Es ist später Nachmittag, die Dämmerung setzt ein. Ich verteile die kühlen, tropfenden Getränkeflaschen für die Abendvorstellung. Meine Hände sind schwarz vom Kistenschleppen, der Dreck läuft in dunklen Schlieren an den Flaschen herab.
Sie steht seit einer Weile im Eingangsbereich, eine Zigarette locker in der Hand, ein Bein angewinkelt. Entspannt, fast gelangweilt, beobachtet sie das Treiben. Außer Atem vom Kistenschleppen halte ich inne und betrachte sie genauer. Sie ist klein, zierlich, mit dunklen, wilden Locken, die über ihren schwarzen, figurbetonten Wintermantel fallen.
Erst auf der Feier zur fünfhundertsten Show, als ich sie mit Nikita sehe, wird mir klar: Das muss Karmen sein. Sie trägt ein rotes Kleid, passend zu ihrem Haarband – Rot scheint ihre Lieblingsfarbe zu sein. Es steht ihr unglaublich gut, und das weiß sie sicher.
Sie ist verdammt hübsch. Ihr Gesicht, klein und zierlich, hat diese perfekten Proportionen. Wirklich, sie ist eine Schönheit. Aber sobald sie neben Nikita steht – selbst in diesem auffälligen, beißenden Rot – sehe ich sie einfach nicht mehr.
Nikita trägt ein enganliegendes Langarmtop, das vermutlich ein Body ist – und das weiß ich deshalb, weil an seiner Taille links und rechts ein Stück Haut hervor blitzt. Dazu eine tief sitzende, lockere Anzugshose – so tief, dass ein schwarzer Streifen von was auch immer er darunter trägt, sichtbar wird. Nicht, dass ich mir ausmale, was das sein könnte. Es ist nur leider ein bisschen zu offensichtlich, dass es keine Boxershorts sind.
Und Gott, wie er seine Hüften beim Tanzen bewegen kann. Schamlos. Mühelos. Dabei wirkt er trotzdem irgendwie immer noch männlich. Er gibt sich der Musik voll hin und ich glaube, er versucht nicht einmal gut auszusehen – es passiert einfach.
Karmen tanzt eigentlich genauso gut wie er, vielleicht sogar besser, aber irgendwie ist mir das egal. Es ist kein Augenmagnet. Die Art, wie sie tanzt – irgendetwas daran ist ... femininer?
Ich frage mich gerade wirklich, wie ich je denken konnte, dass ich auf Frauen stehe. Es ist so offensichtlich, aber das war es zuvor nie. Vielleicht haben deshalb all meine bisherigen Beziehungen einfach nicht funktioniert. Weil ich es nie wirklich gefühlt habe.
Es ist so eine Befriedigung für die Augen, Nikita dabei zuzusehen, wie er Spaß beim Tanzen hat. Und ich starre nicht aus Hintergedanken. Ich starre nur, weil es Spaß macht zuzusehen. Seine Freude ist ansteckend.
Das denkt man doch nur, wenn man wirklich verliebt ist, oder?
Nikita und Karmen tanzen zusammen auf eine Weise, die fast unangenehm intim wirkt. Sie fassen sich an, tanzen aneinander, hintereinander. So eng, dass man fast das Gefühl hat, sie würden sich jeden Moment die Kleider vom Leib reißen. Es fällt fast schwer hinzusehen, weil es mich echt heiß macht. Ich will wegsehen, aber ich kann nicht. Egal wie sehr ich es versuche, meine Augen bleiben immer wieder an ihnen hängen.
Es tut irgendwie weh. Er hat jetzt einen neuen Tanzpartner, und ich bin offiziell vergessen. Er braucht mich nicht mehr – verdammt, er hat mich nie gebraucht. Irgendwie lässt mich das an all die Male denken, in denen ich mit Nikita getanzt habe – und wie scheiße ich dabei wahrscheinlich ausgesehen habe. Ich weiß genau, dass ich immer steif wirke. Und jetzt, wo ich sie zusammen sehe, macht das alles, was ich je mit Nikita hatte (oder mir eingebildet habe zu haben) einfach nur noch lächerlich.
„Hast du mit Karmen geschlafen?" Ich hebe meinen Kopf leicht an, schließe aber schmerzerfüllt die Augen, weil mein Kopf dröhnt.
Ich kann nicht glauben, dass ich so viel getrunken habe. Wie konnte ich so dumm sein? Ich weiß doch ganz genau, dass ich nicht trinken soll, wenn ich emotional bin. Ich bin so ein dummer Idiot.
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I Chose Sin (Deutsch)
Romance„Ich hatte noch nie was mit Nikita." Gelächter, klirrende Gläser. Fast alle trinken - außer mir und meinen Freunden. Nikita wirkt unbeeindruckt, das Feuer taucht sein Gesicht in warmes Rot. Sein Lächeln bleibt ruhig, fast amüsiert, als könnte ihm ke...
