Kapitel 29

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Songempfehlung: Doja Cat - Wine Pon You

Ein lautes Poltern riss mich aus einem tiefen, erholsamen Schlaf.

Blinzelnd öffnete ich die Augen und starrte an eine weiße Zimmerdecke. Eine Decke, die definitiv nicht zu der meines Zimmers im Wohnheim passte.

Keine Chase Atlantic Poster, die meine Wände zierten. Keine Lichterkette aus kleinen Lampions und auch keine Fotos von meiner Familie und Josh, die an den Wänden hingen. Stattdessen blickte ich zu einer Dachschräge mit zwei Fenstern hoch, durch die helles Licht fiel. Weiße Wolken säumten einen blauen, morgendlichen Himmel und verrieten mir, dass der Tag bereits angebrochen war.

Verschlafen richtete ich mich auf, krabbelte zur Bettkante und ließ meine Augen umher wandern. Graue Wände, Venylboden und Mobiliar aus dunklem Akazienholz schmückten den Raum, dessen stilvolle aber dezente Einrichtung mich ein klein wenig beeindruckte.

Schlagartig holten mich die Ereignisse des gestrigen Tages ein und sofort wurde mir bewusst, wo ich mich befand.

Ich war bei Julian.

Oder besser gesagt - in seinem Schlafzimmer.

Das Geräusch, das mich aufgeweckt hatte, war die Tür zu einem, wie ich annahm Ankleideraum, die gerade ins Schloss gefallen war.

Und davor stand er.

Julian.

Die Verkörperung absoluter Perfektion. Eine von Gott geschaffene Vollkommenheit, aber für mich die pure Sünde. Unantastbar und doch so verlockend, dass ich nun hier gelandet war. In seinem Bett.

»Guten Morgen«, begrüßte er mich mit rauer, melodischer Stimme, die in mir den Wunsch weckte, ihn zu packen, zurück ins Bett zu ziehen und unanständige Dinge anzustellen. Auch wenn das wohl ein riesengroßer Fehler wäre. Einen Fehler, den wir gestern bereits begangen hatten und den ich liebend gerne wiederholen würde. Einzig und allein beim Gedanken daran spürte ich, wie mir die Hitze zu Kopf stieg.

»Hast du gut geschlafen?«, fragte er höflich.

»Mhm«, ich nickte und fuhr damit fort, Julian zu betrachten. Mir blieb buchstäblich die Spucke weg. Seine Haare waren nass und hingen ihm in Strähnen ins Gesicht, als käme er gerade aus der Dusche. Zudem war er bekleidet mit einer schwarzen Anzughose und einem gleichfarbigen Hemd, das - nebenbei bemerkt - auch noch offen stand und seinen perfekten Oberkörper zur Schau stellte.

Sofort begann mein Puls gefährlich zu rasen.

Meine Augen wanderten über die leichten Wölbungen seines Sixpacks bis hin zu seiner perfekt definierten Brust, die von schwarzen Lettern geschmückt war. Der Besitz eines solchen Körpers war kriminell. Es sollte verboten werden. Definitiv. Ich konnte gar nicht mehr wegschauen und mein Mund wurde so staubtrocken, wie die Sahara. Tausende von Bilder rasten auf mein inneres Auge hinab.

Bilder von Julian und mir gestern Abend am Monument. In seinem Auto. Bilder, wie wir uns geküsst hatten. Wie wir uns gegenseitig die Kleider vom Leib gerissen hatten.

Wie er in mir war.

Oh ja, wir hatten jegliche Hüllen fallen lassen und uns um nichts und niemand anderen Gedanken gemacht, als uns selbst.

»Laney«, erklang plötzlich Julians Stimme mit einem mahnenden Unterton. »Sieh mich nicht so an.«

Julian riss mich aus meiner Trance und ertappt richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder ein paar Zentimeter höher auf sein Gesicht. Sofort färbten sich meine Wangen Rosa.

Ich wusste nicht, was dafür verantwortlich war, ob es seine vereinnahmende Präsenz war, der glühende Blick aus seinen grünen Augen oder die Worte, die er sagte, aber mein Körper reagierte mit einer Heftigkeit auf ihn, die ich nicht zu bändigen wusste.

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