Bonus Chapter II

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- Julian -

Ich lenkte meine heiß und innig geliebte Yamaha R1 auf den für mich reservierten Parkplatz in der Nähe des New Haven Greens und stieg ab.

Motorsport war neben dem Boxen eines meiner liebsten Hobbys. Schon als Kind hatte mein Dad mich immer Spazieren gefahren. Relativ früh kam ich dann auch auf die Idee - sehr zu Moms Missfallen - den Motorradführerschein zu machen. Als ich schließlich sogar begonnen hatte, Motorradsport professionell im Verein zu fahren, hatte sie beinahe einen halben Herzinfarkt erlitten. Mom hasste das Motorradfahren. Sie sah es als das, was es war - gefährlich, riskant, lebensbedrohlich.

Aber das waren nun einmal nicht die einzigen Dinge, die dieses Hobby ausmachten. Nein, es verlieh einem auch das Gefühl von Ausgleich. Von Schwerelosigkeit. Von Freiheit. Dieses eine, ganz besondere Gefühl, wenn einem der Fahrtwind ins Gesicht wehte oder man die Maschine unter den Beinen vibrieren spürte. Es war mehr als nur ein Hobby, es war eine Leidenschaft. Und es verband mich mit meinem Dad. Auch heute noch unternahmen wir viele gemeinsame Motorradtouren.

Mit einem verliebten Blick strich ich einmal über den schwarzen Lack, ehe ich mich zu Fuß auf den Weg machte. Ich schlenderte über das frisch gemähte Gras des Old Campus', auf dem es nun von Studenten nur so wimmelte. Es herrschte reges Treiben, als hätte der Teufel seinen Sack ausgeschüttet. Aufregung und Euphorie lagen in der Luft und luden sie elektrisch auf. Die Vorfreude war beinahe mit Händen greifbar. Die Yale University hatte für die Erstsemestler einige Events auf Lager und besonders die Freshmen waren stets hellauf begeistert von den angebotenen Aktivitäten.

Da die Yale First Year Olympics zu einen der ersten Events gehörten, waren sie natürlich eine Peremiere und somit etwas ganz Besonderes unter den Neulingen.

Das College unterschied sich stark von der High School. Für viele Schüler war es der erste Schritt in Richtung Berufswelt. Ein neuer Lebensabschnitt. Mit dem einen Bein stand man noch in der Adoleszenz, während man sich mit dem anderen bereits im Erwachsenenalter befand, obgleich die meisten Studenten noch ordentlich grün hinter den Ohren waren. Besonders das männliche Publikum. Alles, um was sich deren Leben drehte, waren Partys, Mädchen und Alkohol. So mancher mochte das als natürlich bezeichnen. Als normalen Lauf der Dinge. Jungs mussten sich während der College Zeit eben die Hörner abstoßen. Ihre Jugend genießen. Das traf vielleicht auch auf den Großteil der Kerle zu. Auf mich jedoch nicht. Weder damals noch heute.

Ich war noch nie der Typ gewesen, der sich von einer Liebschaft in die nächste hangelte, was wohl eher der Tatsache geschuldet war, dass ich schon seit der High School mit Daphne zusammen gewesen war. Das hieß jedoch nicht, dass ich auf der High School ein Engel gewesen war. Nein, bevor ich Daphne kennengelernt hatte, gab es da schon das ein oder andere Mädchen, dem ich das Herz gebrochen hatte.

Bis Daphne mir vor zwei Jahren meines brach.

Seither führte ich ein relativ einsames Leben. Oder zumindest würde so mancher das als einsam beschreiben, sich hin und wieder mal mit einer Frau zu treffen, ohne wirkliche Absichten auf eine Beziehung zu hegen. Aber ich war ziemlich zufrieden mit meiner Lebensführung.

Zumindest war ich das gewesen.

Bis sie aufgetaucht war.

Wie aufs Stichwort machten meine Augen sie inmitten des Getümmels aus und meine Schritte verlangsamten sich, als ich sie entdeckte.

Laney Taylor.

Das Objekt meiner Begierde.
Die pure Sünde.
Eine Versuchung.
Meine ganz persönliche Hölle.
Und gleichzeitig der Himmel auf Erden.

Dieses Mädchen war die Ausgeburt des Teufels, denn sie stellte meine Selbstbeherrschung auf eine harte, harte Probe. Eine Probe, bei der ich schon zwei Mal fast gescheitert wäre. Naja, um ehrlich zu sein war ich bereits gescheitert. Meine zehn Jahre jüngere Studentin zu küssen, war alles andere als fast gescheitert.

Her HeartWo Geschichten leben. Entdecke jetzt