Songempfehlung: Tom Odell - Heal
»Irgendwelche Aktivitäten, die den Schock ausgelöst haben könnten, Laney?«, fragte Dr. Heyck, während er überprüfte, was genau passiert war. Er machte einige Untersuchungen, ehe er meinen Defibrillator am Computer auslas - und das an einem Samstag! Eigentlich hatte ich bis Montag warten wollen, um Dr. Heyck aufzusuchen. Doch nach dem abgegebenen Schock heute Morgen, hatte ich mich den ganzen Mittag hundeelend gefühlt. Meine Brust schmerzte und ich war so abgeschlagen, wie schon lange nicht mehr. Also hatte ich ihn sofort kontaktiert. Er bat mich, direkt in seine Praxis zu kommen. Sicherlich hätte er Besseres zu tun gehabt, als sich um seine neunzehnjährige, trotzige Herzpatientin zu kümmern. Doch so war Dr. Heyck nun einmal. Engagiert, tüchtig und aufopferungsvoll. Er würde sein letztes Hemd für seine Patienten geben.
Als ich mir seine Worte wieder in Erinnerung rief, stöhnte ich peinlich berührt und war dankbar dafür, dass ich meine Eltern nicht gebeten hatte, mich zum Kontrolltermin zu begleiten. Unter keinen Umständen hätte ich Dr. Heyck in ihrer Anwesenheit erzählen können, was geschehen war, bevor der Defibrillator seinen Schock abgegeben hatte.
»Ich ähm«, stammelte ich leicht verlegen. »Ich war mit jemandem zusammen.«
Dr. Heyck tippte auf seinem Computer herum und hob ohne mich anzusehen eine seiner grauen, buschigen Brauen. »Und weiter?«
Malcolm Heyck war seit ich denken konnte mein Arzt. Er hatte mich auf meinem bisherigen Leidensweg von klein auf begleitet, wodurch eine Art Freundschaft zwischen uns entstanden war. Dr. Heyck war ein hoch angesehener und renommierter Kardiologe mittleren Alters. Mit seiner offenen und herzlichen Art wickelte er nahezu jeden Patienten um den Finger, so auch mich. Bei ihm handelte es sich nicht um einen dieser gefühlskalten, emotionslosen Ärzte, die ihre Patienten wie am Fließband abfertigten. Er war das krasse Gegenteil und genau das machte ihn in meinen Augen zu einem guten und kompetenten Arzt.
Aus diesem Grund war eigentlich auch nichts dabei, ihm von dem Kuss zu erzählen. Ich sollte vielleicht nur die Tatsache weglassen, dass es sich bei besagter Person um meinen Professor handelte...
»Du weißt schon«, drängelte ich und begann nervös an dem Saum meiner Jeans zu nesteln. »Ich habe mit jemandem rumgeknutscht.«
Dr. Heycks Finger hielten mitten in der Bewegung inne und schwebten über der Tastatur. Schließlich hob er das Gesicht und sah von seinem Computer überrascht zu mir rüber.
»Rumgeknutscht also?«, ein verschmitztes Lächeln stahl sich auf seine Lippen und kleine Lachfältchen erschienen um seine Augen. Für sein Alter sah er noch recht gut aus.
Er war schlank und hochgewachsen und obwohl sein helles Haar bereits von grauen Strähnchen durchzogen war, verlieh ihm diese Farbe eine gewisse Attraktivität. Es schmeichelte seinen sanften Gesichtszügen.
»Das ist also der Grund, warum dein Herz kurz gestolpert ist, huh?«, er zwinkerte mir zu, ehe er sich wieder dem Computer zuwandte. Ich mochte Dr. Heycks Humor, auch wenn ich mich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht mit diesem Kuss auseinandersetzen wollte.
»Ich möchte nicht darüber reden.«
»Warum nicht?«, fragte er hinter dem Bildschirm. »Es ist das erste Mal, dass du von einem Jungen erzählst.«
Einem Jungen? Dass ich nicht lache. Wohl eher meinem neunundzwanzigjährigen Professor.
»Eigentlich wollte ich gar nicht von Jungs erzählen. Niemals«, murrte ich, was ihm ein weiteres Lachen entlockte.
»Verliebtsein ist etwas Schönes, Laney. Genieße es.«
Ruckartig hob ich den Kopf.
»Erstens«, ich reckte symbolisch meinen Zeigefinger in die Luft und zischte: »Bin ich nicht verliebt«, dann folgte der zweite Finger. »Und zweitens, wäre es in Anbetracht der Tatsache, dass ich bald sterben werde, das Idiotischste was mir passieren könnte.«
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Her Heart
RomanceDer erste Band der Hearts-Reihe! Laney Taylor ist schwerkrank. Schon von Geburt an leidet sie an einer Herzschwäche und wartet seit einigen Jahren vergeblich auf ein Spenderherz. Während ihre Eltern täglich auf ein Wunder hoffen, hat Laney ihr Schic...
