Bonus Chapter III

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Songempfehlung: Lana del Rey - Say Yes To Heaven

- Julian -
1 Tag vorher

Laney war nicht mehr da.
Ich wusste es, noch bevor ich die Haustür öffnete und eintrat.
Sie war weg. Gegangen. Ohne ein Wort.

Ich war ein Vollidiot. Ein absoluter Vollidiot. Ich hatte sie für Daphne sitzen lassen. Für meine Exfrau, die mich mit meinem besten Freund betrogen hatte.

Doch ich konnte nicht anders.

Daphne war ein Wrack. Sie war niemals über den Unfall damals hinweg gekommen. Sie hatte niemals verkraftet, für den Zustand ihrer kleinen Schwester und den Tod meines Bruder verantwortlich zu sein. Dabei war es nicht einmal ihre Schuld.

Es war meine.

Es war einzig und allein meine Schuld, weil ich meine Gefühle nicht im Griff gehabt hatte. Weil ich sie in dem Auto angeschrien hatte. Weil ich eifersüchtig gewesen war.

Es war nicht fair, dass sie sich dafür die Schuld gab. Genauso wenig, wie es fair war, dass ein paar Sekunden alles verändert hatten. Ein paar Sekunden der Unachtsamkeit, die vier Leben zerstörten.

Ja, das Leben konnte so schnell vorbei sein... Dieser Gedanke beängstigte und belebte mich gleichermaßen.

Ich trat ein, begrüßte Sam und schaute mich im Haus um, nur um sicherzugehen, dass Laney auch wirklich nicht mehr hier war.

Du musst gar nichts, hatte Laney zu mir gesagt, du bist nicht für sie verantwortlich. Nicht mehr.

Laney hatte Recht.

Ich war nicht mehr für Daphne verantwortlich. Aber trotzdem verspürte ich Schuldgefühle, die mich dazu trieben, ihr immer wieder helfen zu wollen. Trotz allem, was sie mir angetan hatte. Was Sie und Misha mir angetan hatten.

Zu gut erinnerte ich mich an den Tag vor zwei Jahren, als ich früher nach Hause gekommen war und die beiden - wie in einem schlechten Film - auf dem Küchentresen entdeckt hatte.

Daphne war mir hinterhergerannt. Sie war nackt vor mir auf die Knie gefallen und hatte mich angefleht, sie nicht zu verlassen. Dass Misha nur ein Ausrutscher gewesen wäre. Dass ich der Einzige für sie sei... Doch in dem Moment, als ich die beiden miteinander erwischt hatte, wusste ich, dass ich Daphne nie wieder auch nur anfassen wollte. Ich hatte alles für sie getan. Ich hatte ihr die Welt zu Füßen gelegt und versucht, ihr in all den Jahren beizustehen. Der Dank hierfür war ein Fick mit meinem besten Freund - dem ich daraufhin - nebenbei bemerkt - die Nase und den Kieferknochen gebrochen hatte. Danach reichte ich die Scheidung ein und brach den Kontakt zu beiden ab.

Doch Daphne ließ nicht locker. Immer wieder kam sie angekrochen und versuchte sich in mein Leben zu schleichen. Und da ich ein verdammter Gutmensch war, fiel ich immer wieder drauf rein. Wie vorhin auch. Wir waren einen Kaffee trinken gewesen und ich hatte ihr zum hundertsten Mal ans Herz gelegt, sich wieder einen Therapeuten zu suchen. Doch stattdessen hatte sie permanent nur vom Thema abgelenkt und versucht, mehr über mein jetziges Leben in Erfahrung zu bringen. Wie es mir ging... Wie die Arbeit lief... Ob ich eine neue Freundin hätte... Natürlich gab ich ihr darüber keine Auskunft, denn das ging sie alles nichts mehr an. Und Misha... Ja, selbst Misha kreuzte hin und wieder mal auf und versuchte sich meine Gunst zu erschleichen. Doch Misha war für mich gestorben. Es war nicht sonderlich verwunderlich, dass er sich an Daphne rangemacht hatte. Misha machte kein Geheimnis daraus, dass er Daphne schon seit ich die beiden bekannt gemacht hatte, ziemlich heiß fand. Außerdem war Misha ein Frauenheld, wie er im Buche stand, der seine Affären öfter wechselte, als seine Unterhosen. Aber dass er tatsächlich diese letzte Grenze überschritt und wahrhaftig mit ihr in die Kiste stieg, hätte ich niemals erwartet.

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