Blutrot

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Isabelle erwachte von einem gellenden Schrei,von dem sie nicht wusste,ob er ihrem furchtbaren Albtraum entstammte,in dem Alec in Armen zu Staub zerfallen war,oder ob sie ihn wirklich gehört hatte. Ein Blick auf die Uhr sagte ihr,dass es bereits halb drei Uhr Nachmittags war und sie rappelte sich schnell auf. Nach der Zeremonie,die fast zwei Stunden gedauert hatte,war sie unendlich müde gewesen und hatte nur noch schlafen wollen. Ihre Hand wanderte zu der Stelle direkt auf ihren unteren Rippen wo die frische Parabatai-Rune immer noch auf ihrer Haut prickelte. Schnell schlüpfte sie in ein paar enge Leggings und einen dünnen,lockeren Wollpullover,als ein weiter markerschütternder Schrei ertönte,der Isabelle zusammenfahren ließ. Schnell zwängte sie sich in ihre Stiefel und eilte die Treppe hinunter. Auf halber Höhe blieb sie wie versteinert stehen.

Unten ging gerade eine Tür auf und zwei Männer trugen eine Bahre heraus,auf der ein Körper lag,der mit einem weißen Tuch bedeckt war.Für einen Moment lang tauchte ein Name in ihrem Geist auf. Alec. In blinder Panik stolperte sie die letzten Stufen hinab und ihre Hände bekamen den groben Stoff zu fassen. Ruckartig zog sie das Leichentuch herunter. Sie starrte auf das entstellte Gesicht. Es war nicht Alec. Natürlich nicht.

"Isabelle!",ertönte eine entsetzte Stimme hinter ihr und jemand umfasste ihren Oberarm.

Willig ließ sie sich wegziehen. Erst jetzt bemerkte sie,dass es Clary war,die sie festhielt. Mit großen Augen starrte sie ihre Freundin an.

"Es ist Patrick",flüsterte Clary,die den beiden Männern nachsah,wie sie den Leichnahm forttrugen.

Isabelle schüttelte verständnislos den Kopf.

"Er hat die selbe Krankheit wie Alec",ertönte eine kalte Stimme hinter ihr und sie sah Jace,der mit eiserner Miene in der Tür stand. "Alec wird genauso wie er sterben".

Entgeistert starrte Clary Jace an.

"Jace...",begann Clary doch Jace winkte ab.

"Es ist die Wahrheit. Alec kann nicht überleben",zischte er und ließ sich auf seine Knie sinken.

Isabelle fühlte sich,als würde ihr alles entgleiten und fühlte Übelkeit in ihr aufsteigen. Clary stand zwischen ihnen und wirkte vollkommen überfordert. Isabelle klammerte sich an Clarys Schulter,als ihre Beine nachzugeben drohten und ihre langen Fingernägel krallten sich in Clarys Haut. Jace saß nun auf dem Boden. Sein Gesicht war völlig audruckslos.Es polterte im Flur und plötzlich erschienen zwei grobschlächtige Männer,packten Jace und zogen ihn auf die Füße.

"Du stehst im Verdacht mit dem Wetwolfblut in Kontakt gekommen zu sein",bellte einer von ihnen. "Du wirst ab jetzt vorerst unter Karantäne stehen".

Jace ließ sich vollkommen apathisch von den Männern abführen während Clary schrie. Isabelle übergab sich auf den Teppichboden.

*

Alec und Magnus hatten beschlossen sich wieder auf den Weg zu machen,solange es Alec einigermaßen gut ging. Alec wurde den Verdacht nicht los,dass Magnus keine Ahnung hatte,wohin sie gingen,doch es kümmerte ihn kaum. Es konnte sich kaum noch um Tage handeln,bis er sterben würde und keine Hexe der Welt würde das verhindern können. Im Moment fühlte er sich gut,doch er konnte die Krankheit wie einen Vulkan in sich brodeln spüren,der jeden Moment wieder explodieren konnte. Er dachte an Isabelle und ein bitterer Geschmack stieg in seiner Kehle auf. Wie sollte sie es überstehen? Alec hoffte so sehr,dass Clary, Jace und Simon ihr helfen können würden. Jace. Er schluckte. Wie würde Jace darüber hinwegkommen? Er wusste,dass sein Parabatai sich die Schuld gab und Alec kam nicht umhin sich zu fragen,was Jace in dieser Nacht in der Nähe von Magnus' Apartment zu suchen gehabt hatte. Er stieß hörbar die Luft aus,was Magnus hellhörig machte.

"Hast du Schmerzen?",fragte er zum hundersten mal und Alec lächelte schwach.

"Keine körperlichen,nein",sagte er.
"Müsstest du es nicht auch fühlen?".

"Ich habe nur unsere Energie verbunden,nicht unsere Empfindungen und Emotionen. Wenn es so wäre würdest du hoffnungsvoll sein",murmelte der Hexenmeister.

"Du hast Hoffnung?",wollte Alec wissen. "Immer noch?".

"Wenn ich etwas in meinem Leben gelernt habe,ist es die Hoffnung nie aufzugeben",verkündete Magnus,wirkte aber wenig überzeugt.

"Das denkst du tatsächlich?".

Magnus seufzte tief.

"Ich wünschte,ich täte es".

Alec starrte auf seinen Arm und merkte,dass etwas nicht stimmte. Er war behaarter als sonst. Es war,als wären ihm innerhalb kürzester Zeit viele dunkle Haare gewachsen. Er drehte seinen Arm,sodass er die blasse Unterseite sehen konnte. Dünne,fast schwarze Adern schlängelten sich unter seiner Haut entlang. War sein Blut etwa schwarz geworden? Er fühlte sich mehr und mehr,als würde er von Tag zu Tag mehr vergiftet.

Die Krankheit schien auch an seiner Seele zu zehren. Er fühlte sich merkwürdig leer. Er zwang sich den Blick von seinem Arm abzuwenden und bat Magnus sich einen Moment lang ausruhen zu können. Alecs Augen brannten. Vor Müdigkeit,wie Alec vermutete und er rieb sie mit seiner behaarten klauenartigen Hand und setzte sich. Magnus ließ sich vor ihm im Schneidersitz nieder. Als er die Hände von den Augen nahm stieß Magnus einen erstickten Schrei aus.

"Was?",fragte Alec ängstlich.

"Deine Augen sind rot",sagte Magnus tonlos.

"Ja, sie jucken",sagte Alec zögerlich,aber Magnus schüttelte heftig den Kopf und seine Stimme zitterte,als er sagte.

"Deine Iris sind blutrot".

Malec-Eine unsterbliche Liebe?Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt