Johnathan King - Heilige und Sünder

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Der Abend hatte ruhig begonnen. Zu ruhig.

Johnathan King saß in seinem Büro, ein Glas Whiskey auf dem Tisch, während er die Bücher des "King's Delight" durchging. Die Zahlen stimmten, das Geschäft lief gut – aber sein Instinkt sagte ihm, dass irgendetwas in der Luft lag.

Er mochte es nicht, wenn die Stadt zu leise war.

Seine Befürchtungen wurden bestätigt, als Sam die Tür aufriss.

„Boss! Wir haben ein Problem."

Johnathan sah langsam auf, seine Finger spielten mit einer Münze. „Welches genau?"

Sam hatte keine Zeit für Umschweife. „Drei unserer Mädchen haben sich gerade reingeschleppt – blutend. Und Bethany ist verschwunden."

Johnathan erstarrte. „Was?" Seine Stimme war ruhig – zu ruhig.

Sam sprach hastig weiter. „Ein Priester. Er hat ein paar Bürger aufgewiegelt. Sie wollen dein Etablissement nicht mehr in ihrer Stadt haben. Also sind sie heute auf die Mädchen losgegangen, als sie draußen Stoff kaufen wollten."

Johnathan stand langsam auf. Das Holz des Stuhls knarrte, aber er war längst nicht mehr an den Möbeln interessiert. „Wo sind sie?"

„Unten. Sie haben Schnitte im Gesicht und an den Armen. Sie sind verängstigt. Und Bethany..." Sam presste die Lippen aufeinander. „Wir wissen nicht, wo sie ist."

Johnathan schloss kurz die Augen, atmete tief durch – und als er sie wieder öffnete, glühten sie rot.

„Ruf die Männer zusammen."

Als Johnathan die Treppe hinunterging, wurde es still. Die drei verletzten Frauen saßen zusammengedrängt an einem Tisch. Eine hatte einen Verband um die Stirn, die andere hielt ein blutiges Tuch an den Arm.

Sie blickten auf, als er näher kam. Er sagte nichts. Er brauchte keine Worte.

Eines der Mädchen, Clara, versuchte zu sprechen. „Sie... sie haben uns überrascht, Boss. Wir wollten nur einkaufen, und dann..."

„Wer?" Johns Stimme war ein sanftes, aber bedrohliches Flüstern.

Clara schluckte. „Der Priester. Und Männer aus der Stadt. Sie schrien, dass wir Sünderinnen wären. Dass wir ihre Stadt mit Schande beflecken. Dann... dann haben sie zugeschlagen."

Johnathan schloss die Augen einen Moment, um das Feuer in sich zu bändigen. „Und Bethany?"

Clara schüttelte den Kopf, Tränen in den Augen. „Wir konnten nicht sehen, wo sie hin ist. Sie hat geschrien. Dann haben sie sie fortgezerrt."

Stille.

Dann setzte sich Johnathan langsam auf die Tischkante, beugte sich näher zu ihr. Seine Stimme war ruhig, leise, aber gefährlicher als ein gezücktes Messer.

„Sag mir, Clara. Weißt du, wohin sie sie gebracht haben?"

Sie nickte hastig, die Lippen zitternd. „Der Priester. Er... er predigt in der alten Kirche am Rand der Stadt."

Johnathan erhob sich, rollte die Schultern, als würde er eine unsichtbare Last abwerfen. „Gut."

Er drehte sich um, seine Stimme nun schneidend wie ein Blitz.

„Sam. Die Männer. Jetzt."

Die Nacht war noch jung, als sich Johnathan mit seinen Männern auf den Weg machte. Er sprach nicht viel. Seine Schritte waren ruhig, berechnend.

Vor der Kirche standen einige Männer mit Fackeln. Brave Bürger, die glaubten, sie wären die Guten.

Johnathan sah sie nur kurz an – und dann trat er ein.

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