Kapitel 13

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Die Show hat gerade aufgehört und ich stehe unentschlossen in meinem Wohnwagen. Gerade noch habe ich mir die Haare nach dem Duschen geföhnt und Parfüm aufgetragen. Parfüm. Ich trage normalerweise nie Parfüm.

Ich kann das nicht. Und gleichzeitig will ich es so sehr doch umso mehr ich mich selbst überreden will, umso mehr ich mir sage, dass ich nicht anders kann, umso schlimmer fühle ich mich. Es ist ein Disaster von Gefühlen und ich verstehe mich selbst nicht mehr. Es ist nicht so, als wäre es mein erstes Mal. Nur mein erstes Mal mit einem Jungen, eben, aber das kann doch nicht so viel anders sein, oder?

Vielleicht will er auch nur reden.

Oder auch nicht? Was rede ich mir da bitte ein? Nikita, nur reden? 

Komm in mein Wohnwagen.

Oh Gott. Nein. Niemals. Niemals könnte ich in seinen Wohnwagen kommen nur um mit ihm zu schlafen, so bin ich einfach nicht. Und, zählt das dann als ein One Night Stand? Ist es danach vorbei? Was wird danach passieren, denn ich werde das ganz bestimmt nicht als etwas Einmaliges abhacken können. Ich würde daran zerbrechen.

Oh Gott, was soll ich tun? Die Show ist seit fünf Minuten vorbei. Soll ich ihn einfach fragen? Soll ich ihn anrufen? Ihm schreiben? Soll ich einfach gehen und mit ihm reden? Mich weigern und zurückhalten, in seinen Wohnwagen kommen, aber nicht mit ihm schlafen? Um ihm zu zeigen, dass ich nicht nur daran interessiert bin, mit ihm zu schlafen, sondern eigentlich viel mehr will? Wie sage ich das aus? Ganz bestimmt nicht indem ich einfach in seinen Wohnwagen komme, oder? Das ist zu einfach.

Außerdem ... ich habe doch gar keine Ahnung, was ich machen soll, wenn ich in seinen Wohnwagen komme. Wie ich mich verhalten soll. Wie One Night Stands funktionieren. Wie das funktioniert. Ich meine, ich weiß schon wie Typen Sex haben, ich bin ja nicht blöd. Aber ... wie ... würden wir ...

Nein. Nope. Ich werde nicht da hin gehen. Ich werde ihm einfach eine Nachricht schreiben. Etwas ist dazwischen gekommen. Oder ich bin einfach ganz ehrlich und sage ihm, dass ich nicht der Typ für sowas bin. Dass ich eigentlich gar nicht auf Typen stehe.

Wem mach ich was vor? Ich stehe mehr auf Nikita als jemals auf jemanden zuvor. Ich bin besessen von ihm. Ich muss ehrlich sein, das ist das Beste und Richtigste, was ich jetzt machen kann. Aber wie? Ich verstehe es ja selbst nicht. Weil ich es will, aber gleichzeitig auch nicht. Wie fasse ich alles, was ich gerade denke in eine kurze WhatsApp Nachricht?

Ich setze mich verzweifelt auf den Boden und gehe in seinen Chat. Wahrscheinlich wartet er gerade schon auf mich. Gott, das macht mir so eine Angst. Ich will das nicht. Nicht so.

Ich versuche mich mit Erklärungen, schreibe, dass ich Angst habe, dass ich das einfach nicht kann, noch nicht kann, vielleicht irgendwann, oder auch nicht. Nichts, was ich in Worte fassen kann ist gut genug. Ich lösche alles.

Ich merke, dass ich weine und verstehe nicht was los ist. Wahrscheinlich weine ich aus Verzweiflung. Und weil ich jetzt glücklich neben meinem Crush liegen könnte, aber mir stattdessen hier selbst im Weg stehe. Weil ich ein Feigling bin. Weil ich nicht so mutig wie er bin und es niemals sein werde. Weil ich gerade eine Entscheidung treffe, die alles zerstören wird, aber ich es auch nicht anders kann. Eine Entscheidung, die ich vermutlich niemals widerrufen kann. 

Weil, wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, ich trotzdem dieselbe Wahl getroffen hätte und ich nicht verstehe, wieso.

Schließlich zögere ich es so lang hinaus, denke so lange über Nachrichten, Gedanken und was ich damit rüber bringe, was danach folgt nach, dass es schon fast Mitternacht ist und er mich sowieso nicht mehr erwartet. Alles, was ich jetzt noch schreiben kann:

Tut mir leid.

I Chose Sin (Deutsch)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt