Clary war müde und erschöpft,als sie in den frühen Morgenstunden zurückkehrte. Sie schloss so leise wie möglich auf und erschrak heftig,als Jocelyn mit verschränkten Armen im Eingangsbereich stand.
"Wo bist du gewesen?",fragte sie ruhig,doch ihre Augen funkelten gefährlich.
"Warst du bei Jace?",ihre Stimme klang schärfer.
Clary schüttelte den Kopf und versuchte sich an ihrer Mutter vorbeizuquetschen,doch die packte sie an der Jacke.
"Clarissa!".
Clary zuckte zusammen. Wenn ihre Mutter sie so nannte war alles verloren.
"Rede gefälligst mit mir! Ich war krank vor Sorge! Ich habe Geräusche gehört und als ich nachsehen ging,warst du fort. Ich kann es nicht akzeptieren,dass du dich einfach so aus dem Haus schleichst! Denk an die Angriffe!".
"Es tut mir Leid,Mom",murmelte Clary. "Ich will jetzt nicht darüber reden. Aber wie du siehst bin ich wohlauf".
Sie schlüpfte aus ihrer Jacke und in genau dem Moment wurde ihr bewusst,dass sie das nicht hätte tun sollen. Jocelyn hatte ihre Augen weit aufgerissen und starrte auf die weiche Haut unterhalb von Clarys Schlüsselbein,wo die Parabatai-Rune brannte.
"Beim Erzengel",murmelte sie.
Clary verfluchte sich für ihre Unachtsamkeit und ihre Entscheidung ein luftiges Spaghettiträger-Top zu tragen.
"Oh Clary",hauchte ihre Mutter und konnte ihren Blick nicht von dem Mal abwenden,das einen starken Kontrast zu Clarys weißer Haut bildete.
"Ich-Ich wusste nicht",stammelte sie.
"Heute? Aber mit wem?".
Clary zuckte hilflos die Schultern.
"Mom,ich erkläre dir alles morgen,ok?",sagte sie in der Hoffnung Jocelyn würde einlenken.
"Doch nicht etwa...Isabelle?",fragte sie und leichtes Entsetzen schwang in ihrer Stimme mit.
Clary presste die Lippen zusammen und wich dem Blick ihrer Mutter aus.
"Clary! Bist du dir im klaren,dass es eine lebenslange Verbindung ist?",rief sie nun und Clary hob trotzig ihren Blick.
"Ich glaube sowas in der Art hab ich schonmal gehört",keifte sie und ihre Mutter fuhr zusammen.
"Es ist einzig und allein meine Entscheidung!".
"Ihr steht euch nichteinmal nahe!",zischte Jocelyn und Clary runzelte wütend die Stirn.
"Woher willst du das wissen?",schrie sie.
"Nicht so laut,du wirst Luke aufwecken!".
"Siehst du,Mom! Es geht nicht um mich es geht immer um Luke. Du kannst nicht wissen wie nahe Isabelle und ich uns stehen! Vielleicht stehen wir uns ja nahe und du hast es nicht bemerkt!".
Clary hatte ein schlechtes Gewissen,da sie wusste,dass es nicht stimmte. Jocelyn wirkte verletzt.
"Du bist unfair,Clary",sagte sie leise. "Geh ins Bett,es ist ohnehin zu spät".
*
Magnus hasste den Gedanken sich mit Alec in solch eine Gefahr begeben zu müssen,doch er würde es sich nie verzeihen,wenn Alec sterben würde,ohne,dass sie es versucht hatten. Er und Alec wanderten seit ein paar Stunden durch das Labyrinth. Er wusste,dass die äußeren Bereiche relativ ungefährlich waren. Zumindest im Vergleich zu dem was auf sie wartete. Je näher man dem Zentrum kam,desto tödlicher wurde es. Natürlich war Magnus sich nicht sicher,um was genau es sich handeln würde denn es gab nur eine beunruhigend kleine Anzahl von Personen,die das Labyrinth überlebt hatten. Es bestand aus Granitwänden,die bis zur Decke reichten und es somit unmöglich machten,das Labyrinth mit einem kleinen Schwebezauber (eine von Magnus' Spezialitäten) zu überblicken. Magnus gab es nur ungern zu,aber er hatte keine Ahnung wohin sie gingen. Er folgte seinem Bauchgefühl und vertraute darauf,dass das Labyrinth ihm,als Hexenmeister half. Alec war schon beunruhigend oft gestolpert und Magnus befürchtete,dass Alec daran keine Schuld getragen hatte. Er wurde den unangenehmen Gedanken nicht los,dass das Labyrinth über Jahrhunderte ein Eigenleben entwickelt hatte. Sie bogen gerade wieder um eine Ecke,als Alec abrupt stehen blieb,sodass Magnus beinahe in ihn hineingerannt wäre. Alec hielt sich keuchend die Brust und Schweiß rannte über seine Stirn. Er presste das Kiefer zusammen und stieß immer wieder gespresste Schreie aus. Magnus Eingeweide zogen sich zusammen.
"Alec,Alec! Leg dich flach auf den Boden!",sagte Magnus eindringlich und der Junge tat,wie geheißen.
Er zuckte und krampfte und stieß weiterhin schrecklich animalisch klingende Laute aus. Magnus wurde panisch und das wurde er sonst nie. Alec schien alles um sich herum zu vergessen und nur noch aus unerträglichen Schmerzen zu bestehen. Magnus murmelte kurze Formeln,die seinen Schmerz stillen sollten,doch nicht einmal die Magie schien Besserung zu bringen. Er nahm Alecs Gesicht zwischen die Hände und redete sanft auf ihn ein.
"Hörst du mich? Hör mir zu! Ich bin bei dir,ich lasse dich nicht allein. Du bist derjenige,der mir auf der Welt am meisten bedeutet".
Magnus war sich sicher,dass er sterben würde. Hier und jetzt. Alec krampfte immer heftiger und Magnus fühlte sich,als würde man ihm sein Herz herausreißen.
"Es ist ok. Ich lasse dich nicht allein. Ich bin immer da. Auch wenn du dich entscheidest zu gehen,werde ich da sein",murmelte er und jedes Einzelne Wort war wie ein Stich.
Alec rollte sich nun auf den Bauch und seine Hände waren unter seinem Körper begraben. Es musste vorbei sein,es konnte nicht ewig so weitergehen. Plötzlich bewegte er sich nicht mehr und es war so schnell vorbei wie es gekommen war. Magnus starrte Alecs reglosen Körper an. Er hatte sich noch nie so leer gefühlt. Er musste ihn umdrehen und sein Gesicht sehen. Plötzlich kam Bewegung in Alecs Körper und Magnus erschrak so sehr,dass er einen Satz zurück machte. Er war nicht tot. Alec war am Leben. Erleichterung breitete sich in ihm aus. Langsam richtete Alec sich auf und wandte sein Gesicht zu Magnus. Seine Lippe zitterete und langsam,fast wie in Zeitlupe,streckte er seine Arme aus. Magnus dachte,er wollte,dass er ihm aufhalf,doch er erstarrte als sein Blick auf Alecs Hände fiel. Alecs Arme endeten in furchtbaren Klauen.
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Malec-Eine unsterbliche Liebe?
FanfictionNach den Ereignissen in der Dämonendimension scheint endlich ein wenig Ruhe in die Beziehung von Magnus Bane,dem obersten Hexenmeister von Brooklyn und Alec Lightwood,dem jungen Schattenjäger aus dem New Yorker Institut, eingekehrt zu sein. Magnus...
