Die Gassen von Istanbul lagen still unter der schimmernden Decke der Nacht. Das Kopfsteinpflaster glänzte vom letzten Regen, und der entfernte Ruf des Muezzins verhallte in der kalten Luft. Darian und Lucius gingen langsam durch die Schatten des alten Viertels, ihre Silhouetten kaum sichtbar unter den flackernden Lichtern der Laternen.
„Warum führst du mich immer an Orte wie diese?" fragte Lucius leise, ein schwaches Lächeln auf seinen Lippen. Seine blauen Augen funkelten in der Dunkelheit, während er zu Darian aufblickte.
Darian blieb stehen, sein Mantel fiel wie ein Schatten um seine Schultern. „Weil es sicher ist," sagte er. Doch seine Stimme klang weniger überzeugt als sonst.
Lucius trat einen Schritt näher, sein Gesicht war von leiser Entschlossenheit gezeichnet. „Sicher? Oder einsam?"
Darian seufzte und wandte den Blick ab. „Lucius, ich tue das für dich. Für uns. Die Welt da draußen versteht uns nicht. Sie würde uns zerstören."
Lucius lächelte sanft. „Und wenn sie uns nicht versteht, was dann? Lass sie es doch versuchen. Ich bin nicht hier, um mich zu verstecken."
Darian drehte sich zu ihm um, seine goldenen Augen fixierten Lucius mit einer Intensität, die ihn für einen Moment den Atem anhalten ließ. „Du verstehst nicht, wie gefährlich es ist."
Lucius legte eine Hand auf Darians Brust, über den Stoff seines Mantels. „Ich verstehe mehr, als du denkst. Und ich bin hier. Bei dir. Das ist alles, was zählt."
Darian schloss die Augen, seine Hände zuckten, als ob er Lucius zurückweisen wollte. Doch er konnte nicht. Stattdessen legte er eine Hand auf Lucius' Wange, seine Berührung war gleichzeitig sanft und voller Zurückhaltung. „Lucius..." begann er, doch die Worte blieben ihm im Hals stecken.
„Hör auf zu reden," flüsterte Lucius, bevor er sich auf die Zehenspitzen stellte und Darian küßte.
Der Kuss war alles – eine Explosion aus unterdrückten Gefühlen, aus Sehnsucht, Verzweiflung und Hingabe. Darian erstarrte kurz, bevor er sich fallen ließ. Seine Hände glitten in Lucius' Haar, und für einen Moment schien die Welt um sie herum stillzustehen. Es gab nur sie beide, verschlungen in einem Akt, der alles andere bedeutungslos machte.
Doch das Schweigen währte nicht lange.
„He! Was glaubt ihr, was ihr da tut?" Eine grobe Stimme schnitt durch die Nacht. Darian und Lucius lösten sich voneinander, ihre Blicke wanderten zu der Gruppe von Männern, die aus den Schatten getreten war. Drei von ihnen, breit gebaut, mit finsteren Gesichtern und einer Aura, die Ärger versprach.
„So etwas wie euch wollen wir hier nicht sehen," sagte einer von ihnen, seine Augen voller Verachtung. „Geht, bevor wir euch dazu zwingen."
Darian spürte, wie sich Lucius neben ihm anspannte. „Wir gehen nirgendwo hin," sagte Lucius leise, doch in seiner Stimme lag ein Hauch von Zorn.
„Lucius," murmelte Darian warnend, doch der jüngere Vampir trat bereits vor.
„Ihr habt keine Ahnung, mit wem ihr euch anlegt," sagte Lucius, seine Augen funkelten wie kaltes Blau. „Ich würde vorschlagen, ihr geht jetzt."
Die Männer lachten, einer von ihnen trat näher. „Wir? Angst vor einem Pärchen wie euch? Das ist ja lächerlich."
Doch bevor der Mann noch näher kommen konnte, bewegte sich Darian.
Mit einer Geschwindigkeit, die für menschliche Augen kaum sichtbar war, griff Darian nach dem Mann und schleuderte ihn gegen die Wand. Der Aufprall war so heftig, dass der Stein unter ihm splitterte. Die anderen starrten ihn an, ihre Gesichter von Angst und Schock gezeichnet.
„Ihr hättet euch das sparen sollen," sagte Darian, seine Stimme war tief und kalt wie die Nacht.
Einer der Männer zog ein Messer, doch bevor er es einsetzen konnte, war Lucius bei ihm. Mit einer geschmeidigen Bewegung brach er ihm das Handgelenk, das Messer fiel klappernd zu Boden. Lucius packte den Mann am Hals, seine blauen Augen glühten nun vor Durst.
„Ihr habt uns gestört," sagte Lucius leise, fast bedauernd. „Und das wird euch teuer zu stehen kommen."
Ohne ein weiteres Wort versenkte er seine Zähne in den Hals des Mannes. Der Schrei des Opfers war kurz, bevor er verstummte, und Lucius trank gierig, bis der Körper leblos in seinen Armen hing. Er ließ ihn achtlos fallen und wandte sich zum nächsten.
Darian hatte den Anführer der Gruppe an die Wand gedrückt, seine goldenen Augen brannten vor Wut. Der Mann flehte um Gnade, doch Darian ignorierte ihn. „Ihr habt einen Fehler gemacht," flüsterte er, bevor er sich über den Mann beugte und seine Zähne in dessen Kehle schlug.
Das Blut war heiß und reichhaltig, und Darian trank, bis sein Durst gestillt war. Als er den Mann fallen ließ, wischte er sich mit dem Handrücken das Blut von den Lippen. Lucius stand neben ihm, sein Atem schwer, seine Augen funkelten noch immer.
Die beiden letzten Männer lagen leblos auf dem Pflaster. Lucius und Darian standen inmitten der Dunkelheit, ihre Blicke trafen sich.
„Das war... unnötig," sagte Darian schließlich, seine Stimme leise, aber streng.
„Nein," sagte Lucius und trat näher. „Das war nötig. Sie haben es verdient, und du weißt das."
Darian seufzte, doch bevor er antworten konnte, legte Lucius eine Hand auf seine Wange. „Ich werde mich nie vor dir verstecken, Darian," flüsterte er. „Und ich werde nie zulassen, dass die Welt uns trennt."
Darian wollte widersprechen, doch als Lucius ihn erneut küsste, ließ er den Widerstand fallen. Seine Hände glitten um Lucius' Taille, und er zog ihn näher. Für diesen Moment war die Dunkelheit um sie herum bedeutungslos. Es gab nur sie – und das ewige Flüstern der Nacht.
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Kurzgeschichten
Short StoryMeist flattern mir kleine Szenen durch den Kopf, die nicht für eine ganze Story taugen, aber zu einer Kurzgeschichte werden. Hier findet ihr alles mögliche aus Isitlove oder MeChat, sowie eigene Geschichten und Ideen. Ich wünsche viel Spaß beim Le...
