M a t t h e w
Seit geschlagenen zehn Minuten sitze ich inzwischen schon auf einem der Besucherstühle in Elizas Büro. Dazu sollte ich wohl sagen, dass ich mich nach meinem Streit mit Hannah ins Auto gesetzt habe, fast eine Stunde durch die Stadt gefahren bin, um mich abzuregen und als das nicht funktionieren wollte, bin ich hier gelandet. Jetzt brühte ich weiterhin finster vor mich hin, habe noch kein Wort gesagt und sehe meiner kleinen Schwester dabei zu, wie sie umkommentiert auf der Tastatur ihres Computers rum tippt und irgendwelche Papiere durchgeht.
Sie hat bei meinem unangemeldetem eintreten überrascht aufgesehen und wollte mich wie immer begrüßen, doch nach einer flüchtigen Musterung hat sie meinen momentanen Zustand wohl als nicht Kommunikationsfähig eingestuft und es gelassen, um sich vorerst weiter ihrer Arbeit zu widmen. Manche mögen das jetzt vielleicht ignorant bezeichnen, doch eigentlich ist es das genaue Gegenteil. Aus mir würde gerade nämlich nichts als mein Ärger und Zorn sprechen und das weiß sie genau, weshalb sie mich vorerst in Ruhe lässt. Das ist das schöne an unserer Geschwisterbeziehung. Ich muss ihr nicht sagen, warum ich hierher zu ihr gekommen bin und sie drängt mich auch nicht dazu endlich den Mund aufzumachen.
Deshalb kann ich weiter vor mich hingrummelnd rumsitzen und meiner Wut auf Hannah im stillen frönen. Ein knurren unterdrücken, wandern meine Augen wie von selbst durch den großen Raum, von dem aus unser Vater vor ein paar Monaten noch über Evans Advertising wie ein verfluchter König oder noch besser -Diktator- geherrscht hat. Doch seitdem Eliza von Granny und mir, zugegeben ein wenig hinterrücks, zum CEO gemacht wurde, hat sich hier einiges verändert. Nicht nur die helle, freundliche Einrichtung, die sich durch ganze Gebäude zieht oder das sie gerade dabei ist beinahe eine ganze Etage zu einer Kita für die Kinder der Mitarbeiter umbauen zu lassen, sondern auch das Arbeitsklima scheint eine 180 grad Wandel hingelegt zu haben.
Im Fahrstuhl eben, bin ich auf ein paar Angestellte getroffen, die sich lachend und glücklich in ihre frühzeitige Mittagspause auf gemacht haben. Zu Zeiten von Henry Evans hätte jeder einzelne von ihnen dafür eine Abmahnung/Kündigung und einen cholerischen Ausbruch von ihm riskiert und an Lachen war demnach nun wirklich nicht zu denken.
„Ich habe in einer Stunde eine Termin, also...", informiert Eliza mich sanft und lässt den Satz absichtlich in der Luft hängen, ohne mich damit unter Druck zu setzen.
„Was machst du da überhaupt.", grummele ich meine erste Worten an sie, in den Raum und betrachte die sich auf ihrem Tisch türmenden Ordner, in die sie immer wieder einen geübten Blick wirft.
Für mich wären die Informationen darin wahrscheinlich so durchschaubar wie Hieroglyphen oder ein Blutbild für sie und ich bin wirklich froh und stolz, das Eliza trotz ihres anfänglichen Widerwillens richtig aufgeht in ihrer Aufgabe hier. Auch wenn die Kunst wohl immer ihre große Leidenschaft bleiben wird und sie ihre Kunst Agentur wohl niemals ganz aufgeben wird, was sowieso niemand von ihr verlangt hätte. Als Tochterunternehmen scheint E.E. Artist sogar noch mehr aufzublühen und Mateo, der ihr früherer Assistent war und nun ihrer Job dort macht, weiß was er tut und hat ein richtiges Händchen ein Rudel wildgewordene Künstler unter Kontrolle zu halten.
„Ich bereite alles für Page und Emilie vor, weil dein bester Freund mich inzwischen so weich geklopft hat, dass ich schon ende der Woche zu Hause bleiben werde.", antwortet sie augenrollend und sichtlich unwillig, obwohl die Schwangerschaft sie mittlerweile sichtlich anstrengt.
Langes stehen oder sitzen oder gar laufen sollte jetzt immer schwieriger werden und obwohl sie schon zu Weihnachten angekündigt hat, dass die beiden überaus kompetenten Chef-Assistentinnen, die ersten Monate nach der Geburt der Zwillinge, hier alles soweit dirigieren und Eliza nur durch Videocalls und Emails am Tagesgeschäft teilnimmt, habe ich es nicht geglaubt. Meine Schwester liebt ihren Beruf beinahe genauso sehr wie das Muttersein und ich würde wetten darauf abschließen, dass sie sich schon ein paar Wochen nach der Geburt mit den beiden Zwerge aus dem Haus und ins Büro schleicht. Das Alex dabei durchdrehen wird, ist genauso vorprogrammiert, wie ihr unnachgiebiger Starrsinn und das er irgendwann einknicken und sie einfach machen lassen wird.
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Bittersweet Enemies
RomanceSie sind wie Hund und Katz oder Feuer und Benzin, -höchst explosiv und immer Gefahr laufend, sich gegenseitig umzubringen. *** Auf den eigenen Beinen zu stehen, ist für die toughe, manchmal etwas kühle und grundsätzlich sehr direkte Hannah Collins...
