Kapitel 15

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Kapitel 15

Ich schließe die Augen. Gleich ist es vorbei. Meine Füße verlieren den halt und ich bereite mich auf den Sturz vor. Doch der kommt nicht.

Ich öffne meine Augen und sehe Chris, der mich in seine Arme geschlossen hat. Ich kreische auf und schlage mit meinen Fäusten auf seine Brust ein, doch er drückt mich nur noch fester gegen sich. "Lass mich los! Du verdammter Bastard! Ich hasse dich! ICH HASSE DICH! Wie kannst du nur?", lalle ich, den der Alkohol benebelt meine Sinne.

Ich sacke in seinen Armen zusammen und verspüre keine Wut mehr. Die Tränen kommen mir in Strömen aus den Augen. "Ich bin das alles so leid", sage ich ganz leise. "Wieso konntest du mich nicht einfach springen lassen?" - "Weil du gerade zum ersten Mal mit mir geredet hast. Weil ich dich brauche." Ich halte mir erschrocken die Hände vor den Mund. Ich habe geredet. Schon heute morgen mit Josh. Ich sehe Chris an, seine Augen strahlen geradezu vor Sorge.. Sorge um mich? "Sag es bitte niemanden, ich meine alles. Ich meine sonst hat noch jemand die Wette gewonnen." Ein leichtes lächeln umspielt seine Lippen und obwohl diese Situation so beschissen ist, könnte ich mir nichts schöneres im Moment vorstellen als hier in seinen Armen zu sein. "Ich bring dich jetzt erstmal ins Bett, damit du deinen Rausch ausschlafen kannst."

Er geht vorraus die Leiter ins Gebäude herunter. Ich nach ihm. Ich falle ein paarmal fast runter und finde kaum halt. Endlich auf dem Boden angekommen geben meine Beine nach und ich wäre fast auf den Boden gefallen, hätte Chris nicht blitzschnell reagiert und mich hochgehoben. Würde mein Gehirn funktionieren, würde ich mich wohl fragen warum uns keine Leute begegnen. Chris bringt mich zu seinem Zimmer und legt mich auf sein Bett. Er deckt mich zu und küsst mich schnell auf die Stirn. Er wendet sich ab und will gehen, doch plötzliche Panik erfasst mich und ich ziehe in zurück. "Bleib", flüstere ich. Seine Augen suchen in meinen und für einen kurzen Augenblick sehe ich so etwas wie Zärtlichkeit darin.

Er zieht einen Stuhl ans Bett. Noch während er sich hinsetzt, bin ich schon im Land der Träume.

"Na los, komm aus dem Schrank raus. Du willst doch nicht das ich dir wieder weh tue oder?"

Die Schranktüre geht langsam auf und ich zittere am ganzen Körper.

"Ska wach auf! Es ist nur ein Traum." Ich richte mich schweißgebadet auf und sehe in besorgte blaugraue Augen. Chris hält mich an den Schultern fest. Ich schüttel seine Hände ab, renne aus dem Zimmer aufs Mädchenklo und übergebe mich in einer der Kabinen. Ich lasse mich an der Wand herunter und fange an zu weinen.

Ich wiege mich immer wieder vor und zurück. Schwindel erfasst mich und mein Kopf fühlt sich an als würde er explodieren. Ich weiß noch fast genau was heute morgen alles passiert ist. Ich weine lautlos, so habe ich es mir angewöhnt.

Es interessiert eh keinen.

Ich stehe auf und muss mich erstmal an der Wand der Kabine anlehnen. Alles dreht sich. Ich gehe zu den Waschbecken und suche nach meinem Waschzeug.

Ich putze mir bestimmt eine halbe Stunde die Zähne. Ich wasche mir auch noch ein paarmal das Gesicht und schließlich dusche ich noch ausgiebig.

Dann packe ich alle meine Sachen, ziehe wieder meine Unterwäsche an und gehe zu meinem Zimmer. Da mein Schlüssel noch in der Hose ist, die ich heute morgen auf mein Bett geworfen habe klopfe ich an und ein paar Minuten später hebt mir Ashley die Türe auf. Sie begrüßt mich wie immer, als ob das heute morgen nicht passiert wäre. Ich gehe ins Zimmer hinein und ziehe mir schnell ein paar Klamotten an. Irgendwann geht Ashley endlich mal aus dem Zimmer und ich packe schnell mein gesamten Besitz in meinen Koffer.

Chris sieht von mir zu meinem Koffer. "Heute?" Ich nicke. Er nickt ebenfalls. Ich gehe in das Zimmer hinein und helfe ihm beim packen. Als dann auch Nick und Josh kommen packen wir auch noch ihr Zeug.

Es ist Mitternacht. Wir stehen im Innenhof und sehen auf den grauen Klotz vor uns mit unseren Koffern in den Händen. Wir haben auch noch - hoffentlich - genügend Vorrat an Essen und Trinken aus der Küche geklaut. Wir drehen uns wie aufs Stichwort alle gleichzeitig um und laufen in das kleine Dorf.

Glück.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt