10 . Ein guter Ort zum Reden

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Ein guter Ort zum Reden

"Wie großzügig von euch, dass ihr mich heute mal nicht einfach Zuhause stehen gelassen habt", bockt Clara am nächsten Morgen, als wir auf dem Weg zur Schule sind.

Genervt verdrehe ich die Augen. "Wie großzügig von dir, dass du uns heute mal nicht gefühlte drei Stunden unten warten lassen hast."

Sie blickt auf ihr Handy. "Ah, Jules. Daher weht der Wind. Du bist eifersüchtig, nicht wahr? Dass ich so viel besser aussehe. Ich meine, ich versteh das ja, aber das gestern hätte wirklich nicht sein müssen."

Ich lache ironisch auf. "Ich soll auf dich eifersüchtig sein? Gott, ich bin nicht diejenige, die in der ganzen Schule nun als zickiges Biest dasteht."

"Nein, du wirst wohl immer die sein an der Schule, die die ganze Zeit Jungfrau blieb, von der man nicht wirklich was mitbekam und die nichts auf Style gab. Das gestern hat mich nur interessanter gemacht. Die Typen stehen auf Frauen wie mich. Ich weiß, was ich will und -", belehrt sie mich, aber ich kann mir das keine Minute länger anhören.

"Ist ja gut, Mann. Ich hab verstanden, was du von mir hältst und was du mir sagen wolltest. Es reicht."

Andrew schenkt mir einen kurzen Seitenblick und fragt dann: "Was bitte war denn gestern?"

"Paah, hat dir Jules das noch nicht erzählt? Ich dachte, sie wäre gleich wieder angekommen", sagt sie gleich wieder zickig, "Ich bin sie eben gestern angegangen, als ich sie in der Schule gesehen habe. Ich mein, das musste sein, nachdem ihr mich gestern stehen lassen habt. Haben halt ein paar Leute mitbekommen, aber das ist mir so egal."

Dass sie das gleich so zu gibt, hätte ich nie erwartet. Gott, was Andrew von ihr denkt, muss ihr wirklich richtig egal sein.

"Oh Gott", stöhnt Andrew, "Du bist echt richtig abnormal dumm, das weißt du, oder? Was geht bei dir eigentlich falsch, ständig so über zu reagieren? Wir warten doch nun wirklich jeden verdammten Tag nur auf dich und dann gehen wir einmal, weil du gestern echt übertrieben spät kamst, früher und du gehst so ab. Jules, bei dir alles gut?"

"Ach, um Jules musst du dir keine Sorgen machen, da war nichts", antwortet Clara an meiner Stelle.

Ich schaue ihn aber dennoch an und lächle kurz. "Ist alles gut", versichere ich ihm.

Mein Blick geht aus dem Fenster, wo ich auch schon die Schule sehe.

_____

In der Pause habe ich mich einfach in die Bibliothek verkrochen. Solange ist nun auch nicht mehr Zeit bis zum Fest und ich denke, mit Milo - das wird nichts mehr.

Außerdem wollte ich mal meine Ruhe haben.

Ich blättere in den Büchern rum und notiere mir dabei die wichtigsten Dinge. Eigentlich könnte ich das Plakat bestimmt auch ohne Bücher gestalten und trotzdem jede Menge an Fakten da hoch bringen, aber ich brauche nochmal diese Bestätigung, dass ich keinen Unsinn schreibe.

Ich fange gerade an, in irgendeiner Krakelschrift ( Ich war zwar immer gut in der Schule, doch keiner hat was von ordentlichem Schriftbild und Kreativität gesagt ) die Überschrift hinzuklatschen, als eine tiefe Stimme ertönt und ich richtig zusammenzucke: "Da hättest du dir aber echt mehr Mühe geben können."

"Tja, Blake, müsste ich das nicht alles alleine machen, könnte ich mich gewissen Dingen eben länger widmen. So muss das eben", ich tippe auf die angefangene Überschrift, "genügen."

Amüsiert schaut er mich an und beginnt dann Andeutungen zu machen, sich neben mich zu setzen. "Andere Sache: Habe ich dich gerade erschreckt? Sorry, das wollte ich nicht."

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