Ich wache von einem Geräusch auf.
Ich lasse die Augen geschlossen, denkend, dass ich mir das definitiv eingebildet habe. Der Schlaf drückt in meinem Kopf und ich will nur zurück. Ich sinke sofort zurück in den Schlaf.
Dann, wieder: Ein helles Geräusch. Weit weg, aber es hört sich an wie ... eine Katze? Oder ...
Ein Wimmern.
Ich richte mich sofort auf. Meine Kehle ist trocken, als hätte ich Staub geschluckt. Mein Herz schlägt gegen meine Rippen.
Ich stehe auf. Barfuß. Ich öffne die Tür und laufe die kalte Metalltreppe meines Wohnwagens runter, die bei jedem Schritt Geräusche von sich gibt. Ein dumpfes, fast „melodisches" Anschlagen auf schweres Metall.
Ich laufe durch die Nacht, durch den Zirkushof, auf kaltem Gras. Geführt von diesem Geräusch, das mir eine eklige Gänsehaut gibt. Das Geräusch wird klarer, umso näher ich ihm komm.
Ich bleibe vor einer Tür stehen und lausche. Was zur Hölle ist das? Ein Tier? Ein Mensch, der weint?
Die Tür ist ein Spalt offen. Ich schiebe sie auf – sie quietscht, während das Wimmern lauter wird.
Ein eiskalter Schock durchzuckt mich von Kopf bis Fuß. Mir wird schlagartig kalt und heiß zugleich. Ich kann mich nicht mehr bewegen. Meine Füße kleben wie festgefroren auf dem Boden. Mein Herz rast, aber ich kann nur stumm zusehen. Wie in einem dieser schrecklichen Träume, in denen man schreien will und kein Ton kommt.
Nikita kniet auf dem Bett, der in der Mitte des Wohnwagenraumes steht. Nackt. Seine braune Haut glänzt matt im fahlem Licht. Langsam, mechanisch bewegt er sich. Vor. Und zurück. Langsam. Rhythmisch. Ohne Leidenschaft, ohne Leben. Unter ihm liegt Friedo.
Stille. Nur mein Atem, zu laut, erfüllt den Raum.
Nikita sieht mich nicht an. Kein Schimmer von Überraschung oder Scham in seinen Augen. Sein Gesicht ist leer, wie ausgestorben, als wäre seine Seele schon lange tot, abgetrennt von dem Körper, der sich vor mir einfach weiter bewegt, wie eine Maschine.
Seine Bewegungen wie von einem Roboter programmiert: Glatt. Monoton. Als sei das hier Alltag. Sein plötzlicher Blick brennt auf mir. Der Blick sagt alles, was sein Mund nie sagen würde. Wie oft er das schon getan hat. Wie sehr es ihn gebrochen hat. Wie wenig Wahl er hatte.
Mein Magen dreht sich um. Ich will schreien, aber da ist kein Ton in mir.
Friedos leises Stöhnen durchbricht die Stille, klingt wie Erleichterung. Und plötzlich wird mir glasklar: Das Geräusch, das mich geweckt hat, war kein Wimmern. Es war sein Stöhnen. Das Geräusch von Vergnügen in einer Szene, die nichts anderes als Horror ist.
Mein ganzer Körper schüttelt sich. Ich will wegsehen, aber ich kann nicht. Jede Faser in mir schreit danach, mich zu bewegen, zu fliehen, die Augen zu schließen, den Blick abzuwenden, einfach nur weg. Aber ich kann nicht. Mein Körper hört nicht auf mich.
Mein Atem geht schwer, als müsse ich durch einen Strohhalm atmen. Ich bekomme keine Luft.
Ich versuche zu schreien. In meinem Kopf tue ich es. Ich glaube sogar, ich höre mich. Aber der Laut ist falsch. Wie rückwärts abgespielt. Verdreht. Wie ein aufgeschlitztes Tier. Er reißt mir das Hirn auf.
Und doch bleibe ich still. Kein Geräusch außer die mechanischen Bewegungen von Nikitas Körper und das leise, zufriedene Stöhnen von Friedo. Es geht weiter. Und es wird nie aufhören. Weil ich nichts dagegen tun kann.
Der Schrei springt ruckartig, wie aus dem Nichts direkt an mein Ohr. Lauter. Bohrt sich in meinen Schädel. Als würde mir jemand direkt ins Ohr schreien, die Trommelfelle zerreißen und dann ...
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I Chose Sin (Deutsch)
Romance„Ich hatte noch nie was mit Nikita." Gelächter, klirrende Gläser. Fast alle trinken - außer mir und meinen Freunden. Nikita wirkt unbeeindruckt, das Feuer taucht sein Gesicht in warmes Rot. Sein Lächeln bleibt ruhig, fast amüsiert, als könnte ihm ke...
