nicht mehr unterstellen, dass du uns einfach weg wirfst. Ich weiß...", ich unterbrach ihn.
„Nicht Harry. Du weißt gar nicht."
„Was?", verwundert schaute er mich an und ließ mich aus der Umarmung frei.
„Was ist los Hope?"
„Harry...", fing ich an, brach aber sofort wieder ab. Meine Stimme versagte. Konnte ich es ihm sagen? Jetzt, wo er hier vor mir stand und mich mit so viel Liebe und Angst in den Augen anschaute.
„Hope, was ist los?", fragte Harry erneut und da überkam ihn ein schrecklicher Verdacht.
„Du wirfst das Handtuch. Du gibst uns auf. Ich hatte Recht. Liebst du mich nicht mehr?"
Eine Träne rollte über meine Wange und ich nickte leicht. Entsetzen machte sich auf seinem Gesicht breit.
„Harry, es ist nicht so, dass ich dich nicht liebe. Verdammt, denn das stimmt nicht. Ich liebe dich. Ich liebe dich über alles. Mehr als irgendwen, den ich jemals geliebt habe. Ich liebe dich so sehr, dass ich das Gefühl habe, mein Herz würde zerspringen, und ich werde dich auch in Jahren noch lieben, da bin ich mir sicher. Wenn es so etwas wie wahre Liebe überhaupt gibt, dann bist du meine wahre Liebe. Dann bist du der Eine für mich. Ich liebe dein Lächeln, deine Art, dein Geruch, deine Stimme, einfach alles an dir. Wenn du traurig bist, habe ich das Gefühl, dass es mich zerreißt. Wenn du glücklich bist, dann bin ich es auch. Wenn du einem anderen Mädchen Komplimente machst, dann bin ich eifersüchtig, weil ich Angst habe dich zu verlieren. Ich möchte dich nicht verlassen und gäbe es eine Wahl, glaub mir, ich würde es nicht tun, weil ich dich nicht verlieren will, niemals."
„ Dann tu es nicht, bleib bei mir!", flüsterte er leise. Bei seinen Worten zog mein Herz sich zusammen. Es tat weh, ihm dass alles sagen zu müssen, doch es ging nicht anders.
„ Harry, ich kann nicht. Ich muss. Ich möchte nicht, doch ich muss. Ich muss dich verlassen, bevor das hier noch schlimmer endet, als es sowieso schon enden wird.
Du und ich, das wird niemals funktionieren, und wenn wir ehrlich sind wissen wir es beide.
Wir könnten verschiedener nicht sein, und diese Beziehung könnte deine Karriere zerstören."
„ Es ist mir egal", wieder unterbrach er mich flehend.
„Nein, das ist gelogen. Es ist dir nicht egal. Vielleicht scheint es dir jetzt so, doch irgendwann wirst du es bereuen. Irgendwann wirst du dich fragen, wieso du deine Karriere für mich zerstört hat. Deinen Traum hast platzen lassen, und deswegen ist es dir nicht egal. Mir auch nicht. Es macht mich kaputt.
Ich kann nicht damit leben, dass ich dafür verantwortlich bin, dass dein Traum zerstört wird. Ich kann nicht die Figur Harry Styles zerstören, nur weil ich einmal egoistisch sein will, dass kann ich nicht.
Ich kann nicht mit dem Hass leben, auch wenn ich es muss. Ich kann nicht mit dem Presserummel leben. Es bringt mich um.
Harry ich liebe dich, und würde mein Leben am liebsten mit dir verbringen, doch ich kann nicht mit deinem Leben leben, und es ist ein Teil von dir. Dein Leben ist ein Teil von dir, der nun einmal unausweichlich mit dir verknüpft ist.
Es wird wehtun, doch irgendwann geht es vorbei und du wirst eine Neue finden. Ein Mädchen, was dich genauso liebt, wie ich es tu, vielleicht sogar noch mehr. Und dann wirst du an mich zurück denken, an das Mädchen von der Straße, deinen größten Fehler, und die Welt hat wieder ihre Ordnung."
Eine einzelne Träne rann über meine Wange und ich drehte mich schnell um. Ich ging, und ließ ihn völlig verdattert zurück.

Bei jedem Schritt den ich mich weiter von ihm entfernte brach auch mein Herz ein Stück mehr.
Tränen rannen meine Wange hinab, und ich machte mir nicht einmal mehr die Mühe sie zu stoppen. Was hätte es den schon gebracht?
„ Hope", rief Harry mir hinter her mit Tränen erstickter Stimme. Ich hörte, dass er mir hinter her rannte.
„ Harry, nicht!", flehte ich, doch er hörte mich nicht.
Er hatte mich erreicht und hielt mich am Arm zurück.
„ Hope, bitte verlass mich nicht. Ich tu alles für dich, damit du bleibst. Ich werde nie wieder ein Mädchen finden, dass ich so Lieben werde, wie ich dich liebe.
Du bist auch für mich die einzige Liebe, die; die man nur einmal im Leben findet.
Warum können wir nicht zusammen sein? Sag es mir! Ich verstehe es nicht."
„ Harry, lass mich, bitte", immer noch liefen die Tränen unaufhörlich und auch Harry verlor einzelne Tränen.
„ Nein, Hope erklär es mir, mehr möchte ich nicht. Das bist du mir Schuldig."
Ich schaute hoch, ihm direkt in die Augen, und was ich da erkannte verschlug mir die Sprache. In seinen Augen stand Liebe, pure Liebe, Liebe, die stärker war als alles auf dieser Welt.
„ Weil du Harry Styles bist, der Harry Styles und ich nur ein Mädchen von der Straße. Ich bin Hope, irgendeine Hope, die keinen interessiert, die alle vergessen, und die gefälligst nicht glücklich zu sein hat. Weil es Unterschiede zwischen uns gibt, die sind unüberwindbar. Weil keiner möchte, dass wir zusammen sind. Weil ich dafür gehasst werde, dass ich liebe. Weil es falsch ist, und weil es immer weh tun wird. Harry, deswegen darf ich dich nicht lieben, so etwas gibt es nicht."
„ Du bist nicht irgendeine Hope, du bist meine Hope, und mir ist es egal, was sein dürfte und ob ich dich lieben darf oder nicht, ich tu es und zwar mehr als alles auf dieser Welt."

Ich drehte mich von ihm weg. Ich musste gehen, sonst würde ich bleiben, und das durfte ich nicht.
Ich riss mich von ihm los und fing an zu rennen. Nur weit weg von ihm, er durfte mich nicht finden.
Doch Harry rannte mir hinter her und er war schneller und stärker als ich.
Nur wenige Sekunden später erreichte er mich und drückte mich gegen eine Wand. Ehe ich etwas tun konnte, küsste er mich.
Der Kuss war fordernd und so voller Schmerz, dass ich Sekunden lang vergaß zu atmen.
„ Du glaubst mir nicht?", sagte er und ließ von mir ab „ Du denkst, dass ich eine neue finde? Denkst, dass meine Liebe vergehen wird?."
„Harry, es wird nicht funktionieren. Niemals. So etwas gibt es im echten Leben nicht. Diese Liebe kann es nicht geben. Sie kann nicht existieren. Wir können nicht existieren. Nicht zusammen.
Und ja, ich denke, dass deine Liebe vergehen wird, denn Liebe ist vergänglich."
„Nein Hope, das ist sie nicht." Harry machte Anstalten mich noch einmal zu küssen, doch ich wich zurück.
„Danke für die wundervollen Monate. Danke für deine Liebe. Danke für alles. Danke, dass ich dein Mädchen sein durfte.", ich schaute ihn noch einmal mit aller Liebe, die ich aufbringen konnte an, dann drehte ich mich um und ging. Harry blieb zurück.
„Hope?", rief er.
Ich antwortete nicht, doch er redete trotzdem weiter.
„Ich liebe dich, vergiss das niemals, denn ich werde dich niemals vergessen."

Es waren die letzten Worte, die ich jemals von Harry persönlich hörte. Die letzten Worte einer Liebe, die einfach nicht sein durfte. Es waren die letzten Worte einer Liebe, die stark war, aber nicht lebensfähig.
An diesem Tag zerstörte ich etwas wunderbares, vielleicht sogar beinah Perfektes und erst viele Jahrzehnte später habe ich die Reichweite meines Handelns wirklich begriffen.

Different (Harry Styles)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt