22 | der verfluchte kuss

1.8K 70 4
                                        

H a n n a h

Eine halbe Stunde später setzt unser Uber-Fahrer uns vor Matts Wohnung ab. Zum Glück ist der Verkehr um diese nächtliche Uhrzeit nicht ganz so schlimm und ich bin froh, als wir endlich aussteigen und kühle Nachtluft uns umhüllt. Langsam holen mich meine schlaflosen Nächte und die ständige Müdigkeit ein, auch wenn es mit den Albträumen ein ständiges auf und ab ist und keine jede Nacht der anderen gleicht.

„Vermisst du New York manchmal oder wenigstens die Pizza von da ?", fragt Matt aus dem nicht, als ich ihn die Pizzaschachtel wieder abnehme, damit er die Hände frei hat, um die Tür aufzuschließen. Überrascht und ein wenig skeptisch mustere ich ihn von der Seite.

„Wie kommst du denn jetzt darauf ?", möchte ich angespannt wissen und frage mich ernsthaft, wo das plötzliche Interesse auf einmal herkommt. Ein kalter Schauer, der mir über den Rücken läuft, lenkt mich jedoch ab und ich sehe mich auf der Straße um, da ich, -wie so oft in letzter Zeit, das Gefühl nicht loswerde, beobachtet zu werden. Seit dieser Fotos von mir bin ich regelrecht paranoid.

„Reine Neugierde. Also ?", bohrt er weiter nach und lässt mich als erste ins Gebäude treten. Dabei lenkt mich Matthew mit seinen fragen von meinem ungutem Gefühl ab, ohne es zu merken, und ich wiege nachdenklich den Kopf hin und her, während wir auf den Aufzug warten.

„Ehrlich gesagt, nein. New York wird zwar immer irgendwie meine Heimat bleiben, aber Chicago ist schon seit Jahren mein Zuhause und was die Pizza angeht... ich bin ein riesiger Fan der Chicagoer Deep Dish Pizza... aber was eure Hot Dogs angeht, seit ihr Chicagoer einfach krank. Welcher Irre packt soviel Zeug auf einen verdammten Hot Dog ?", sage ich und verziehe ehrlich angeekelt das Gesicht, als ich an die überladenen Brötchen denke.

„Ach, Sonnenschein.", lacht er herzhaft und schüttelt belustigt den Kopf, bevor wir in den Aufzug steigen und er wieder ernst wird. „Ich bin dir übrigens sehr dankbar, das du trotz allem so für meine Schwester da bist und diese Party für sie organisiert hast."

„Ach was, das war keine große Sache und-"

„Musst du eigentlich immer Widerworte haben oder liegt es an mir ? Kannst du nur meine Komplimente nicht annehmen ? Denn genau, ich habe dir gerade ein verdammtes Kompliment gemacht !", schneidet er mir das Wort ab und drückt den Knopf für unser Stockwerk so oft und energisch hintereinander, das ich schon befürchte, das er gleich den Geist aufgibt.

„Was soll ich sagen, du bringst eben immer das Beste in mir hervor.", erwidere ich zuckersüß und bin mir sicher, das ein teil von ihm mich dafür hasst, das ich mich von Anfang an nicht wie andere Frauen in seiner Gegenwart verhalten habe, ihm anhimmelnd zu Füßen falle und stattdessen niemals verlegen bin, mich ihm entgegen zu stellen.

„Sonnenschein.", knurrt er frustriert und im selben Moment liegen auch schon seine atemberaubenden Lippen, sanft, aber gleichzeitig hart auf meinen und stehlen sich einen Kuss. Automatisch erwiderte ich und schmiege mich mit meinem Körper an seinen. Vergessen ist der Pizzakarton, der dumpf auf dem Boden landet oder die Tatsache, das sich die Fahrstuhltüren mit einem Pling öffnen und schließlich wieder schließen.

Himmel, ich hatte in meinem Leben schon so einige Küsse. Küsse mit Männern, Küsse mit Frauen, feuchte Küsse, gute Küsse und auch furchtbar schlechte Küsse. Aber dieser Kuss lässt mich im gleichen Moment alles bis aufs äußerste geschärft wahrnehmen und dann in einem dicken Nebel als Babyblauer Zuckerwatte vergessen. Vergessen, bis ich nur noch Matt, seine weichen und forschenden Lippen spüre, die meine necken und seine großen Hände die meinen Körper erkunden, bis sie fest meinen Hintern umschließen und mich noch enger an seinen warmen und gutriechenden Körper drücken.

Und verflucht, es fühlt sich so an, als hätte mich jemand mit Benzin übergossen und dann angezündet. Jedes noch so kleine Nervenende richtet sich auf den Mann vor mir, der mich mit solch einer Hingabe küsst und berührt, das mir ganz schwindelig wird. Nur um sich dann von mir zu lösen und mich vollkommen atemlos zurückzulassen. Heilige Scheiße !

Bittersweet EnemiesWo Geschichten leben. Entdecke jetzt