Elf

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Dein Herz raste unglaublich schnell als dich Atsumu dicht an sich gezogen hatte. Du wusstest zwar, dass er dies wohl nur machte damit der Widerling seine Finger von dir ließ. Dennoch reagierte dein Körper wie von selbst. Seine Hand die an deiner Hüfte lag, strahlte eine wohlige Wärme aus und du konntest die Gänsehaut spüren, die dir über den gesamten Körper jagte.

„Gibt es hier ein Problem?"

Hörtest du jemanden fragen. Auch diese Stimme kam dir bekannt vor.

Pff, kein Bock auf Stress", zischte dein Peiniger und verschwand schnell.

Atsumu ließ von dir ab. Du konntest nicht leugnen, dass dir seine Berührung gefiel. Mit dem Abstand, den er zwischen euch schuf, wurde dir plötzlich eisig kalt. Bereits jetzt fehlte dir seine Hand auf deinem Körper. Wie benommen sahst du Atsumu an, dieser warf seinem Bruder jedoch einen angepissten Blick zu.

„Pass nächstes Mal besser auf deine Freundin auf", grummelte er vor sich her und ließ euch beide alleine. Du konntest nicht einmal nachhaken, weshalb er es so seltsam betont hatte.

„Ist alles in Ordnung, Chizu..", fragte dich Osamu besorgt und du wandtest dich wieder dem grauhaarigen Zwilling zu. Ein getrübtes Nicken deinerseits war zu erkennen.
„Ich möchte aber langsam nach Hause gehen", leise sprachst du die Worte aus und wolltest die Garderobe ansteuern.

„Warte doch, ich begleite dich!", Osamu hatte dich schnell eingeholt. Zaghaft schütteltest du deinen Kopf.
„Musst du wirklich nicht Samu.. immerhin ist es die Party von Suna, die solltest du nicht verpassen", müde lächeltest du ihn an. Doch er blieb stur.

„Ich bringe dich heim, ob du willst oder nicht", bestimmt zog er deine Jacke vom Kleiderhaken und warf sie dir behutsam über die Schultern.

Ihr hattet euch noch bei Suna und den anderen vom Team verabschiedet. Einige hatten die Szene von vorhin mitbekommen und konnten es nachvollziehen, dass du keine Lust mehr hattest hier zu bleiben.

Euer Heimweg verlief ruhig, etwas angespannte Luft schien zwischen euch zu herrschen. Du wusstest jedoch nicht woran es lag.
Zu deiner Verwunderung bogt ihr nicht in eure Straße ab, sondern lieft weiter gerade aus. Osamu bewegte sich zu einem Spielplatz. Du erkanntest ihn wieder. Als Kinder hattet ihr hier oft gemeinsam gespielt. In all den Jahren, hatte sich hier kaum etwas verändert.

Immer noch schweigend, setzte sich Osamu auf eine der Schaukeln und du tatst es ihm gleich.

„Tut mir leid.."

Irritiert sahst du ihn an und wusstest beim besten Willen nicht, wofür er sich gerade entschuldigte.

„Was tut dir leid?", verwundert sahst du ihn an.

„Dass ich nicht bei dir war.. dann bitte ich dich schon darum, mich zu begleiten und lasse dich einfach aus den Augen.. es tut mir wirklich leid..", sein Kopf war gesenkt, als er diese Worte aussprach. Es schien ihm wohl wirklich schwer zuzusetzten.

Ein gedämpftes Kichern entrann deiner Kehle.

„Du musst dich nicht entschuldigen Osamu. Und außerdem.. war ja Atsumu rechtzeitig da", dass sich ein verträumtes Lächeln auf deine Lippen schlich bemerktest du gar nicht. Osamu hingegen schon. Ein leisen Seufzen entwich ihm und er stand langsam von der Schaukel auf. Fragend sahst du ihn an, doch er antwortete dir nicht. Machte nur eine Handbewegung, um dir zu zeigen, dass er weiter wollte.

Stillschweigend folgst du ihm in eure Straße. Die schmalen Gassen wurden von den umstehenden Laternen beleuchtet und in ein warmes gelb getunkt. Schritt für Schritt tapst du deinem Freund hinterher, bis ihr vor eurer Einfahrt standet.

Osamu schien irgendwie angespannt.

„Gehst du wieder zurück zur Party?", fragtest du ihn vorsichtig. Er schüttelte den Kopf.
„Nein ich denke, ich werde auch heimgehen", seine Stimme klang ein wenig bedrückt.

„Also ich hab einen riesigen Hunger, meinst du du kannst mir paar Onigiri zaubern", grinst du ein wenig und riebst dir dabei über den Bauch. Du wusstest wie gerne er diese zubereitete und anschließend aß. Er schien wieder zu strahlen und nickte heftig.

Genüsslich schobst du dir das Zweite in den Mund. Es war so unglaublich lecker. Du könntest den ganzen Teller verdrücken. Dein Vater sah euch zuerst belustigt zu, doch wollte eurer Fressorgie nicht beiwohnen und verschwand schnell im Wohnzimmer.

„Das ist soooo lecker Samu. Scheiß auf Volleyball, mach lieber ein Restaurant auf", scherzt du und leckst nochmal über deine verschmierten Finger. Osamu sah dir dabei zu und seine Wangen färbten sich in ein zartes rosa.

„Ich weiß sowieso nicht.. ob ich mit Volleyball weitermachen werde.."

Erschrocken sahst du ihn an. Du hattest ihnen einmal beim Training zugesehen, bevor du deinen stressigen Alltag bewältigen musstest. Er schien Spaß daran zu haben. Sie alle hatten ihren Spaß und blühten auf dem Spielfeld förmlich auf.

„Ich hab das nicht ernst gemeint, das weißt du doch.. oder?", unsicher zogst du deine Augenbraue in die Höhe.

Er gluckste leise.

„Ich weiß, dennoch macht mir Kochen viel mehr Spaß", lächelte er leicht vor sich hin und du konntest nicht anders als ebenfalls zu lächeln.

„Dann sehen wir uns am Montag in der Schule", du wolltest dich mit einer Umarmung verabschieden.

Osamu's Arme schlangen sich feste um deinen Oberkörper, dabei vergrub er sein Gesicht in deine Halsbeuge und atmete deinen einzigartigen Duft ein. Er hatte sich viel zu sehr an deine Anwesenheit gewöhnt. Das war nicht gut. Nicht gut für ihn.

Du bemerktest, dass etwas nicht so ganz stimmen konnte. Als er sich von dir löste versteifte er kurz, das bekamst du mit.

„Chizuru..", hauchte er. Es kam nicht oft vor, dass er deinen vollen Namen aussprach. Verwundert sahst du ihn an. Seine Hände lagen auf deinen Schultern und zitterten leicht. Es machte dir Angst ihn so zu erleben.

„E-Es tut mir leid.."

„Was-"

Bevor du deine Frage aussprechen konntest, hatte er seine weichen Lippen auf deine gelegt. Dein gesamter Körper spannte sich an und du hattest deine Augen weit aufgerissen.

„Das..", sagte er schuldbewusst und ein trauriges Lächeln schlich sich auf seine Lippen.

Du standest da wie angewurzelt und wusstest nicht, was du sagen solltest. Du mochtest Osamu. Aber nicht auf diese Art und Weise.

„Osamu.. i-ich.."

Vorsichtig schüttelte er den Kopf.

„Ist schon gut.. du musst es nicht sagen.."

„Es.. Es tut mir leid..", du hattest dein Haupt gesenkt. Es tat dir wirklich leid. Er tat dir leid. In deinen Augen wäre er der perfekte Mann. Doch leider nicht für dich. Dafür schwirrte ein anderer Zwilling viel zu sehr in deinem Kopf herum. Als würde Osamu, deine momentanen Gedanken lesen können, fuhr er fort.

„Es ist wegen ihm, nicht wahr?"

Torn - Miya Atsumu x OCWo Geschichten leben. Entdecke jetzt