16 | freundschaft, feindschaft...fre-i-ndschaft

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H a n n a h

„Hallo !", hallt Elizas Stimme unerwartet durch Matts Wohnung, ehe die Tür zuschlägt und sie im nächsten Augenblick auch schon, mit ihrem Schlüsselbund in der Hand, ins Wohnzimmer schneit.

Überrascht halte ich inne, hebe den Kopf und starre meine beste Freundin direkt an. Vergessen sind die Schüssel Lucky Charms, die ich links von mir auf der Lehne des Chesterfield Sofa balanciere, die heutige Zeitung, die mit den Wohnungsanzeigen nach oben auf dem Schoß liegt und der Textmarker in der Hand, den ich mir aus Matts Arbeitszimmer gemopst habe.

Ich dachte ernsthaft nicht, das wir uns in nächster Zeit sehen würden. Vor allem, da ich mich wie von ihrem Bruder ausgerichtet, bei ihr gemeldet habe. Und zwar noch an jenem Abend, an dem mich Matthew in diese Boxhalle geschleift hat und ich meinen nicht weiter erwähnenswerten Zusammenbruch einigermaßen verdaut hatte.

Ihr Bruder und ich mussten auf dem Weg zu seiner Wohnung sogar nochmal anhalten, um mir eine neue Sim-Karte zu besorgen und somit eine brandneue Telefonnummer, damit ich mein Handy wieder anstellen konnte. Denn nachdem Ian-Mistkerl-Ashwood meine alte Handynummer irgendwie in die Finger bekommen hat, habe ich mein Handy als Sicherheitsmaßnahme lieber ausgeschaltet gelassen.

Jedenfalls dachte ich, das ich Eliza bei unserem Gespräch soweit davon überzeugt hätte, das alles gut wäre. Ich habe wirklich alles gegeben, jedes bisschen meiner nicht vorhandenen Schauspielerischen Fähigkeiten angezapft und dachte tatsächlich, dass ich die Situation glaubwürdig runtergespielt hatte, damit sie sich nicht ihren Kopf zerbricht und sich Sorgen macht. Doch offenbar habe ich versagt, denn ihr Besuch, ist sicherlich kein Zufall.

„Hey.", nuschele ich mit vollem Mund und schlucke ein dutzend Regenbögen, Herzen, Hufeisen und Kleeblätter auf einmal runter. Wenigstens habe ich durch das Boxen wieder ein wenig Appetit oder jedenfalls hat sich der Knoten in meinen Magen soweit gelöst, das mir das Essen nicht gleich wieder hochkommt. Denn auch wenn ich es nicht geglaubt habe, hilft es tatsächlich, wenn man seine Wut und Frustration und jedes andere unterdrückte Gefühl ungehindert rauslassen kann. „Was verschafft mir die Ehre deines Besuchs ?"

„Glaubst du mir, wenn ich sage, das ich nur rein zufällig in der Nähe war und nur mal kurz bei euch rum schauen wollte ?", fragt sie unschuldig, doch ich ziehe bloß kopfschüttelnd meine linke Augenbraue hoch. „Gut, also ... vielleicht, -ganz vielleicht, wollte ich mit eigenen Augen sehen, das du wirklich bei meinem Bruder wohnst und tatsächlich... hier sitzt du, im Schneidersitz, auf seiner Couch und isst Lucky Charms, als wäre es das normalste der Welt."

„Ach bitte, du tust ja gerade so, als wäre ich die erste Frau, die du je bei deinem Bruder in der Wohnung erwischt hast.", schnaube ich ironisch.

„Naja, bis auf mich, meine dreijährige Tochter und meine fünfundsiebzig Jährige Grandma, bist du die erste Frau, die ich je hier gesehen habe. Ich meine, ich glaube Matt bringt noch nichtmal seine One Night Stands her und du bist eindeutige die erste Frau, die er je bei sich hat wohnen lassen. Eine richtige Premiere, für ihn !", beginnt Eliza nachdenklich, schiebt sich an mir vorbei und lässt sich neben mich und die schlafende Kleo plumpsen, nur um sich kurz darauf meine Schüssel zu angeln und sich die letzten Löffel meines Frühstücks zu genehmigen. „Wo steckt mein herzallerliebster Bruder eigentlich ? Ich dachte heute hätte er ausnahmsweise mal frei ?!", murmelt sie und sieht sich suchend nach dem großen Blonden um. „Oder muss ich mir Sorgen machen, das er Tod in seiner Badewanne liegt und schon vor sich hin verwest."

„Hahaha... keine Sorge, er ist arbeiten.", entgegne ich Augenrollend, doch sie sieht mich nur weiterhin fragend an, weshalb ich weiter spreche. „Er hat heute Morgen einen Anruf bekommen, das ein Kollege, der ProBone Klinik krankheitsbedingt ausfällt und er ist für ihn eingesprungen.", präzisiere ich mich und lege die Zeitung, samt Textmarker, auf dem Couchtisch ab, sodass ich mich meiner Freundin ganz zuwenden kann.

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