Kapitel 6

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Songempfehlung: slō, twilight, Tazzy - harleys in hawaii - slowed + reverb

Der Vorlesungssaal leerte sich langsam und nachdem Charlotte und ich unsere Handynummern getauscht hatten, packte auch sie ihre Sachen zusammen. Sie warf einen letzten Blick auf Professor Wright und flüsterte mir noch ein leises Viel Glück zu. Dann verschwand sie mit den anderen aus dem Saal.

Unbehagen breitete sich in mir aus und ich fragte mich, ob ich wohl doch etwas zu weit übers Ziel hinausgeschossen war. Die Angst, dass er mich womöglich dem Dekan melden würde, flammte kurz in mir auf. Andererseits jedoch hatte Professor Wright kein Recht, mich derart vor dem Kurs, vor den Augen aller, zu blamieren. Zu allem Überfluss schien er auch noch Spaß daran gehabt zu haben. Als besäße er eine sadistische Ader.

Fest entschlossen, mich nicht unterkriegen zu lassen, reckte ich das Kinn vor, griff nach meiner Tasche und marschierte die Stufen hinunter, die zu seinem Pult führten. Professor Wright sortierte gerade seine Unterlagen, als er bemerkte, dass ich auf ihn zukam. Er hob den Kopf.

Für den Bruchteil einer Sekunde trafen sich unsere Blicke.

»Sie scheinen es wohl wirklich darauf anzulegen, der Universität verwiesen zu werden, Miss Taylor«, donnerte seine kräftige Stimme durch den nun leeren Saal. Er kam um seinen Pult herum geschlendert und lehnte sich mit verschränkten Armen lässig dagegen. Diese Geste sollte mich wohl einschüchtern. Das tat sie jedoch nicht. Im Gegenteil. Ich spiegelte den Professor, indem ich meine Arme ebenfalls vor der Brust verschränkte.

»Und Sie spielen wohl gerne Ihre Macht aus, indem Sie Studenten vor dem ganzen Kurs vorführen«, die Worte purzelten einfach so aus mir heraus, obwohl ich mir eigentlich vorgenommen hatte, dem Professor etwas freundlicher gesinnt zu sein.

»Wie bitte?«, empört sah er auf mich herab. »Ich verbitte mir einen solchen Tonfall, sonst...«

Ich fiel ihm harsch ins Wort und mit drei schnellen Schritten stand ich dicht vor ihm.

»Sonst was?«, fragte ich herausfordernd und sah zu ihm hoch. Verärgert funkelte ich ihn an und Professor Wright funkelte aus seinen smaragdgrünen Augen zurück.

In diesem Moment wurde mir klar, wie nahe ich an ihn herangetreten war. Und peinlich berührt stellte ich fest, dass uns nur ein kleiner Abstand voneinander trennte. Mit einem Schlag wurde ich mir seiner plötzlichen Nähe bewusst und schluckte schwer. Ich war so sehr in Rage gewesen, dass es mir nicht aufgefallen war. Aber nun... Mein Blick wanderte über sein Gesicht. Über die satten grünen Augen, die von einem dichten schwarzen Ring umgeben waren, die gerade Nase, die perfekt geschwungenen Lippen...

Ein Jammer, dass jemand, der so gutaussehend war, so arrogant und unausstehlich sein musste.

Als mein Blick zurück zu seinen Augen huschte, entdeckte ich ein herausforderndes Glitzern darin. Seine Lippen verzogen sich zu einem schiefen Lächeln, als hätte er mein Starren bemerkt.

Plötzlich beugte er sich sogar noch ein Stückchen weiter zu mir herab.

Ich versteinerte, unfähig, mich auch nur einen Zentimeter zu rühren. Was hatte er vor?

Das Blut schoss mir in den Kopf und meine Wangen färbten sich puterrot.

»Sonst«, flüsterte er dicht an meinem Ohr. »Sorge ich dafür, dass Sie diese Universität nur noch von außen betrachten.«

Professor Wright war mir so nahe, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spürte. Und obwohl die Worte, die er mir ins Ohr flüsterte, alles andere als nett waren, konnte ich nichts gegen dieses plötzliche Prickeln tun, das meinen gesamten Körper in Beschlag nahm. Gänsehaut legte sich über meine Haut und ich kam nicht dagegen an, dass jede Faser, jeder Zentimeter meines Seins auf ihn reagierte.

Her HeartWo Geschichten leben. Entdecke jetzt