Verwandlungen

2.5K 143 8
                                        

Die Verwandlung hielt nur einen Sekundenbruchteil lang an,bevor sie sich wie ein Schleier von Tessa hob und ihre wahre Gestalt offenbarte. Schwer atmend und mit weit aufgerissenen Augen starrte sie Magnus und Alec an.

"Ich-Ich konnte die Verwandlung nicht festhalten",keuchte sie und strich sich eine braune Haarsträhne hinters Ohr.

Magnus war wie Alec erstarrt und Tessa erschrak,als sie das pure Entsetzen in den Augen der beiden Männer sah.

"Ihr kennt ihn,nicht wahr? Wer ist er?",fragte sie vorsichtig und Magnus schüttelte ungläubig wieder und wieder den Kopf.

Ihr Blick glitt zu dem entstellten Alec,dem sie so dringend helfen musste.

"Die Verwandlung hat zu kurz angehalten um irgendwelche seiner Erinnerungen zu empfangen".

Die nächsten Minuten waren von bleiernem Schweigen erfüllt und Tessa wurde immer ungeduldiger.

"Redet!",platzte es aus ihr heraus. "Bitte redet! Erzählt mir alles,was ihr wisst!".

Magnus holte tief Luft und erzählte alles,was er über Jordan Kyle wusste. Jordan war bei den Praetor Lupus als Mentor für Simon eingesetzt worden,als dieser kurz nach seiner Transformation zum Vampir nicht mit seinem neuen Leben zurecht kam. Es hatte sich herausgestellt,dass er für die Lykanthropie seiner ehemaligen Freundin Maia Roberts verantwortlich war. Maia war eine gute Freundin der New Yorker Schattenjäger,so wie Jordan einer gewesen war.

"Letztes Jahr hat Sebastian ihn bei seinem Angriff auf den Sitz der Praetor getötet",beendete Magnus seine Ausführungen. "Zumindest dachten wir das".

"Aber das ist unmöglich",rief Alec plötzlich,der bisher geschwiegen hatte. "Er ist in Maias Armen gestorben!".

Tessa legte ihm beschwichtigend eine Hand auf die Schulter.

"Zumindest wissen wir jetzt,dass er es nicht ist",sagte sie sanft. "Nur bringt uns das leider kein bisschen weiter".

"Was soll das heißen?",fragte Magnus entsetzt.

"Nun ja,ich weiß immer noch nicht,welche Krankheit Alec genau befallen hat. Ich müsste es auf gut Glück versuchen",erklärte sie. "Ich lasse euch jetzt für ein paar Stunden allein,ich muss mich mit den anderen beratschlagen".

*

"Jordan",hauchte Clary.

"Ganz recht",antwortete dieser mit boshaft funkelnden Augen.

"Was-Ich meine wie...?",stammelte Isabelle,doch sie brachte keinen ganzen Satz zustande.

Plötzlich entgleisten ihre Gesichtszüge und sie blickte sich panisch um.

"Simon!".

Ein bösartiges Grinsen schlich sich auf Jordans attraktives Gesicht.

"Amüsant wie euch erst jetzt aufgefallen ist,dass euer kleiner Mundie Freund abhanden gekommen ist. Typisch Nephilim. Immer auf sich selbst bedacht".

Clary griff instinktiv an ihre Hüfte,wo normalerweise ihr Waffengürtel befestigt war,doch ihre Hand tastete ins Leere. Jordans Grinsen wurde noch dämonischer.

"Welch ein Pech. Unbewaffnet",zischte der Werwolf belustigt.

"Was willst du?",fragte Jocelyn mit fester Stimme.

"Oh nicht viel",lächelte er. "Ich möchte nur den Kreis schließen und zwar mit"-er streckte langsam seinen Arm aus und deutete auf Isabelle-"ihr".

Maryse sog scharf die Luft ein und stellte sich sofort schützend vor ihre Tochter.

"Niemals! Mein letztes Kind wirst du mir nicht auch noch nehmen!".

"Warum willst du mich?",fragte Isabelle mit bebender Stimme.

"Weil es deine Eltern zerstören wird. Robert hat mich und Maia zu den Praetor geschickt. Er ist Schuld daran,das ich bin,was ich bin",knurrte er.

"Das ist Unsinn",schrie Robert der seine Tochter nun ebenfalls mit seinem Körper abschirmte.

"Wenn ihr sie mir nicht gebt,werdet ihr euren kleinen Freund und die blauhäutige nie wieder sehen".

Clary drehte sich der Magen um und in diesem Moment kamen all die schrecklichen Erinnerungen an Blut, Hass und Tod in ihr hoch. Die Situation schien aussichtslos. Kalter Schweiß lief ihr über den Körper und ihr Herz begann zu rasen,so wie es oft nach Jonathans Tod geschehen war. Doch sie biss die Zähne zusammen und zwang sich ruhig zu atmen. Sie war eine Nephilim und sie würde stark sein und kämpfen.Sie bückte sich und zog unauffällig den kleinen Dolch mit der gebogenen Klinge,den sie immer bei sich trug,aus ihrem Stiefel. Dies war die einzige Waffe,die sie bei sich hatte.

"Ihr wollt sie mir also nicht geben?",fragte Jordan nun,der ungeduldig zu werden schien.

"Nein",rief Robert,während Isabelle "Doch",schrie.

Entgeistert starrte Maryse ihre Tochter an.

"Nein,Isabelle,wenn du das tust,tötest du mich",flüsterte sie.

Plötzlich kam Bewegung in Jordans Körper. Unzählige Haare begannen aus seinem Körper zu sprießen und sein Gesicht nahm animalische Züge an. Entsetzt beobachtete Clary,wie seine Augen sich blutrot färbten. Sie und die anderen wichen unwillkürlich einige Schritte zurück und Jordan bleckte die Zähne,was wie ein diabolisches Grinsen wirkte. Er knurrte bedrohlich und taxierte Isabelle mit seinen furchtbaren Augen. Isabelle wickelte unaufällig ihre Peitsche ab und schien nicht im Geringsten Angst zu haben. Im Gegenteil. In ihren Augen blitzte der alte Kampfgeist auf und als sie ihr Haar zurückwarf und ihre Schultern straffte,wusste Clary,dass sie jetzt,in dieser dunklen Stunde,endlich wieder da war. Isabelle war wieder Isabelle. Dann setzte Jordan zum Sprung an.

Malec-Eine unsterbliche Liebe?Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt