Kapitel 12

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Ich mache mich auf den Weg in meinen wohlverdienten Feierabend. Die Winterkälte schlägt mir um die Wangen und ich ziehe meine Jacke enger zu. Setze mir meine Kopfhörer auf und vergrabe meine Hände in den Taschen.

Warum denke ich im Winter plötzlich nur noch ans Kuscheln? Eigentlich habe ich den Winter immer gehasst, aber gerade fühle ich mich, als könnte ich überhaupt nichts hassen.

„Josh."

Er muss mehr als einmal gerufen haben, ich höre ihn kaum über meine Kopfhörer, die ich mir runterziehe und mich umdrehe. In mir kommt plötzlich eine mächtige Hitze auf, die mich von Innen erwärmt. Nikita läuft vom Backstage-Bereich geradewegs auf mich zu, gehüllt in einen langen, flauschigen Bademantel, doch darunter trägt er noch sein arabisches Kostüm. 

Ich schlucke schwer. Jetzt bloß nicht nervös werden, Josh. Stell dir einfach vor, du wärst im Chat. Aber ... Gott, das ist doch nicht normal! Wie kann jemand verschwitzt so verdammt hübsch sein? 

Das vergisst man eben, wenn man mit jemandem chattet. Und im Chat kann er mir auch nicht so tief und unverhohlen in die Augen starren. 

„Oh, hey?"

Die Show läuft noch im Hintergrund, und ich bin mir ziemlich sicher, dass er bald raus muss, um sich beim Finale zu verbeugen. Stattdessen steht er hier, direkt vor mir, sein Atem in weißen Wolken, und lächelt mich amüsiert an. „Was hab ich dir über Komplimente gesagt, hm?"

Jetzt bloß nicht stottern. „Scheiße, ist dir nicht kalt?" Sein Oberkörper ist komplett frei. Das Kostüm besteht eigentlich nur aus einer Haremshose und Armringen. Mir wird schon kalt wenn ich ihn nur sehe. Nicht dass ich starre. Mach ich nicht. Wirklich, ich gebe mir hier echt Mühe.

Er legt eine Hand an meinen Schal und richtet ihn. Mein Herz bleibt mir im Hals stecken, dabei fasst er mich ja nicht einmal richtig an. „Lenk nicht vom Thema ab."

„Mach ich gar nicht. Willst du meinen Schal?"

Er zieht seine Hand zurück und schüttelt den Kopf. „Nein, ich bin total verschwitzt." Oh, ich mein, damit hätte ich absolut kein Problem. Nikita legt den Kopf schief, und ich kann ihm kaum in die Augen sehen. „Josh", lacht er leise. „Sei nicht so nervös. Ich beiß dich schon nicht."

„Ich bin nicht nervös."

„Nein?"

„Nein." Ich entschließe mich, ihm doch meinen Schal zu geben, wickele ihn mir vom Hals und ... stocke mitten in der Bewegung, unsicher, ob ich es wagen soll, ihm den Schal anzuziehen. Besser nicht.

Nikita – seine Nase und seine Wangen sind mittlerweile rot – lächelt wieder dieses zuckersüße, schüchterne Lächeln und nimmt den Schal entgegen. „Du bist süß. Danke."

„Du erkältest dich noch ..." Außerdem kann ich keine Sekunde länger vor dir stehen, ohne dir auf die nackte Brust zu starren.

Nikita tritt einen Schritt näher, und mein Herz bleibt fast stehen. Sein Atem prallt warm auf meinem Gesicht ab.

„Hör mal." Anstatt sich den Schal anzuziehen, legt er den Schal wieder um meine Schultern. Richtet ihn ganz konzentriert, den Blick darauf. Schließlich verharren seine Hände an den Schal-Enden, als er mir in die Augen sieht. „Ich bin nicht wegen dem Schal hier."

Nikita ist nur ein kleines Stück kleiner als ich. Und so nah, wie er mir ist, muss er nicht viel tun – sanft an den Enden des Schals ziehen und sein Kinn heben, reicht schon, um zu signalisieren, dass er mich küssen will. Ein heftiger Schlag durchzieht meine Brust. Ohne zu zögern neige ich den Kopf, stelle mir schon vor, wie seine weichen, warmen Lippen meine berühren. 

Doch dann ändert sich die Musik von episch zu Finale, und Nikita erwacht wie aus einer Traumwelt und dreht den Kopf zum Hauptzelt. Scheiße, ernsthaft?

Ich starre ihn einfach nur verdutzt an, mein Atem schwer, und ich will nichts anderes, als ihn an mich ranzuziehen, seine Lippen zu spüren. Aber ich weiß sehr wohl, dass, wenn ich jetzt anfange, ich nicht so schnell wieder aufhören kann.

„Finale", sagt er einfach nur, als wüsste er selbst nicht, wohin mit sich, und ich nicke, genauso verdutzt. „Ja."

„Josh." Er legt seine Hand an meine Brust, an den Schal, nimmt das Ende wieder in die Hand, sein Blick gleitet immer wieder zu meinen Lippen. „Komm in meinen Wohnwagen. Nach der Show."

I Chose Sin (Deutsch)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt