12. Alibi und Verwirrungen

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Alibi und Verwirrungen

Cara: Bin in zehn Minuten bei dir.

Mehr Worte bekomme ich am nächsten Freitag nicht. Es ist mittlerweile gegen sechs und ich frage mich einfach, was sie noch hier will. Sie hatte vorher nichts erwähnt.

Aber was soll ich schon groß machen? Letztlich bleibt mir nichts anderes über, als zu warten.

Schneller als gedacht ist die Zeit um und es klingelt. Die Ruhe in Person laufe ich zur Tür und ahne nichts böses, als ich sie öffne.

"Halt dich fest, wir gehen auf 'ne Party", ruft sie laut aus und stürmt an mir vorbei.

Ungläubig drehe ich mich zu ihr. "Wir machen was?"

"Ja, ja, Tamara wollte nicht, aber jetzt bin ich bei dir und du kommst mit", bestimmt sie einfach, doch ich traue meinen Ohren nicht.

War das meine Cara? Freiwillig würde sie nie auch nur auf die Idee kommen, auf eine Party zu gehen.

Als sie mein Zögern bemerkt, bettelt sie sofort: "Komm schon. Bitte, Tyler ist da und wie würde es denn aussehen, wenn ich da alleine aufkreuze?" Um ihre Aussage zu unterstützen, zieht sie den Unterkiefer nach vorn und schaut mich bettelnd an.

"Wie, warte, was, Tyler?", völlig perplex schaue ich sie an.

Ein süßes Grinsen breitet sich auf ihrem Gesicht aus und sie fängt schüchtern an, zu erzählen: "Ich hab ihn den Tag angeschrieben und er war soooo verdammt nett und jetzt hat er mir erst geschrieben, dass er heute Abend auf diese Party von Gordon geht und ich meinte, dass ich da auch bin und meine Freunde auch mitkommen. Und ja, jetzt bin ich auf dich angewiesen."

Ich schaue an mir herunter, man sieht, dass ich auf das hier keinesfalls vorbereitet war und auch meine Lust hält sich in Grenzen.

Was tut man nicht alles für seine Freunde.

"Ich sehe aus wie eine Katastrophe", bemerke ich, doch sie lächelt. Sie weiß, dass das ihr 'Ja' ist.

"Du bist wunderschön, Liebling", schleimt sie rum. "Das mit deinen Klamotten bekommen wir in fünf Minuten hin. Make-Up hast du gar nicht nötig."

"Hat man dir nicht beigebracht, dass man nicht lügt?", tadele ich sie und hebe den Zeigefinger.

Und sie lächelt mir zuckersüß entgegen.

__

"Was war denn eigentlich bei Tamara schon wieder?", frage ich, als wir das Haus von Gordon schon sehen können.

Cara hat sich ein schwarzes, süßes Kleid schon mitgebracht und sie sieht darin fabelhaft aus. Ihr Make-Up bringt ihre Augen zum Strahlen und ihre Haare umrahmen gelockt ihr Gesicht.

Ich bin lässig gekleidet - kein Kleid, ich hab mich lediglich ein wenig geschminkt -, da ich auch eh keine große Lust hab und ich gehe auch nicht zum Spaßhaben dahin, sondern nur, als Alibi.

"Ich habe absolut keine Ahnung", gesteht sie, "Sie hatte irgendwie keine Lust und war schon wieder etwas angenervt, ich weiß nicht, was da los ist."

Das sieht ihr absolut nicht ähnlich. Auf jeden Fall muss sie irgendwas vor uns verschweigen, dabei haben wir schon ewig keine Geheimnisse mehr voreinander. Was ist nur los bei ihr? Was ist aus dem lachenden, lustigen Wesen geworden? Was ist aus uns geworden?

Jedoch haben meine Fragen keinen Platz mehr, als wir in die stickige Luft treten, die Gordons Haus bietet. Die Räume sind viel zu überfüllt, die Musik ist viel zu laut und die Boden vibrieren so stark, dass ich es kurz mit der Angst zutun bekomme, sie könnten einstürzen.

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