Erinnerung 3

386 6 5
                                        

Dieser verfickte Mistkerl! Liam hat an seine Kumpels ein Nacktbild von mir verschickt. Ich weiß, wie konnte ich damals so dumm sein und ihm eins senden. Die Antwort darauf ist. Ich war halt in ihm verliebt und dann macht man Sachen, die man manchmal später im Nachhinein bereut.

Jedenfalls hat sein ganzer Freundeskreis mich nackt gesehen, ohne dass ich das je wollte. Aber er denkt sowieso nur an sich. Er ist ein selbstsüchtiger Egoist. Mehr nicht.

Dann schickt er mir auch jeden Tag duzende Nachrichten, wo er mich bittet zurück zu ihm zu kommen oder wo er mich beleidigt. Ja, dieser Mann oder besser gesagt Junge, kann sich nicht entscheiden. Dennoch macht mich das ganze fertig.

Doch bevor ich weiter denken kann, fährt Thomas schon mit seinem Auto vor. Er ist auf die Minute pünktlich. Heute ist meine sechste Fahrstunde. In der vorletzten sind Thomas und ich uns etwas näher gekommen. Klar ist er ein gut aussendender und charmanter Mann. Aber ich könnte niemals etwas mit ihm anfangen. Er ist mein Fahrlehrer und dabei bleibt es auch. Außerdem glaube ich ist er kein Typ der etwas mit seinen Schülerinnen anfängt. So wirkt er auf jeden Fall nicht.

Thomas steigt aus seinem Auto und lächelt mich freundlich an. „Hallo Chloe." Grüßt mich Thomas, dabei zündet er sich natürlich sofort eine Zigarette an. „Salut Thomas. Wie schaffst du es immer so perfekt pünktlich zu sein?" Frage ich neugierig. Denn Thomas kommt fast nie zu spät.

Zuerst muss Thomas etwas lachen, bevor er mir antwortet. „Ich habe es halt im Gefühl." Als wenn? „Ja? Oder einfach nur viel Erfahrung?" Entgegne ich ihm selbstsicher. „Sagen wir es so. Ich kann den Verkehr echt gut einschätzen. Mit der Zeit kriegt man als Fahrlehrer ein Gefühl dafür." Erwidert er mit seiner leicht rauchigen Stimme. „Aber jetzt steig mal ein. Ich werde ja nicht fürs Quatschen bezahlt." Sagt Thomas.

Also hältst du während der Fahrstunde ab jetzt den Mund?" Antworte ich frech. Thomas ist so locker drauf, da kann man immer problemlos kontern.
Und wieder muss Thomas anfangen zu lachen. Sein Lachen ist immer so ansteckend, sodass ich auch immer anfangen muss zu lachen, wenn er lacht.
Als sich Thomas wieder etwas gefasst hat, entgegnet er mir. „Nein natürlich nicht. Sonst baut ihr mir ja nur Unfälle."

Thomas ist manchmal echt ein Scherzkeks. Aber jetzt stelle ich mir erstmal das Auto ein und dieses Mal geht es schon viel schneller. „Was machen wir heute?" Mein typischer Satz, denn ich gefühlt immer in jeder Fahrstunde am Anfang sage. Thomas guckt dabei wie immer in die Fahrerkarte. „Heute ein paar schwierige 30er Zonen. Mal gucken, was ich dir bis jetzt schon beigebracht habe." Antwortet Thomas mir freundlich, während er noch ein Mal kurz an seiner Zigarette zieht, bevor er sie dann ausdrückt.

Dann fahren wir auch schon vom Parkplatz. Das Fahren klappt schon deutlich besser, denn ich fahre nicht mehr ständig gegen den Bordstein. Thomas notiert sich immer etwas zwischendurch. Wenig später fängt es dann an zu schütten. „So ein Sauwetter, dass kann es auch nur im November geben." Grummelt Thomas, während er von seiner E Zigarette zieht, die er vorhin rausgeholt hat. Dabei macht er natürlich das Fenster auf.

„Bist du kein Fan vom Winter ?" Frage ich interessiert. Thomas schüttelt nur leicht den Kopf, bevor er mir dann antwortet. „Der Sommer ist einfach schöner. Ich selber hab im Mai Geburtstag und da ist das Wetter tausend Mal besser."

„Versteh ich total. Ich selber habe im Juli Geburtstag und ich bin auch einfach nur froh, wenn der Winter vorbei ist. Nur leider hat er ja gerade erst angefangen." Erzähle ich Thomas. Er ist so ein Mensch mit dem man über Gott und die Welt reden kann.

Nach unserer kurzen Plauderei sind wir schon in den berühmten 30er Zonen und zu meinem Pech, wohnt Liam hier. Wir fahren genau an seinem Haus vorbei und dahinter befindet sich eine Rechts vor Links, die ich glorreich übersehe. Aber Thomas bleibt locker.

Bei der nächsten Rechts vor Links verschalte ich mich in den dritten Gang. Bei einer anderen Rechts vor Links lasse ich die Kupplung fliegen. Bestimmt verliert Thomas jetzt die Nerven. Aber nein, er bleibt noch locker und gelassen.

Dann muss ich einen Berg hoch fahren. Natürlich geht auch hier alles schief. Ich würge ausversehen ab und wir rollen nach hinten, bis Thomas eingreift und bremst.

Überlass mal mir kurz die Pedale." Sagt Thomas bestimmend und zugleich freundlich. Aber mit einem leichten genervten Unterton.

Thomas fährt rechts ran. „Was ist los? Letzte Fahrstunde hat das deutlich besser geklappt oder gefallen dir hier einfach die Straßen nicht?" Fragt Thomas besorgt, während er wieder an seiner E Zigarette zieht.

Wie soll ihm das nur jetzt erklären? Doch bevor ich überhaupt dazu komme, fange ich schon an zu weinen. Ich probiere es noch zu verstecken, in dem ich mich etwas wegdrehe. Doch Thomas hat es längst schon bemerkt. „Chloe, Guck mich bitte an." Bittet er freundlich.

Langsam komme ich seiner Bitte nach. Ich sehe in seinen besorgten Blick. Mitfühlend schaut er mich an. Er raste nicht aus, dass ich jetzt Drama machen. „Das vorhin sollte nicht heißen, dass du eine schlechte Autofahrerin bist, denn das bist du keineswegs. Aber da ist doch was?" Während seiner netten Worte streicht er mir vorsichtig über den Rücken.

Ich probiere mich etwas zu beruhigen. „Dahinten steht das Haus von meinem Exfreund. Wir hatten keine schöne Trennung. Er hatte mich damals mit einer Freundin von mir betrogen und jetzt...." Ich fange wieder an doller zu weinen, bevor ich weiter sprechen kann. „Und jetzt zeigt er irgendwelche Nacktbilder von mir rum aus Rache."

Thomas hört mir die ganze Zeit aufmerksam zu. Als ich dann anfange doller zu weinen, nimmt er mich sanft in den Arm. Die Umarmung ist eng, dennoch fürsorglich und nicht grenzüberschreitend. Sie fühlt sich richtig warm und geborgen an.

Danach gibt mir Thomas ein Taschentuch. „Wenn du willst können wir auch für heute Schluss machen. Dann fahr ich zurück zur Fahrschule und wir machen dann nächste Woche weiter. Ich rechne dann auch die letzten 30 Minuten nicht an." Schlägt Thomas netterweise vor. Ich nicke und bedanke mich dann anschließend bei ihm.

Das war die Fahrstunde wo ich wirklich gemerkt habe, wie fürsorglich Thomas ist. Und jetzt liege ich hier in der Wanne und muss bei jeden Gedanken an ihn anfangen zu weinen. Ob ich ihn je wiedersehe?.....

Mal eine Erinnerung. Ich hoffe euch haben die beiden zwei Kapitel gut gefallen. Schreibt doch gerne in die Kommentare, was ihr euch für das nächste Kapitel wünscht☺️

Forbidden desireWo Geschichten leben. Entdecke jetzt