19. Kapitel Die Außenseiterin

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Es war jetzt zwei Wochen her, dass Darko versucht hatte, mir die Erinnerungen zunehmen. Seit dem Tag behandelte mich Jessica wie Luft, sprach nicht mehr mit mir und half mir nicht, in der Schule klarzukommen.

Um ihr aus dem Weg zu gehen, war ich entweder bei Silver, mit Mutter unterwegs oder zeichnete mir den Frust von der Seele.

Ich schaute aus dem Fenster. Herr Müller erzählte von alten Legenden von Jorvik an der Tafel. Es war mir egal. Eine alte Legende gab den Befehl, meine Erinnerung zu löschen.

"Aurora?" Die Stimme von Herr Müller riss mich aus meinen Tagträumen. Die Klasse lachte wie üblich, Jessicas Lache war am lautesten.

"Könnten Sie ihre Frage bitte nochmal wiederholen?"

Herr Müller seufzte. "Du kommst doch aus Deutschland. Gibt es dort alte Legenden?"

"Nicht das ich wüsste", erwiderte ich und wandte mich wieder dem Fenster zu. Herr Müller wusste, dass er keine besseren Antworten bekam. Genau in diesem Moment klingelte der Gong.

Jetzt kam Mathe mit Herrn Drach. Das konnte was werden. So wie sein Name war, so war der auch drauf.

Herr Müller packte gerade seine Sachen zusammen, als Herr Drach schon reinkam. "Alle Sachen vom Tisch, Überraschungstest." Die ganze Klasse stöhnte auf, bis auf Jessica, natürlich, sie wusste davon, weil Darko sie vorgewarnt hatte. Herr Drach war nämlich Darko, wie passend dieser Name. So wie auch Jessica tat er so, als wäre ich Luft.

Der Test wurde ausgeteilt. Ich zuckte mit den Schultern. Eigentlich wollte ich gar nicht mitschreiben, aber vielleicht sollte ich es mal versuchen. Ich schaute mir die Aufgaben an und sah die Lösung mit dem Rechenweg vor meinen Augen.

"Interessant", Darkos Atem in meinem Nacken zu spüren, war keine angenehme Erfahrung. Ignorieren, Ignorieren, Ignorieren, meine innere Mantra half mir, mich zu konzentrieren.

"Noch zwei Minuten." Darko ging nach vorne zur Tafel. Warum war er nach hinten gekommen?

So Zusatzaufgabe. Ich fing am Bleistift an zu knabbern. Die Funktionen von x bestimmen.

"30 Sekunden"

Warte mal, diese Aufgabe, x=x+1, war unlösbar, da es keine Zahl gab, zu der man die 1 hätte hinzuaddieren könnte. Ich schrieb n.L. hin, hoffentlich wusste Darko, was ich damit meinte. Warum machte ich mir eigentlich Gedanken darüber?

"Stifte weg" Darko kam dem Gang entlang und sammelte die Tests ein. Er sah meine Ergebnisse und er blinzelte mich an. Darko ging zurück. Ich hatte mich anscheinend getäuscht, denn sein Blick war erneut kalt, als seine Augen meine trafen.

Ich legte mich wieder auf den Tisch und schaute raus. Warum machte ich mir überhaupt Hoffnungen?

Darko gab Aufgaben im Buch auf, alle machten sich dran, außer ich. Ich hatte keine Lust darauf.

"So meine Schüler, die Ergebnisse sind mal wieder ernüchternd. Selbst diejenigen unter euch, die sonst immer gut abschneiden, haben es nicht mal zu einer 4 geschafft. Bis auf Aurora." Alle drehten sich zu mir um und wenn mich Blicke töten könnten, wäre ich jetzt tot.

"Die Loserin kann doch nicht einmal 1 plus 1 rechnen", das war Jessicas Aussage.

"Und dennoch hat sie 100 von 100 Punkten", erwiderte Darko und zog die Aufmerksamkeit wieder auf sich. "An die Personen, die die letzte Aufgabe, die die Hälfte der Punkte ausmachte, gerechnet haben, haben wertvolle Zeit ihres Lebens verschwendet. Denn diese Aufgabe ist unlösbar."

Ein Raunen ging durch die Klasse und es klingelte zum Unterrichtsende.

Alle erschlugen sich, sie wollten die ersten sein, die rauskamen.

Dass ich als einzige die Aufgabe richtig hatte, würde noch ein Nachspiel haben, entweder noch hier in der Schule oder dann Zuhause. Nachdem alle raus waren, packte ich meine Sachen zusammen. Darko beobachtete mich. "Wie lange willst du noch die beleidigte Leberwurst spielen?" Ich antwortete nicht und ging gerade aus der Tür, aber Darko hielt mich auf.

Seine sonst so blauen Augen waren feuerrot. Natürlich, Garnok hatte die Kontrolle übernommen. Ich täuschte einen Schritt nach links vor und duckte mich rechts und entkam ihm.

Mit Garnok wollte ich ganz sicher nicht reden.

"Hey Loserin", jemand stellte mir ein Bein und ich stürzte die riesige Haupttreppe herunter.

Mein Bauch tat mir massiv weh. Was war passiert? Ich öffnete die Augen und sah mich am Ende der Treppe liegen. Ein Fuß trat mir in den Bauch. "Sie ist eine echte Loserin", Jessica stand an meinen Füßen und sah zu, wie mich ihre -Freunde- traten.

"Und dennoch hast du nicht mal soviel Schneid, dass wenn jemand am Boden ist, nicht nachgetreten wird."

-Die Freunde- von Jessica hörten auf und verstreuten sich in alle Himmelsrichtungen.

"Garnok hat uns nur den Befehl gegeben, dass wir sie aus alles Magische heraushalten, es hieß jedoch nicht, dass wir sie verletzten müssen und oder gar ausgrenzen."

"Das ist Auslegungssache, Sabine."

Ich rappelte mich langsam auf. Hoffentlich war nichts gebrochen.

"Was hat sie dir getan, Jessica?" Sabine klang sehr irritiert.

"Ihre bloße Existenz stört mich."

Ich stand, gut, jetzt musste ich nur noch laufen, um von hier wegzukommen. Ein Schritt nach dem anderen. Mit einem mal traf mich eine Faust mitten ins Gesicht. Diese kam so überraschend, dass ich rückwärts auf einer der Stufen fiel und um mich herum alles schwarz wurde.

Der 4. GeneralGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt