10 | und ich bin die zahnfee

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H a n n a h

Es klingelt. Das erste mal seit anderthalb Wochen, seit Matthew Tag ein und Tag aus vorbei kommt, klingelt jemand an meiner Haustür. Prompt stocke ich in meiner Bewegung, merke wie sich mein Körper nach und nach verkrampft und mir beinahe Kleos Napf aus den Hand rutscht, den ich gerade noch mit neuem Futter gefüllt habe. Nachdem ich ihn abstellt habe, bewege ich mich zögerlich in Richtung Tür und weiß nicht so recht was ich machen soll.

Meine Gedanken rasen und es kostet mich all meine Selbstbeherrschung mich soweit zu beruhigen, das ich einen einigermaßen klaren Gedanken fassen kann. Vielleicht ist es ja nur einer meiner Nachbarn, der sichergehen will, dass mein aufgeschlitzter Leichnam noch nicht zu stinken beginnt. Oder vielleicht ist es der Hausmeister. Oder viellicht doch nur Matt, der den Schlüssel vergessen hat. Gott, das sind eine menge vielleichts und ich bereue es ein weiteres mal, das meine Haustür keinen Spion hat und Kleo kein bulliger Dobermann ist.

Doch noch während ich mich ärgere, höre ich es erneut klingeln und dann das vertraute klicken des Schlosses. Es schließt jemand auf. Das heißt derjenige hat meinen Ersatzschlüssel und das wiederum heiß, dass es eigentlich nur Matt sein kann, was mich überraschenderweise erleichtert und gleichzeitig den üblichen Ärger, die Feindseligkeit und Wut in mir zum brodeln bringt.

Wut auf ihn, einfach weil er ein unausstehlich überhebliches Arschgesicht ist und, was noch viel schlimmer ist, Wut auf mich selbst. Mein ganzes Leben steht wegen meiner beschissenen Vergangenheit mal wieder auf dem Kopf und die Tatsache das ich wegen eines verdammten Klingelns beinahe durchdrehe, ist einfach lächerlich und zerrt unangenehm an meinem immer fragiler werdendem Nervenkostüm !

Mein Gott es ist nur Matthews täglicher Kontrollbesuch, rufe ich mir in Erinnerung. Er wird höchstwahrscheinlich der gleiche eingebildete, anmaßende, teilweise unverschämt dreiste und egozentrischer Idiot sein, der sich die meiste Zeit über einen Spaß daraus macht, mich zu ärgern und absichtlich zu provozieren. Stumm stoße ich einen nicht sehr damenhaften Fluch aus und überwinde die letzten Meter zur Haustür.

„Unglaublich, hast du dich nach über anderthalb Wochen des unangekündigten Auftauchens, endlich mal daran erinnert, was Manieren sind und wie man die Klingel benutzt !", schimpfe ich extra laut vor mich hin, sodass ich mit absoluter Sicherheit sagen kann, dass man mich klar und deutlich auf der anderen Seite der Wohnungstür versteht, die ich nun schwungvoll öffne und...innehalte. „Oh"

„Dir auch ‚hallo' beste Freundin.", summt Eliza augenblicklich und lächelt mich mit einem amüsiertem glitzern in den großen dunkelbraunen Augen an.

„Hey-y.", brabbele ich völlig aus dem Konzept gebracht. Gut, ich gebe es zu, sie hat mich überrumpelt und ich habe nun wirklich nicht damit gerechnet, das mir zwar ein Evans, aber eben eindeutig der falsche Evans, gegenübersteht. Außer natürlich Matt hat seit neustem Brüste und sieht auch sonst so aus wie seine kleine, sehr schwangere, Schwester.

„Hey.", grinst meine beste Freundin breit und offenbar äußerst belustigt von meinem verdutzten Gesichtsausdruck. Oh Himmel, fehlt nur noch, das Eliza laut losprustet und sonderlich weit entfernt davon scheint sie nicht.

„Hey.", wiederhole ich mich wenig scharfsinnig und versuche schließlich die Verwunderung abzuschütteln. „Was machst du hier ? Musst du nicht arbeiten ? Waren wir verabredet ? Und seit wann hast du wieder meinen Ersatzschlüssel ?"

„Wow, wow, wow, nicht so viel Begeisterung auf einmal !", neckt sie mich und lässt sich im selben Atemzug auch schon selbst herein, nachdem sie mich mit einer schnellen Umarmung begrüßt hat. Gut, offenbar haben das alle Evans im Blut.

„Entschuldige ... ich meine... verflucht !", stammele ich vor mich hin, schließe die Haustür hinter ihr und folge ihr ins Wohnzimmer. „Verdammt, dass hat anders geklungen, als es sollte ! Natürlich freue ich mich sie zu sehen, Eliza. Ich-ich habe nur irgendwie nicht mit dir... sondern mit... mit deinem Bruder gerechnet..."

Bittersweet EnemiesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt