Johnathan King - Verrat wird nicht geduldet

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Die Nacht war ruhig im "King's Delight", zumindest an der Oberfläche. Die Männer tranken, lachten, und das Klavier spielte eine sanfte Melodie. Doch Johnathan King hatte einen sechsten Sinn für Unruhe in seinem Reich. Und heute Nacht... roch etwas faul.

Er saß in seiner gewohnten Nische, ein Glas Whiskey in der Hand, während er scheinbar entspannt das Treiben beobachtete. Doch seine Augen verfolgten diskret jede Bewegung von Marla, einem seiner Mädchen.

Marla war seit über einem Jahr hier. Klug, charmant, mit einem Lächeln, das Männer um den Verstand brachte. Er mochte sie. Vielleicht mochte er sie sogar ein wenig mehr als die anderen. Und genau das machte das, was er heute herausgefunden hatte, umso bitterer.

Sie hatte ihn hintergangen.

Nicht nur ein bisschen. Nicht nur ein paar Münzen hier und da. Nein – sie hatte angefangen, Kunden außerhalb des Hauses zu bedienen und das Geld selbst einzustecken. Ein dummer Fehler. Ein Fehler, der sie teuer zu stehen kommen würde.

Johnathan wartete. Er ließ sie arbeiten, ließ sie sich in Sicherheit wiegen. Dann, als der Abend fortschritt, als sie mit ihrem letzten Kunden für die Nacht aus einem der Zimmer im Obergeschoss kam, trat er in den Flur hinaus.

Er lehnte sich entspannt gegen die Wand, als sie die Tür schloss und zusammenzuckte, als sie ihn sah.

„Marla, Liebes." Seine Stimme war ruhig, sanft, fast vertraulich.

Ihr Lächeln war nervös. „Boss. Du hast mich erschreckt."

Er grinste schief. „Ach, das wollte ich nicht. Komm, wir reden ein bisschen."

Sie hatte keine Wahl. Sie folgte ihm nach unten, in einen abgetrennten Raum hinter dem Saloon, einen kleinen, schummrig beleuchteten Lagerraum mit einem Tisch und zwei Stühlen.

Johnathan setzte sich, bedeutete ihr, dasselbe zu tun.

Dann ließ er die Maske fallen.

Seine Augen wurden dunkel, seine Miene hart. Er lehnte sich langsam vor, die Finger ineinander verschränkt.

„Marla. Ich bin ein großzügiger Mann." Seine Stimme war immer noch ruhig, aber kühler jetzt. Gefährlich. „Ich gebe meinen Mädchen ein Dach über dem Kopf. Schutz. Essen. Geld. Alles, was sie brauchen. Und was verlange ich dafür?"

Sie schluckte. Ihre Hände lagen verkrampft in ihrem Schoß. „Loyalität."

Johnathan nickte. „Loyalität." Er ließ das Wort einen Moment in der Luft hängen. Dann zog er eine kleine Ledertasche aus seiner Weste und warf sie auf den Tisch. Münzen klirrten heraus.

„Weißt du, was das ist?"

Marla sagte nichts. Ihre Lippen waren zu einem schmalen Strich gepresst.

Johnathan seufzte, nahm eine Münze und ließ sie zwischen seinen Fingern gleiten. „Das ist Geld, das hätte mir gehören sollen. Aber stattdessen hast du's selbst eingesteckt. Denkst du, ich bin dumm?"

Marla riss die Augen auf. „Boss, ich... ich wollte nicht—"

Johnathan hob eine Hand. „Lüg mich nicht an. Bitte. Das macht mich wütend."

Seine Augen funkelten rot auf.

Marla zog sich instinktiv ein Stück zurück, wusste aber, dass sie keinen Ausweg hatte.

„Ich hätte das durchgehen lassen, wenn's nur ein paar Münzen gewesen wären. Aber du hast mich absichtlich betrogen. Hinter meinem Rücken gearbeitet. Und das kann ich nicht zulassen."

Er stand langsam auf, ging um den Tisch herum, bis er direkt hinter ihr stand. Marla wagte es kaum zu atmen.

„Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten." Seine Stimme war ein gefährliches Flüstern. „Die erste: Du verschwindest. Sofort. Ohne Geld, ohne Schutz. Ich garantiere für nichts, wenn du da draußen allein bist."

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