Die Nacht war noch jung in Silvermoon Glade, und doch war das "King's Delight" bereits gefüllt mit Lachen, Musik und dem schweren Duft von Parfüm, Alkohol und Tabak. Das Bordell lag im Obergeschoss des Saloons, ein edler, aber verruchter Ort mit rotsamtenen Vorhängen, schweren Holzmöbeln und warmem Kerzenlicht, das flackernde Schatten auf die Wände warf.
Johnathan King, lässig in seinem dunklen Hemd, die Ärmel hochgekrempelt, saß auf einem der bequemen Ledersessel in seinem privaten Bereich – ein erhöhter Bereich mit bestem Blick auf das Geschehen. Ein Glas Whiskey in der Hand, ein amüsiertes Lächeln auf den Lippen, während er die neue Mädchen musterte, die sich nervös an der Theke hielt.
„Also, Liebes..." Seine Stimme war glatt wie geschmolzenes Gold, aber da war immer dieser dunkle Unterton, der warnte, ihn nicht zu unterschätzen. „Wurde dir schon gesagt, wie der Hase hier läuft?"
Die junge Frau, Clara, war neu in der Stadt – keine naive Unschuld, aber auch kein abgebrühter Profi. Sie nickte zögerlich, aber Johnathan erkannte sofort, dass sie noch nicht alle Regeln kannte.
Er seufzte gespielt genervt und winkte sie näher. „Komm her. Ich erkläre es dir noch einmal – aber nur, weil ich heute großzügig bin."
Sie trat näher, und er bedeutete ihr, sich auf den Hocker vor ihm zu setzen. Er nahm einen tiefen Schluck Whiskey und begann, während er mit einer Hand lässig über die Armlehne strich:
Hausregeln im "King's Delight"
1. Respekt ist alles. Die Männer, die hierherkommen, zahlen für Unterhaltung, aber sie haben sich an die Regeln zu halten. Wenn ein Freier die Grenzen überschreitet, kommt er auf die schwarze Liste – oder schlimmer.
2. John hat das letzte Wort. Wenn er sagt, dass jemand rausfliegt, dann fliegt er raus. Keine Diskussion.
3. Kein Mann schuldet dir etwas – und du schuldest keinem Mann etwas. Du verkaufst eine Illusion, keine Liebe. Lass dich nicht einwickeln.
4. Kein Diebstahl. Wer stiehlt, fliegt. Einfach.
5. Sollte ein Mann gewalttätig werden, rufst du nicht nach der Stadtwache – du rufst nach mir.
Sein Blick verharrte auf ihr, während er sein Glas gegen das Licht hielt. „Klingt einfach, oder?"
Clara schluckte, nickte. „Ja, Sir."
Er grinste breit, schüttelte leicht den Kopf. „Kein 'Sir'. Ich bin John oder Boss – je nachdem, wie brav du bist."
Sie wurde rot, sah kurz auf ihre Hände, dann nach draußen in den Salon. Dort tanzten bereits einige Mädchen auf den Tischen, Männer lachten und tranken. Ein normales Geschäft – oder fast.
Johnathan lehnte sich vor, seine Stimme nun leiser, aber eindringlicher. „Ich brauche keine Unschuldslämmer hier. Jeder hat seine Vergangenheit, und ich frage nicht danach. Aber wenn du hier arbeitest, bist du eine Königin. Du spielst die Männer aus, nicht umgekehrt. Und wenn du Probleme bekommst – egal welcher Art – dann kommst du zu mir."
Seine Augen funkelten rot auf, für den Bruchteil einer Sekunde.
Clara schauderte unbewusst, nickte aber erneut. „Verstanden... Boss."
Johnathan lehnte sich entspannt zurück, zufrieden. „Gut. Dann auf eine gewinnbringende Zusammenarbeit." Er hob sein Glas, leerte es in einem Zug und stand auf.
Draußen spielte bereits jemand eine Fiedel, ein schnelles, lebhaftes Stück. Die Nacht war noch jung – und sein Geschäft florierte.
DU LIEST GERADE
Kurzgeschichten
Short StoryMeist flattern mir kleine Szenen durch den Kopf, die nicht für eine ganze Story taugen, aber zu einer Kurzgeschichte werden. Hier findet ihr alles mögliche aus Isitlove oder MeChat, sowie eigene Geschichten und Ideen. Ich wünsche viel Spaß beim Le...
