H a n n a h
Die nächsten Tage vergehen wie im Flug. Ich hatte einige Wohnungsbesichtigungen, die sich bislang -frustrierenderweise- alle als vollkommene Verschwendung meiner Zeit herausgestellt haben und allesamt in einer Absage geendet haben. Ob nun meinerseits oder vom Vermieter aus.
Gott, ich hatte vergessen wie schwer es ist eine Bleibe in Chicago zu finden, die nicht nur gewissen menschlichen Grundanforderungen entspricht, sonder auch Haustiere erlaubt und dann auch noch irgendwie zu bezahlen ist. Doch es scheint ein Ding der absoluten Unmöglichkeit zu sein, meine wirklich nicht übertriebenen Ansprüche und den momentanen Wohnungsmarkt unter einen Hut zu bekommen und eine Wohnung zu finden. Höchstwahrscheinlich wäre sogar ein Sechser im Lotto denkbarer und dabei spiele ich nichtmal Lotto !
Immer noch anfressen von meinem erfolglosen Tag, spiele ich mit der neuen Spiegelreflexkamera herum, die ich mir nur besorgt habe, weil ich dachte, ich könnte damit mein online Portfolio aufwerten. Ich mache ein paar Probeaufnahmen von Kleo, die sich wie gewohnt sofort in Pose legt und vor meiner Linse elegant neben mir räkelt, wie eine 20er Jahre Diva auf einer Chaiselongue.
Stirnrunzelnd sehe ich mir die Aufnahme an und obwohl sie nicht schlecht ist, bin ich auch nicht überzeugt. Vielleicht liegt es daran, das ich noch nie ein Fan von Digitalkameras gewesen bin und ich finde das die Bilder meistens irgendwie kalt wirke. Vielleicht vermisse ich aber auch einfach meine normale Kamera. Bei Analogem fotografiere ist das nämlich anders. Da wird der Film erst in der Dunkelkammer, durch die verschiedenen Chemikalien und einem Spiel aus Licht und Dunkelheit, wirklich zum Leben erweckt. Die Bilder werden dadurch gefühlsbetonter und geben dem Motiv eine tiefe, die ich bei Digitalkameras einfach nicht sehe.
Seufzend will ich die Kamera gerade beiseite legen und es für heute gut sein lassen, als ich höre, wie die Haustür aufgeht und kurz darauf wieder ins schloss fällt. Prompt ist Kleo wieder auf ihren vier Pfoten und strebt Matt aufgeregt und leicht vorwurfsvoll mauzend entgegen. So eine kleine Verräterin !
„Kleo", mahne ich sie zungenschnalzend und schüttle tadelnd den Kopf, während ich die Kamera wieder vor mein Gesicht hebe „du darfst ihm nicht immer so aufreizend um die Beine streichen, sonst denkt er irgendwann noch, du wärst ein leicht zu habendes Mädchen."
Durch den Sucher betrachte ich die beiden, verändere die Auflösung und die Blende. Matt trägt eine Jeans, die ihm tief auf den Hüften hängt, ein schwarzes Sweatshirt und weiße Turnschuhe. Seine dunkelblonden Locken fallen ihm rebellisch in die Stirn, sein Bart ist mittlerweile tatsächlich ordentlich gestutzt und er hält meine getigerte Katze auf dem Arm, die ihren Kopf laut schnurrend an seiner Schulter und seinem Hals reibt. Gerade als Matt sie mit schiefen schmunzeln auf den Lippen betrachtet, drücke ich instinktiv auf den Auslöser, um diesen Moment festzuhalten und vermisse das vertraute Klicken. Verdammte Digitalkamera !
„Fotografierst du mich etwa, Sonnenschein ?", will er gespielt ernst wissen, als ich unwillig über diese neue Kamera aufstöhne und damit seinen Blick auf mich ziehe.
„Pff, ich fotografiere Kleo, du bist nur rein zufällig mit drauf.", erwidere ich spitz, schlage die Spiegelreflexkamera aus und lege sie weg. Augenverdrehend setzt er Kleo wieder auf den Boden zurück, wenn auch unter Protesten ihrerseits, und geht zur Kochinsel, um dort seine Ledertasche und ein paar Briefe abzulegen.
„Wie war dein Tag ? Was hast du so gemacht ?", fragt Matt, ohne auf meinen Kommentar einzugehen, von dem er allen Anschein nach sehr wohl weiß, das ich ihn nur aufziehe. Es ist mittlerweile gewissermaßen zu unserem Ritual geworden, dass er mich das fragt, nachdem er von seiner Schicht nach Hause kommt und überraschender weise beruhigt mich diese häusliche Normalität.
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Bittersweet Enemies
RomansSie sind wie Hund und Katz oder Feuer und Benzin, -höchst explosiv und immer Gefahr laufend, sich gegenseitig umzubringen. *** Auf den eigenen Beinen zu stehen, ist für die toughe, manchmal etwas kühle und grundsätzlich sehr direkte Hannah Collins...
