Kapitel 28

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„Der betrügt ihn doch eh wieder. Ist ja schon fast ein Hobby."

„Nikita? Der ist nur treu, wenn's grad keine andere Gelegenheit gibt." Gelächter füllt die Runde, und ich frage mich, was für Sachen über mich durch genau diese Runde gehen, wenn ich nicht hier bin.

Es ist Gabes Geburtstag, und ich habe mir heute wirklich vorgenommen, mich zusammenzunehmen und mit meinen Kollegen zu feiern. Aber jetzt stehe ich auf und laufe davon. Der Bass vibriert bis in meine Knochen und es riecht nach Schweiß.

Es wärmt mir das Herz, wie Nikita mich mit einem Lächeln auf der Tanzfläche empfängt, beinahe, als hätte er auf mich gewartet. Und die Tatsache, dass dieser Junge überhaupt lächeln kann, lässt all meine Probleme so klein erscheinen.

Wir vier – Karmen, Aimar, Nikita und ich – haben uns unsere eigene kleine Tanzfläche gebildet und genießen einfach den Moment. Tanzen auf eine Weise, die absolut niemanden mehr begeistern muss, schreien Songtexte mit, die älter sind als wir, und geben keinen Fick mehr auf nichts.

Ich habe definitiv zu viel getrunken. Es hat mit Bier-Pong angefangen – und ich bin schrecklich in Bier-Pong – dann kamen Shots und weitere dumme Spiele, und jetzt kann ich kaum noch einen klaren Gedanken fassen. Ich meine, ich bin froh, dass ich noch stehen und tanzen kann. Mein Körper funktioniert nur noch irgendwie.

Mein Kopf ist wie Watte. Alles fließt wie in Zeitlupe. Kanten verschwimmen. Mein Körper lebt für den Moment. Grübeln existiert nicht mehr. Es ist, als wären alle Gedanken aus meinem Kopf gesogen worden und hätten Platz gemacht für das Einzige, was jetzt zählt: Genuss. Musik. Adrenalin.

„Ist er immer noch sauer?", frage ich Nikita, der neben mir tanzt, wahrscheinlich schon lallend, und deute darauf hin, dass alle hier sind – außer Simba. Ich meine, er ist eben auch nicht der größte Tanzfan.

Nikita schüttelt den Kopf, und um nicht gegen die laute Musik schreien zu müssen, lehnt er sich zu mir vor. „Gib ihm noch einen Drink, und er vergisst, dass er je sauer war."

Ich lächele. „So viel zum Thema Säufer."

Nikita zuckt die Schultern, seine Augen leuchten, als er mich ansieht. „Betrunkene vergeben schneller. Und lieben besser."

„Und hassen stärker." Er lacht hell, ein freches, unbeschwertes Lachen, das fast wie Musik in der Luft schwingt. Es ist ansteckend ihn so lachen zu sehen.

Es ist gut, dass Nikita neben mir tanzt und nicht gegenüber. So komme ich nicht dazu, ihn anzustarren. Er trägt ein schwarzes, bauchfreies Langarmtop, das seine definierten Bauchmuskeln betont. Der Stoff schmiegt sich an seinen Körper. Über dem Hosenbund seiner zerrissenen Jeans blitzt der obere Rand einer Boxershorts hervor – weiß mit einem schlichten, schwarzen Muster. Oder Buchstaben. Wie auch immer, ich kann nicht den ganzen Abend auf seine Boxershorts starren.

Ich verstehe nicht, wie das passiert ist – es geht alles so schnell. Es kam ein Lied, das eindeutig zum Paartanz einlädt, und ich wollte mich gerade zu Nikita drehen, als er plötzlich von hinten umarmt und von Simba in die Luft gehoben wurde. Vielleicht löst Alkohol ja doch Probleme.

Plötzlich tanzt Nikita mit Simba, und ich stehe einfach nur peinlich da – und dann tanze ich mit Aimar. Aimar, verdammt. Konnte es nicht irgendwie Karmen oder so sein?

Ich bin sowas von aufgeflogen. Ich spüre schon die Blicke meiner Arbeitskollegen, die an der Seite sitzen und wahrscheinlich gerade darüber reden, wie offensichtlich schwul ich bin.

Aimar hat mir seine Hand nur hingehalten, und völlig schockiert von der Peinlichkeit und der Tatsache, dass Nikita jetzt nicht mehr zur Auswahl stand und ich meinen Moment mit ihm für heute verpasst hatte, habe ich sie einfach genommen.

I Chose Sin (Deutsch)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt