Isabelle wälzte sich unruhig von einer Seite auf die andere,während sie erfolglos versuchte einzuschlafen. Es war erst Spätnachmittag,doch sie hatte beschlossen den furchtbaren Ereignissen entgehen zu wollen und in das Land der Träume zu flüchten,um ihre Sorgen wenigstens kurz zu vergessen. Doch wie zu erwarten war an Schlaf nicht zu denken,wenn so viele Gedanken in ihrem Kopf herumschwirrten. Sie hatte sich nicht einmal die Mühe gemacht die schweren,dunkelroten Vorhänge zu schließen und warme Sonnenstrahlen kitzelten ihr Gesicht und machten den Staub,der in der Luft tanzte,sichtbar.Sie folgte einem der Körnchen mit den Augen und beobachtete,wie es langsam auf den Boden sank. Sie erschrak,als plötzlich die Tür zu ihrem Zimmer aufflog und Maryse hereinrauschte.
"Pack deine Sachen,wir reisen in zehn Minuten ab",sagte sie knapp.
Verständnislos setzte Isabelle sich auf und zog eine ungläubige Grimasse.
"Aber-",begann sie,doch ihre Mutter bedeutete ihr mit einer harschen Handbewegung zu schweigen.
"Catarina Loss wird uns ein Portal öffnen",sagte sie und da Isabelle immer noch regungslos auf dem Bett saß,begann sie selbst Kleidungsstücke in den Koffer ihrer Tochter zu werfen.
"Mom,wir können hier nicht weg",rief Isabelle leicht hysterisch. Maryse hielt kurz Inne und funkelte ihre Tochter an.
"Warum?",fragte sie scharf und begann weiter den Koffer zu packen.
Sie hatte ihr Haar zu einem strengen Dutt zusammen genommen und Isabelle bemerkte, wie dünn sie in den letzten drei Tagen geworden war. Sie hatte nichts mehr gegessen seitdem Alec gebissen worden war. Ihre mütterliche Sorge und der Stress hatten sie davon abgehalten. Ihre Wangenknochen stachen scharf aus ihrem Gesicht hervor und ihre Wangen waren hohl und eingefallen.
"Wir können Jace nicht allein lassen und-",sie zögerte.
Sie hatte an Alec gedacht. Falls er zurückkehrte,wollte sie nicht in New York sein. Sie hatte eine kindliche Angst davor,den Ort zu verlassen,an dem sie ihren geliebten Bruder zum letzten mal gesehen hatte.
"Alec",wimmerte sie nur.
Maryse stand seufzend auf und setzte sich neben Isabelle aufs Bett. Sie legte ihren Arm um Isabelles schlanke Taille und drückte sie fest an sich. Izzys Tränen benetzten die Schulter ihrer Mutter,doch es kümmerte sie nicht mehr. So viel wie in den letzten Tagen hatte sie in den letzten 10 Jahren nicht mehr geweint,doch es gab nichts,was ihr in dem Moment unwichtiger gewesen wäre. Sie war lange genug stark gewesen. Sie hatte lange genug die Rolle der Unnahbaren gespielt. Jace,Alec und sie hatten alle ihre Rollen gespielt.Jace war der arrogante aber unglaublich fähige Bad Boy gewesen. Alec war der fürsorgliche,schweigsame Beschützer und große Bruder für Isabelle und Jace gewesen. Isabelle selbst war die unzerstörbare,immer selbstbewusste,schöne Kampfmaschine gewesen. Bis jetzt. Sie hatten immer zusammen funktioniert und jeder hatte seinen Platz gehabt.
Doch was war Isabelle jetzt? War sie überhaupt jemals jemand gewesen,oder war ihre ganze Existenz eine Lüge? Ging es den Anderen genauso? Fragten sie sich auch,wer sie waren? Fühlten sie sich auch so verloren?
"Mom",schluchzte sie. "Wer bin ich?".
Maryse überlegte einen Augenblick und dann huschte ein kleines Lächeln über ihre Lippen und wischte für einen Moment den verbitterten Ausdruck von ihrem Gesicht.
"Du bist meine kleine und dennoch große,meine starke und dennoch schwache,meine süße und dennoch kratzbürstige,wunderschöne,einzige Tochter Isabelle Sophia Lightwood",flüsterte sie.
"Meine Isabelle und das wirst du immer sein". Sie drückte ihr einen Kuss aufs Haar.
"Wir werden es schaffen. Wir müssen".
*
Alec hatte sich überraschenderweise etwas erholt und Magnus hatte ihn dazu gedrängt wenigstens einige Kilometer weiterzugehen,obwohl sie beide insgeheim die Hoffnung lässt aufgegeben hatten. Magnus bereute den Coniunctus Zauber bereits,doch es gab keine Möglichkeit ihn zurück zu nehmen. Er wusste selbst nicht,warum er nicht längst alles beendet hatte,so wie Alec es schon mehrmals von ihm verlangt hatte. Doch irgendetwas hielt ihn auf dieser Welt fest. Er hatte nicht viele Freunde für die es sich zu leben gelohnt hätte,er hatte keine großartigen Besitztümer,von denen er sich nicht trennen konnte und dennoch wollte er nicht sterben. Vielleicht hatte er Angst. Doch,nein,das war es nicht. Es war Alec, der ihn am Leben gehalten hatte. Ohne Alec wollte er nicht leben. Doch in den Stunden war ihm klar geworden,dass zusammen mit Alec zu sterben,nicht auch bedeutete, mit ihm zusammen zu bleiben. Niemand wusste,was nach dem Tod war und er hatte wenig Hoffnung,Alec nach dem Tod wiederzusehen. Seine Lage war aussichstslos. Selbst wenn es ihm irgendwie gelingen würde den Coniunctus aufzulösen,würden ihm nur noch wenige Tage,oder vielleicht auch nur Stunden mit seinem Alexander bleiben. Er vermied es den jungen Schattenjäger anzusehen,denn er ähnelte dem hübschen Jungen,in den er sich verliebt hatte,nur noch sehr entfernt. Er sah nun aus wie eine Mischung aus Mensch und Wolf mit abstoßenden roten Augen und einer immer gekrümmteren Körperhaltung. Magnus machte sich Sorgen,dass er bald anfangen würden auf allen Vieren zu laufen,was ihm den restlichen Hauch von Menschlichkeit endgültig nehmen würde. Zudem hatte er keine Ahnung,wohin sie gingen. Er hatte gehofft sein Instinkt würde ihn automatisch ins Innere führen,doch da hatte er sich gewaltig getäuscht. Er hatte noch nie so wenig gewusst,was er tat,wie jetzt. Selbst,wenn sie das Zentrum erreichen würden,war die Wahrscheinlichkeit,dass jemand ihnen helfen können, beziehungsweise wollen,würde mehr als gering.
"Magnus,ich kann nicht mehr",sagte Alec,dessen Stimme seit dem letzten Anfall mehr wie ein kehliges Knurren klang.
"Ich weiß",sagte Magnus ungeduldig.
"Sag mir was ich machen soll,Alexander!".
"Tu es",sagte Alec knapp und Magnus wusste,dass er schon wieder wollte,dass er sie tötete.
Er seufzte tief.
"Das hatten wir doch schon-".
"Magnus?!",ertönte eine vertraute,weibliche Stimme hinter ihnen.
Wie in Zeitlupe drehte Magnus sich um und wäre vor Erleichterung beinahe ohnmächtig geworden. Einige Meter hinter ihnen,stand eine große,schlanke Frau mit langem,braunen Haar in einem weißen Leinenkleid.
Tessa.
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Malec-Eine unsterbliche Liebe?
FanficNach den Ereignissen in der Dämonendimension scheint endlich ein wenig Ruhe in die Beziehung von Magnus Bane,dem obersten Hexenmeister von Brooklyn und Alec Lightwood,dem jungen Schattenjäger aus dem New Yorker Institut, eingekehrt zu sein. Magnus...
