H a n n a h
Nachdem ich noch ein letztes Mal tief durch atme, drücke ich die vergoldete Klingel und warte schließlich angespannt. Um mich ein wenig abzulenken, lasse ich meinen Blick über die gepflasterte Einfahrt, die zwei alten Eichen links und die nahegelegenen Garage wandern, vor der ein paar Autos stehen, nur um am Ende wieder bei der Haustür, des dreistöckigen Herrenhauses, zu landen, in dem Eliza, Alex und Jamie seit Silvester wohnen.
Einige Augenblicke später höre ich endlich Schritte näher kommen und merke wie meine Anspannung noch ein weiteres Mal steigt. Einerseits bin ich erleichtert, dass überhaupt jemand da ist, aber andererseits bin ich einen winzigen Moment lang tatsächlich versucht, hinter eine der nahegelegenen Hecken zu springen. Doch auch wenn ich mich gerade am liebsten verstecken würde, hat es wohl wirklich keinen Sinn das hier noch länger hinaus zu zögern. Vor allem, da ich mich schon den ganzen Tag gedrückt und mir selbst eine Arbeitsbedingte Ausrede aufgetischt habe, um den unangenehmen Fragen, die ich nicht beantworten will und kann, zu entgehen.
„Hallo-", sagt Alexander begrüßend, während er die Tür öffnet und verharrt prompt, als er mich erkennt. Ich werte es mal als gutes Zeichen, dass er mir wenigstens nicht sofort die Tür vor der Nase zuschlägt.
„Hey, Alex.", lächle ich den Verlobten meiner besten Freundin zaghaft an und zupfe an der Naht meiner schwarzen Jeans herum. Ein nervöser Tick, den ich sonst recht gut unter Kontrolle habe.
„Hey.", wiederholt er augenscheinlich überrumpelt von meinem unerwartetem Auftauchen und betrachtet mich im gleichen Atemzug, -mit prüfendem Blick, von oben bis unten. Einige Sekunden hat es den Anschein, als suche er nach einem Grund, für mein Verhalten gestern Abend. Vielleicht etwas in Richtung einer dicken Beule an der Stirn, die auf eine kurzfristige Amnesie hindeutet oder so.
Jedenfalls kann ich ihm diese Reaktion nicht im geringsten verübeln, immerhin habe ich ihn, Eliza und Mateo gestern Abend einfach so sitzen lassen. Ich bin ohne eine richtige Erklärung, Hals über Kopf, von meiner eigenen Vernissage abgehauen, regelrecht aus der Galerie geflohen und habe dann bloß eine lahme Nachricht geschickt, dass alles okay wäre, weil Elli mich danach immer wieder angerufen hat.
Ja, ich würde mich wohl auch so ansehen, wenn ich an seiner Stelle wäre, und höchstwahrscheinlich wäre ich nicht mal ansatzweise so ruhig und geduldig dabei, wie Alex im Moment. Okay, nein, ich wäre auf jeden Fall nicht so ruhig und geduldig !
„Wo hast du meine bezaubernde beste Freundin gelassen ?", frage ich zögerlich und linse hinter ihn, in der Erwartung dort eine zierliche und vermutlich stinksaure Brünette zu sehen, die nur darauf wartet mich verbal zu Hackfleisch zu verarbeiten und wie eine Zitrone auszuquetschen.
„Eliza ist vor etwa einer halben Stunde mit Jones und Jamie einkaufen gefahren.", gibt er ruhig, aber mit einem bedauerndem Lächeln, zurück.„Wart ihr denn verabredet ?"
„Nein nein !", winke ich schnell und ein wenig erleichtert ab, denn eine Inquisition durch eine wütende Eliza ist in den meisten Fällen ungefähr so spaßig wie ein Pap-Abstrich. Geschickt ziehe ich einen mittelgroße, mindfarbene Schachtel aus meiner Handtasche, die ich auf dem Weg hierher gekauft habe und halte sie ihm entgegen.
„Was ist das ?", fragt er prompt.
„Ein paar frische Mochis für Elli, aus ihrem Lieblingsladen...Ich-ich wollte mich einfach für mein Verhalten gestern Abend bei euch entschuldigen.", erkläre ich, immer noch mit der mindfarbenen Schachtel, mit den traditionellen japanischen Reisküchlein, in der Hand.
„Bestechungs-Mochis, du bist eine wirklich sehr gute und vor allem sehr sehr weise beste Freundin, Hannah.", kommentiert Alex das ganze, während er mir schmunzelnd die Schachtel abnimmt. Augenverdrehend schüttele ich den Kopf, denn wir wissen beide, dass Eliza nicht bestechlich ist und sie mir, wenn sie es will, den Kopf zurecht rücken wird.
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Bittersweet Enemies
RomantikSie sind wie Hund und Katz oder Feuer und Benzin, -höchst explosiv und immer Gefahr laufend, sich gegenseitig umzubringen. *** Auf den eigenen Beinen zu stehen, ist für die toughe, manchmal etwas kühle und grundsätzlich sehr direkte Hannah Collins...
