Songempfehlung: Bad Omens - Just Pretend
Ich öffnete flatternd die Lider, als Julian mich auf dem Beifahrersitz absetzte. Keine Ahnung, wie lange ich noch auf seinem Schoß saß, aber ich wusste, dass er mich noch eine ganze Weile lang im Arm gehalten hatte. Ich wusste es auch, weil ich kurz zu mir gekommen war, während er mit seiner Hand beruhigende Kreise über meinen Rücken strich. Mir war ganz warm und gleichzeitig schwer ums Herz geworden. Warm, weil mich diese liebevolle Geste so sehr rührte und schwer, weil ich begriff, dass ich mein Herz ausnahmslos an ihn verschenkt hatte. Dass ich es nicht mehr zurückfordern konnte - und das machte mir Angst.
Ich hob den Kopf und starrte in seine glühend grüne Augen, die mein Herz sofort höher schlagen ließen. Mir entging dabei nicht der bekümmerte Gesichtsausdruck und die kleine Sorgenfalte zwischen seinen Augenbrauen.
Es dauerte ganze fünf Minuten, bis ich Julian davon überzeugt hatte, dass es mir gut ging. Schließlich half er mir dabei, mich wieder anzuziehen, da meine Glieder völlig schlaff und leblos an mir herunterbaumelten, wie bei einer Puppe.
»Sicher, dass ich dich nicht ins Krankenhaus fahren soll?«, fragte er nun schon zum gefühlt hundertsten Mal. Vehement schüttelte ich den Kopf.
Was hätte ich im Krankenhaus denn bitteschön sagen sollen?
Hallo, ich bin herzkrank und mein Professor hat mich beim Sex aus Versehen bewusstlos gevögelt?
Nein, ganz sicher nicht.
Ich verstand Julians Sorge ja, aber er neigte zur Übervorsicht. Es war alles in bester Ordnung. Die ganzen Gefühle und Emotionen hatten mich schlicht überwältigt und von all der Anstrengung war ich kurz ohnmächtig geworden.
Sex war in der Regel für das Herz nicht mehr, als ein schneller, kurzer Spaziergang. In der Medizin definierte man sexuelle Aktivität als leichte bis mittlere körperliche Aktivität über einen kurzen Zeitraum. Da sich meine Herzinsuffizienz allerdings bereits in einem fortgeschrittenen Stadium befand, machte mir eben auch der Liebesakt schon zu schaffen. Nichtsdestotrotz war ich so zufrieden und glücklich, wie schon lange nicht mehr. Das Lächeln wollte gar nicht mehr von meinen Lippen weichen und müde drehte ich den Kopf in Julians Richtung.
Er schaute mich nicht an.
»Sieh es doch mal positiv. Jetzt kannst du angeben und sagen, dass du jemanden in die Bewusstlosigkeit gevögelt hast, wer kann das schon von sich behaupten?«, ich grinste träge und handelte mir einen bösen Blick von ihm ein.
»Hör auf Witze darüber zu machen, Laney«, er hob abschätzig eine Braue, ehe er den Motor einschaltete und rückwärts aus der Parknische fuhr.
»Kein Grund bescheiden zu sein, Professor. Oder hast du etwa schon einmal jemanden bewusstlos gevögelt?«
Julian stieß ein abfälliges Schnauben aus und schüttelte über meine Leichtsinnigkeit ungläubig den Kopf. Aber dann sagte er: »Nein, für mich ist es auch eine Premiere.«
Ich kicherte und richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf die Straße. Langsam kehrte ein kleines bisschen Kraft zurück in meinen Körper, der vollkommen verausgabt war.
Für den Rest der Fahrt war Julian ungewohnt schweigsam. Er sprach kaum ein Wort mit mir, konzentrierte sich auf den Verkehr - der recht spärlich war zu dieser Stunde - und lenkte den Wagen souverän durch New Haven. Meine müden Augen wanderten zu ihm und ich warf ihm einen heimlichen Blick zu.
Wir hatten es getan.
Wir hatten miteinander geschlafen.
Ich hatte Sex gehabt.
Mit Julian.
Mit meinem Professor. Das war etwas, das ich immer wieder vergaß - oder besser gesagt verdrängte. Insbesondere heute, da ich Julian von einer ganz anderen Seite kennengelernt hatte.
DU LIEST GERADE
Her Heart
RomanceDer erste Band der Hearts-Reihe! Laney Taylor ist schwerkrank. Schon von Geburt an leidet sie an einer Herzschwäche und wartet seit einigen Jahren vergeblich auf ein Spenderherz. Während ihre Eltern täglich auf ein Wunder hoffen, hat Laney ihr Schic...
