Die Nacht war kühl in Silvermoon Glade, und Johnathan King schlenderte langsam die staubige Hauptstraße entlang. Sein Saloon war für den Moment in guten Händen, und er genoss es, hin und wieder allein unterwegs zu sein. Die Nachtluft war frisch, und die Stadt hatte diesen typischen Geruch nach Pferden, altem Holz und zu vielen Geschichten, die besser nicht erzählt wurden.
Er hätte einfach weitergehen können. Hätte.
Doch dann hörte er es.
Ein dumpfer Schlag. Ein erschrockenes Keuchen. Und dann eine leise, wimmernde Stimme.
Johnathan hielt inne. Drehte den Kopf leicht zur Seite. Im Schatten einer engen Gasse, direkt neben dem Gemischtwarenladen, sah er sie:
Ein Mann – grobschlächtig, mit dem Geruch von billigem Schnaps in der Kleidung – stand über einer Frau, die am Boden kauerte. Sie hielt sich die Wange, ihre Augen weit vor Angst.
„Ich hab dir gesagt, du hältst die Klappe, Weib!" Der Mann holte zum nächsten Schlag aus.
Er kam nie an.
Johnathans Hand schnappte sich sein Handgelenk in der Luft.
Der Säufer keuchte überrascht, versuchte sich loszureißen – aber Johns Griff war aus Stahl. Langsam, sehr langsam drehte er den Arm des Mannes nach unten, bis der Schmerz einsetzte.
„Es gibt nur eins, was ich mehr verachte als Verrat." Johns Stimme war ruhig. „Und das sind Männer, die ihre Wut an jemandem auslassen, der sich nicht wehren kann."
Der Mann fletschte die Zähne. „Misch dich nicht ein, King! Das ist meine Frau!"
Johnathan sah ihn einen Moment lang an – dann brach er ihm das Handgelenk mit einer schnellen, brutalen Bewegung.
Der Mann schrie auf, sackte auf die Knie und hielt sich den Arm.
Johnathan kniete sich neben ihn, seine Stimme kalt und seidig. „Ich sehe eine Frau. Und ich sehe einen feigen Bastard. Und falls du sie noch einmal anrührst..."
Seine Augen glühten rot auf, nur für den Bruchteil einer Sekunde. Genug, dass der Mann spürte, dass er nicht mit einem gewöhnlichen Menschen sprach.
„Dann verbrenne ich dich von innen heraus."
Der Säufer nickte hastig, kroch rückwärts davon, stolperte und rannte schließlich mit schmerzverzerrtem Gesicht die Straße entlang.
Johnathan atmete tief ein, beruhigte die Hitze in seinem Blut. Dann drehte er sich zu der Frau um.
„Kannst du stehen, Liebes?" Seine Stimme war jetzt sanfter.
Sie nickte, ließ sich von ihm aufhelfen. Ihr Blick war unsicher, misstrauisch – sie wusste, wer er war. Johnathan King war kein Heiliger.
Aber in diesem Moment war er ihr Retter.
Sie öffnete den Mund, wollte etwas sagen, doch Johnathan hob nur kurz die Hand. „Geh nach Hause. Und falls du irgendwo anders hinmusst – such dir meine Leute. Sie werden dich nicht abweisen."
Ein letzter Blick in ihre verletzten Augen, dann drehte er sich um und verschwand in die Nacht.
Er war kein guter Mann.
Aber manche Dinge ließ er nicht zu. Niemals.
Es war ein ruhiger Abend im "King's Delight", zumindest für Johnathans Verhältnisse. Die üblichen Gäste füllten den Saloon mit Lachen, Musik und verrauchten Gesprächen. Er selbst saß in seiner gewohnten Ecke, ein Glas Whiskey in der Hand, als er sie sah.
Miriam Carter.
Er erinnerte sich sofort. Die Frau aus der Gasse.
Diesmal sah sie anders aus. Ihre Haltung war aufrechter, ihre blauen Augen nicht mehr voller Angst, sondern entschlossener. Ihr blondes Haar war ordentlich hochgesteckt, und ihr Kleid war schlicht, aber sauber.
Sie zögerte kurz an der Tür, dann ging sie mit geradem Rücken auf ihn zu.
Johnathan ließ die Münze zwischen seinen Fingern kreisen, bevor er sie auffing und mit einem amüsierten Lächeln hochsah. „Hätte nicht gedacht, dich noch mal hier zu sehen, Liebes."
Miriam schluckte, doch ihre Stimme war fest. „Ich wollte mich bedanken."
Johnathan hob eine Braue. „Wofür? Dass ich deinem Mann die Hand zerquetscht habe?"
Sie zögerte. „Dafür, dass Sie ihm eine Lektion erteilt haben, die er gebraucht hat."
Das überraschte ihn. Er hatte erwartet, dass sie ihn bitten würde, ihn nicht wieder anzugehen, oder vielleicht sich zu entschuldigen, weil er es „übertrieben" hatte. Doch nein. Dankbarkeit.
Miriam setzte sich auf den Stuhl gegenüber, faltete die Hände in den Schoß. „Seit dieser Nacht hat er nie wieder getrunken. Nie wieder eine Hand gegen mich erhoben. Er arbeitet wieder. Kümmert sich um unser Zuhause. Ich dachte... ich sollte Ihnen das sagen."
Johnathan lehnte sich zurück, musterte sie nachdenklich. „Hmpf. Und? Glücklich?"
Sie senkte kurz den Blick, dann nickte sie. „Ja. Zum ersten Mal seit langer Zeit."
Er schnaubte leise, nahm einen Schluck Whiskey. „Na, dann hoffe ich, dass es so bleibt. Sonst komm ich wieder."
Ein leises Lächeln huschte über ihre Lippen. „Ich glaube nicht, dass das nötig sein wird."
Einen Moment lang herrschte Stille zwischen ihnen. Schließlich stand Miriam auf, zog ein kleines Päckchen aus ihrer Tasche und legte es vor ihn.
„Ein kleines Zeichen meiner Dankbarkeit."
Johnathan warf einen Blick darauf – es war ein handgenähter Schal aus dunkler Wolle. Schlicht, aber sauber gearbeitet.
Er grinste leicht. „Das ist das erste Mal, dass mir jemand als Dankeschön was Warmes gibt. Sonst krieg ich nur Blut oder Flüche."
Miriam schüttelte den Kopf, ein Hauch von Belustigung in ihren Augen. „Dann wird's Zeit, dass sich das ändert."
Sie drehte sich um, machte sich auf den Weg zur Tür. Doch bevor sie hinausging, hielt sie noch einmal inne und sah ihn an.
„Nicht jeder Teufel ist ein Monster, Mr. King."
Dann verschwand sie in der Nacht.
Johnathan betrachtete den Schal in seiner Hand, fuhr mit den Fingern darüber.
Dann lachte er leise in sich hinein und nahm einen weiteren Schluck Whiskey.
Ein Dämon mit einem Schal. Wer hätte das gedacht?
Johnathan drehte den dunklen Wollschal in seinen Händen, ließ die raue, aber sauber verarbeitete Wolle durch seine Finger gleiten. Ein kleines Geschenk – etwas, das weder Angst noch Bestechung war. Einfach nur... Dankbarkeit.
Er lehnte sich zurück, nahm einen letzten Schluck Whiskey und schmunzelte vor sich hin. Ein Dämon, der Geschenke für seine guten Taten bekommt?
Ein amüsanter Gedanke.
Er schüttelte leicht den Kopf, als ihm eine absurde Idee kam. Vielleicht sollte er öfter den Helden spielen?
Sein Schmunzeln wurde breiter – und dann verwarf er den Gedanken sofort. Nein. Das war nichts für ihn.
Und doch...
Er warf einen letzten Blick zur Tür, durch die Miriam verschwunden war.
Mut.
Das war es, was er an ihr bewunderte. Nicht nur, dass sie sich von ihrem Mann befreit hatte – sondern dass sie danach die Kraft gefunden hatte, aus freien Stücken hierherzukommen und sich zu bedanken.
Die meisten Menschen, die er kannte, hätten sich einfach gefürchtet und den Vorfall vergessen wollen. Doch sie? Sie war anders.
Ein Dämon mit Prinzipien. Eine Frau mit Mut.
Ein seltsames Paar, wenn auch nur für einen Moment.
Johnathan schmunzelte, faltete den Schal ordentlich zusammen und legte ihn sorgfältig in eine Schublade seines Schreibtisches. Er war kein Held. Aber manche Dinge waren es wert, aufbewahrt zu werden.
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Kurzgeschichten
Proză scurtăMeist flattern mir kleine Szenen durch den Kopf, die nicht für eine ganze Story taugen, aber zu einer Kurzgeschichte werden. Hier findet ihr alles mögliche aus Isitlove oder MeChat, sowie eigene Geschichten und Ideen. Ich wünsche viel Spaß beim Le...
