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Die erste Amtshandlung, die ich ausführte, nachdem ich gemeinsam mit Caya von der Party zurückkehrte, war es, meinen Laptop aufzuklappen und die Google Suchmaschine zu öffnen.
In meinem Kopf war eine leise Stimme, die mir zuflüsterte, den folgenden Namen nicht einzugeben.
Dass es mir egal sein sollte.
Dass es mich nicht interessieren sollte...
Ich tat es trotzdem.
Professor Dr. Julian Wright.
Es dauerte nicht lange, bis ich schon die ersten Links und Informationen über meinen Professor herausfand - und ich staunte nicht schlecht.
Julian Wright war gerade mal neunundzwanzig Jahre alt, lebte in New Haven und hatte an der Yale University Philosophie studiert. Kurz nach Abschluss seines Studiums, bei dem er als Jahrgangsbester hervorgegangen war, hatte er seinen Doktortitel begonnen. Zu dieser Zeit schien er wohl auch viel im Ausland unterwegs gewesen zu sein und hatte Forschung betrieben. Im Anschluss daran, nicht lange her, bot man ihm eine Lehrstelle an der Universität an. Ich vermochte mir gar nicht vorstellen, welches Genie wohl in ihm steckte, um in solch jungen Jahren schon als Professor zu arbeiten. Auch noch an einer der renommiertesten Universitäten der Welt. Das Durchschnittsalter für einen Juniorprofessor lag normalerweise bei etwa fünfunddreißig Jahren.
Als ich tiefer grub, fand ich sogar heraus, worüber er promoviert hatte - und es verschlug mir wortwörtlich die Sprache.
Leben und Tod in der Philosophie.
Fassungslos starrte ich auf meinen Laptop. Professor Wright hatte tatsächlich über die Thematik geforscht, die mich der Philosophie überhaupt erst näher gebracht hatte. Dieses eine Thema, um das sich meine kleine Welt permanent drehte. Das Thema, mit dem ich wohl oder übel schon bald konfrontiert werden würde.
Konnte das wahr sein? War es Schicksal oder einfach nur ein merkwürdiger Zufall? Ganz gleich was es auch war und unabhängig davon, ob Professor Wright und ich uns nicht besonders ausstehen konnten - ich musste mehr über seine Arbeit erfahren! Genau dies war der Grund, weshalb ich hier war. Natürlich gab es in der Philosophie so viel mehr, als nur die Frage nach dem Sinn des Lebens und der Angst vor dem Tod. Aber jemanden zu treffen, der genauso fasziniert von dieser Thematik zu sein schien, wie auch ich es war, davon hätte ich niemals zu träumen gewagt. Ich musste unbedingt mit Professor Wright sprechen. Ich wollte so viel mehr über seine Forschung erfahren. Ich nahm mir vor, ihn nach der ersten Vorlesung kommenden Montag darauf anzusprechen.
Nach meiner kleinen Recherche über den Professor begann ich mit meiner Abendroutine im Gemeinschaftsbad. Eilig sprang ich unter die Dusche, um mir die allseits bekannten Partygerüche nach Zigarettenrauch, Alkohol und Schweiß abzuwischen. Ich teilte mir das Bad mit weiteren Mädchen aus meinem Wohnheim. Das störte mich jedoch nicht. Ich hatte schon früh gelernt, dass das Zeigen nackter Haut nichts war, wofür man sich schämen sollte. Ich konnte schon gar nicht mehr zählen, wie viele Ärzte bereits meine Oberweite zu Gesicht bekommen hatten. Nach der Dusche warf ich einen Blick in den Spiegel über dem Waschbecken.
Für normale Verhältnisse war mein Gesicht etwas zu blass, die Ringe unter meinen Augen ein klein wenig zu dunkel. Doch nur aufgrund der Tatsache, dass ich müde und erschöpft aussah, käme niemand auf die Idee, dass ich nicht mehr lange leben würde. Mein Blick wanderte weiter und fiel auf die große Narbe, die zwischen meinen Brüsten hervorlugte. Sie begann auf meinem Dekolleté und wanderte weiter, bis sie unter dem Saum meines Bademantels verschwand. Sie war groß, hellrosa und wulstig und stach einem sofort ins Auge. Anders als die kleinere, unterhalb meines linken Schlüsselbeins, wo der Defibrillator saß. Nein, die Narbe an meinem Dekolleté war um einiges größer. Ich hatte sie bei einer OP am offenen Herzen erlangt, bei dem man versucht hatte, durch verschiedene Methoden den Blutfluss zu erleichtern. Tja, das hatte leider nur für eine kurze Weile geholfen.
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Her Heart
Storie d'amoreDer erste Band der Hearts-Reihe! Laney Taylor ist schwerkrank. Schon von Geburt an leidet sie an einer Herzschwäche und wartet seit einigen Jahren vergeblich auf ein Spenderherz. Während ihre Eltern täglich auf ein Wunder hoffen, hat Laney ihr Schic...
