17 | 24-stunden

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M a t t h e w

Ich glaube nicht, das ich das jetzt tatsächlich tue oder auch nur in Erwägung ziehe. Verflucht. Nach einem letzen tiefen Atemzug, drücke ich auf den grünen Hörer unter Elizas Namen. Mir bleibt schließlich nichts anderes übrig und vor allem nicht nach dem Anruf, den ich vor einer Stunde erhalten habe.

„Was gibst, Matt ?", will meine Schwester direkt wissen, ohne auf irgendwelche Floskeln der Höflichkeit einzugehen. Doch da es gerade mal halb drei mittags ist und ich das unverkennbare rascheln von Papieren im Hintergrund erahne, gehe ich mal stark davon aus, das sie hinter einem Schreibtisch sitzt und arbeitet, weshalb ich ohnehin nicht viel mehr von ihr erwarten kann.

„Ist Hannah bei euch ?", falle daher auch ich direkt mit der Tür ins Haus, da großes Drumherum reden ohnehin nur das unausweichliche hinausgezögert hätte und dafür brennt mir diese frage eindeutig zu sehr unter den Nägeln.

„Nach meinem letzten Wissensstand, wohnt sie bei dir.", antwortet sie und ich kann das Stirnrunzeln und ihre nachdenklich zusammengezogenen Augenbrauen quasi durchs Telefon hören.

„Schon... aber-"

„Aber ?", bohrt Elli nach und ich merke, das ich endgültig ihre volle Aufmerksamkeit, als sie mit strenger Stimme fortfährt. „Was ist bei euch los, Matthew Evans ?"

„Ich habe vielleicht ... Mist gebaut, okay ?", gebe ich zerknirscht zu und bin wirklich nicht stolz drauf, wie es gestern Abend zwischen uns abgelaufen ist. Zwar hat Hannah sowohl ihre Handtasche mit allem wichtigen dabei, als auch ihre Kameratasche mitgenommen, -von der ich mittlerweile sicher bin, das sie praktisch eine Erweiterung ihres Körpers ist, doch das ändert leider überhaupt nichts an der Situation oder meinen Selbstvorwürfen.

„Inwiefern ‚Mist gebaut' ?", horcht Eliza argwöhnisch auf.

„Wir hatten irgendwie einen Streit und daraufhin ist sie gestern Abend wütend und mich innerlich verfluchend rausgestürmt. Der Jeep steht noch bei mir, sie ist die ganze Nacht nicht zurück gekommen und reagiert weder auf meine Nachrichten, noch meine Anrufe !", entgegne ich und ein knurren will sich aus meiner Kehle lösen, das ich gerade noch so unterdrücken kann. Das sich jedoch meine freie Hand automatisch zur Faust ballt und die andere Hand, mit der ich mir das Telefon ans Ohr halte, sich so fest um den Klumpen Metall, Kunststoff und Glas schließt, sodass es mich nicht gewundert hätte, wenn es ein knacken von sich gegeben hätte, kann ich nicht verhindern.

Gott, ich bin ein Arschloch und könnte mir in den Hintern treten, so wütend bin ich auf mich selbst ! Wütend, das ich es soweit habe kommen lassen. Wütend, das ich sie durch unseren Streit aus meiner Wohnung vertrieben habe, obwohl sie doch im Augenblick sowieso schon so verloren und verletzlich ist, auch wenn sie diese vermeidliche Schwäche niemals offen zeigen würde. Und als würde mich mein Verstand noch zusätzlich quälen wollen, trifft mich die Erinnerung an gestern Abend so lebhaft, das ein Schlag ins Gesicht wohl angenehmer gewesen wäre.

„Verflucht Hannah ! Ist es so schwierig dein Zeug wegzuräumen, nachdem du im Badezimmer warst ?! Ich räume nämlich sicher nicht hinter dir her !", fahre ich die Blondine mehr als nur leicht gereizt an, während ich nur mit einem Handtuch um die Hüften geschlungen, aus dem Bad gestapft komme. Finster starre ich zur Couch starre, auf der mein Hausgast ungerührt sitzt, während ihre Katze bei meinem schroffen Tonfall und der plötzlich explosiv und gespannt Stimmung sofort aufspringt und die Flucht ergreift.

Bittersweet EnemiesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt