Es war ein gewöhnlicher Abend im "King's Delight" – Whisky floss in Strömen, das Klavier spielte eine fröhliche Melodie, und die Männer verloren sich in Trunkenheit, Karten und Frauen.
Doch nicht jeder Gast war hier, um zu genießen.
Billy, ein schmächtiger Junge mit schnellen Fingern und noch schnelleren Beinen, bewegte sich unauffällig zwischen den Tischen. Er war geübt darin, sich unsichtbar zu machen – genau lange genug, um das zu nehmen, was nicht ihm gehörte.
Heute Nacht hatte er sich einen gut gekleideten Mann ausgesucht. Die Art von Kerl, die zu tief in sein Glas starrte, um zu bemerken, wenn eine kleine, flinke Hand ihm die Geldbörse aus der Tasche zog.
Fast geschafft.
Doch bevor Billy sich zurückziehen konnte, schnappte eine große Hand sein Handgelenk wie ein Schraubstock.
„Habe ich dich, du kleines Rattenpack!" Der Betrunkene zerrte ihn nach oben, schüttelte ihn grob. „Ich breche dir die Finger!"
Ein paar Leute lachten, andere beobachteten neugierig. Billy trat nach dem Mann, doch der hielt ihn eisern fest.
„Bringt ihn in den Hinterraum."
Billys Herz raste. Das war's. Jetzt ist es vorbei.
Zwei große Männer, offensichtlich Handlanger, schleppten ihn durch den Saloon, durch eine schmale Tür in einen dunkleren, ruhigeren Bereich.
Dort saß er.
Johnathan King.
Er saß in einem schweren Ledersessel, eine Münze zwischen seinen Fingern kreisend, während er Billys Ankunft aus dem Schatten beobachtete.
Die Männer warfen den Jungen auf den Stuhl gegenüber.
Stille.
Johnathan drehte die Münze langsam zwischen seinen Fingern, bevor er sie auf den Tisch warf. „Du bist schnell, Junge. Aber nicht schnell genug."
Billy schluckte, starrte auf die Münze. Sag nichts. Sei ruhig. Mach dich klein. Vielleicht lassen sie dich gehen.
Johnathan lehnte sich zurück, musterte ihn mit kühlen, berechnenden Augen.
„Wie alt bist du?"
Billy presste die Lippen zusammen.
„Ich habe gefragt, wie alt du bist." Johns Stimme war ruhig, aber sie ließ keinen Widerspruch zu.
Zögerlich: „15."
Johnathan schnaubte leise. „Viel zu jung, um so dumm zu sein."
Billy ballte die Fäuste. „Ich tu, was ich muss, um zu überleben."
Johnathan hob eine Braue. „Ist das so?"
Er nahm die Münze, ließ sie erneut kreisen.
„Du hast Talent. Gute Hände. Schnelle Beine. Aber weißt du, was du nicht hast?"
Billy schüttelte den Kopf.
„Schutz."
Er ließ das Wort einen Moment wirken. Dann lehnte er sich näher.
„Du bist allein. Niemand kümmert sich um dich. Wenn jemand dich heute Nacht auf der Straße erschießt, wird es keinen interessieren."
Billy zuckte zusammen, aber er widersprach nicht.
Johnathan beobachtete ihn genau. Er war dünn, zu dünn. Seine Kleidung war abgetragen, seine Schuhe voller Löcher. Ein Junge, der in den Schatten überlebte, weil niemand ihn beachtete.
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Kurzgeschichten
Historia CortaMeist flattern mir kleine Szenen durch den Kopf, die nicht für eine ganze Story taugen, aber zu einer Kurzgeschichte werden. Hier findet ihr alles mögliche aus Isitlove oder MeChat, sowie eigene Geschichten und Ideen. Ich wünsche viel Spaß beim Le...
