In den letzten Tagen konnten sie sich alle auf dem Anwesen der Jäger ausruhen.
Die Krieger hatten sich eine Festung außerhalb der Stadt errichtet, wo sie sich notfalls verteidigen oder verschanzen konnten. Die Missgunst die ihnen in den letzten Jahren entgegenschlug, entlud sich nicht selten in Angriffen auf kdie Jäger.
Trotz der Gefahr durch die Krabbler schaffen es die Menschen immer noch sich gegenseitig zu zerfleischen. Etwas, dass Kara vermutlich nie verstehen würde.
Die Frauen genossen die Annehmlichkeiten, welche ihnen das Anwesen bot. Es gab fließend Wasser, sowie weiche Betten. In den Gärten bauten sie Kartoffeln und Weizen an. Die Samen hatten sie sich aus den Tälern mitgebracht. Sie lebten hier autonom und konnten einige Zeit überleben. Was ihnen fehlte war die weibliche Note.
Kara saß auf dem Dach des Anwesens und beobachtet ihre Schützlinge. Sie nahm die Blicke der Jäger mit wachsender Besorgnis zur Kenntnis. Sie würde jedem, der sich ohne Erlaubnis einer der Frauen näherte, sämtliche Knochen brechen. Das Problem lag noch nicht einmal in der Überzahl der Jäger. Sie war sich sicher es mit ihnen allen aufnehmen zu können. Doch hätte Taran danach keine Krieger mehr.
Sie musste dringend eine Lösung finden.
Diese bot sich ihr bereits am nächsten Tag. Die Jäger zogen wieder aus, um weitere Nahrung für die Menschen in den Bergen zu beschaffen. Die Frauen blieben in der Sicherheit des Hauses zurück. Kara war es ganz recht, nach einer kurzen, aber intensiven Verabschiedung, reiten die Jäger davon. Viele der Frauen sind einfach nur glücklich, dass sie hier in Sicherheit bleiben dürfen. Nicht mehr der Bedrohung ausgesetzt, die Krabbler könnten jeden Moment angreifen.
Auch wenn nun die lüsternen Jäger nicht mehr auf die Frauen lauern, so kann Kara sich nicht entspannen.
Taran hatte sie gewarnt, da er mit einem Angriff des Stadthalters rechnete.
Jedoch hofft er, wenn sie erneut mit reicher Beute zurückkehren, würde er die Obrigkeit dadurch besänftigen. Die Jagd war riskant, aber konnte zugleich von großem Nutzen sein.
Kara steht im Garten und beobachtet ihre Freundin. Amrei beugt sich am Ende des Grundstücks über die Mauer und blickt in die Tiefe.
„Na, was machst du denn da?", erkundigt sich die Kriegerin.
„Er wollte mich nicht mitnehmen", erklärt sie ihr mit einem tiefen seufzen. „Xystos meinte, ich sei hier sicherer. Aber nirgends ist es so sicher, wie in seiner Nähe", beharrt die zierliche Frau.
„Du musst hier zumindest keine Krabbler Angriffe fürchten", erinnert Kara.
„Na komm mit rein, wir schauen mal, was wir so zu essen finden", fordert sie die Freundin auf.
Seufzend ergreift Amrei die Hand, welche Kara ihr entgegen streckt und lässt sich ins Haus geleiten.
Auf dem Weg in die Küche werden sie von der alten Haushälterin aufgehalten.
Taran hatte sie kurz erwähnt, sie sei etwas eigenwillig, aber im Grunde eine gute Seele.
„So kommt ihr mir nicht in die Küche! Geht euch waschen!", befiehlt sie mit einem strengen Ton. Im Moment ist nichts von der „guten Seele" zu erkennen.
Um ihren Worten Nachdruck zu verleihen, packt sie Amrei grob am Arm und zieht sie die Stufen nach oben, Richtung Waschraum.
Noch bevor Kara ihr zur Hilfe kommem kann, reißt die Rothaarige sich zeternd und zankend los, sodass die Haushälterin den Halt verliert.
Polternd, stürzt die alte Dame, Stufe für Stufe, die Treppe hinunter.
Einige Sekunden blicken die beiden Frauen auf den stürzenden Körper, der schließlich vor Kara zum liegen kommt.
Amrei steht noch immer am oberen Treppenabsatz.
Mit einem spitzen Schrei schlägt sie sich die Hände vor den Mund und starrt erschrocken auf den unnatürlich am Boden liegenden Körper.
Ihr Herz rast. Die Panik fährt ihr eiskalt durch Mark und Bein.
Die Kriegerin geht neben der Frau in die Hocke und sucht vergeblich ihren Puls. Als sich ihr Blick wieder nach oben richtet, ist Amrei verschwunden.
„Amrei!", ruft sie ihr Hinterher.
Da sie für die Tote nichts mehr tun kann, hastet sie die Stufen nach oben. Keine Spur, der Freundin. Karas Herz beginnt zu rasen. „AMREI!", ruft sie nun viel lauter.
Sie öffnet jede Tür und durchsucht die Zimmer in Windeseile. „Verdammt, wo bist du? Süße, das war ein Unfall. Du musst keine Angst haben!", ruft sie laut.
Im letzten Zimmer ist die Tür zum Balkon offen, der hinters Haus führt und mit einer Wendeltreppe mit den Garten verbunden ist.
Sie sieht nur noch, wie Amrei über die Mauer des Gartens springt.
Die verängstigte Frau läuft über das abschüssige Gelände und wird dabei immer schneller. Sie überholte ihre Füße und stürzte, überschlug sich einige Male und schaffte es wieder auf die Beine, so dass sie weiter laufen konnte.
All dies geschah innerhalb weniger Sekunden. Kara sprang vom Balkon und trotz ihrer übermenschlichen Schnelligkeit und Stärke, vergrößert sich der Abstand immer mehr.
„AMREI!!!!", schreit Kara so laut sie kann.
Sie muss bei ihr sein, bevor sie den Abhang erreicht. Sie springt über die Mauer, dank ihrer Reflexe, stürzt sie nicht, als sie immer noch schneller wird.
Amrei jedoch stürzt erneut. Sie überschlägt sich einige Male, bis sie an der Kante des Abgrundes ankommt und ungehindert diesen mit einem gellenden Schrei hinabstürzt.
Kara warf sich zu Boden und rutscht die letzten Meter. Sie bekommt Amreis Arm zu fassen sie stürzen gemeinsam den Abhang hinunter. Kara zieht einen Dolch und rammt diesen in die Felswand. Ihr Sturz wird langsam gebremst, bis er endgültig zum Stillstand kommt.
Die Kriegerin keucht schmerzhaft auf, gestattete sich jedoch nicht weiter über etwaige Verletzungen nachzudenken. Ein Blick nach oben verrät ihr, dass der Dolch sie beide nicht lange halten wird.
Die Straße schlängelt sich unter ihnen durch den Berg. Aber um den Sprung unbeschadet zu überstehen sind sie noch viel hoch.
Kara fokussiert sich, verdrängt den Schmerz. Dafür wurde sie ausgebildet.
Amrei hingegen, schreit aus Leibeskräften.
„Beruhig dich und hör auf zu zappeln!", faucht Kara ihre Freundin an. Mit aufgerissenen Augen blickt Amrei nach oben.
„Dort drüben ist ein Felsvorsprung..."
Noch während sie ihr erklären wollte, was sie vorhat, verliert der Dolch den Halt und beide rutschen weiter in die Tiefe. Die harten steinformationen, schlagen ihre Haut auf und Beuteln sie, so dass sie sowohl den Dolch, als auch Amreis Hand verliert.
Sie greift nach der Peitsche an ihrem Gürtel und schwingt diese, womit die Amreis Arm umschlingen kann.
Sie stürzen jedoch weiter in die Tiefe, Kara findet keinen Halt um den Sturz abzufangen, bis sie an einen weiteren Felsvorsprung kommen, an dem die Peitsche hängen bleibt und der Fall der beiden Frauen abrupt gestoppt wird.
Amrei schreit auf, als ihr Arm durch die Wucht ausgekugelt wird. Wohingegen man von Kara nur ein leises Zischen vernimmt.
„Amrei! Greif nach der Peitsche", fordert Kara sie auf.
„Ich kann nicht", schluchzt sie.
„Doch du kannst, alles wird gut! Du musst dich nur festhalten, den Rest mache ich! Vertraust du mir?", fragt sie mit ruhiger stimme, welche Zuversicht ausstrahlt.
„J-j-ja", stammelt Amrei.
Kara hat sich indes an der Peitsche nach oben gezogen, diese um Ihren Bauch gewickelt und zieht Amrei - unter Schmerzen - nun zu sich hoch. Ihr rechter Arm ist kaum zu gebrauchen.
Sie packt Amreis Hand, welche von der Peitsche umwickelt wurde, jene quittiert dies mit einem gellenden Schrei. Als Kara sie endlich zu sich gezogen hat, pressen sich beide Frauen fest an die harte Felswand und kommen erst einmal zu Atem.
„Die Jäger haben dich sicherlich gehört. Sie werden gleich hier sein."
Beruhigend streicht sie Amrei mit ihrem gesunden Arm über den Rücken.
Jene blickt vorsichtig nach unten „wie weit ist es noch bis zur Straße?"
„Die haben wir verpasst!"
Kara deutet nach oben. „Die Felsen haben uns über die Straße weiter in die Tiefe katapultiert", erklärt sie ihr.
Wimmernd krallt sie sich fester an Kara. Jene beobachtet mit wachsender Besorgnis, die Steine, welche von dem rettenden Felsvorsprung abbröckeln.
Links und rechts neben ihnen werde plötzlich Seile in die Tiefe gelassen und kurz danach tauchen zwei bekannte Gesichter auf.
„Xystos!" Erleichtert macht Amrei einen Schritt nach vorne. Der Fels bricht ab und lässt sie erneut in die Tiefe stürzen.
Verbunden durch die Peitsche um ihre Hüfte, wird Kara mitgezogen. Blitzschnell greift jene nach Tarans Hand. Sie hängen nun beide an seinem Seil. Kara spürt, wie sich der Knoten um ihre Hüften löst. Verzweifelt versucht sie mit ihrem kaputten Arm, die Peitsche zu fassen zu bekommen. Taran zieht sie langsam zu sich heran, aber beide Frauen gleichzeitig - wobei die eine schreit wie am Spieß und wild herumzappelt - sind eine Herausforderung. Er hält zumindest Karas Hand wie in einem Schraubstock. Nicht bereit sie jemals wieder los zu lassen.
„AMREI!", schreit Xystos und seilt sich bereits zu ihr ab.
Er bekommt sie zu packen und zieht sie zu sich heran. In diesem Moment löst sich auch die Peitsche um Karas Hüfte und fällt in die Tiefe.
„Ich möchte die Peitsche", stellt Kara fest.
„Die bekommst eine neue", verspricht ihr Taran.
Xystos zieht seine Freundin an sich heran und Amrei klammert sich, so gut sie mit ihrem verletzten Arm kann, an ihren Helden.
„Hochziehen!", gibt Taran den Befehl und die Seile werden von den restlichen Jägern nach oben gezogen.
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Kurzgeschichten
Cerita PendekMeist flattern mir kleine Szenen durch den Kopf, die nicht für eine ganze Story taugen, aber zu einer Kurzgeschichte werden. Hier findet ihr alles mögliche aus Isitlove oder MeChat, sowie eigene Geschichten und Ideen. Ich wünsche viel Spaß beim Le...
