Kapitel 22

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Kapitel 22

Ich sehe ihn verwirrt an. Wie kann jemand der so lebensfroh wie Nick ist, sich selbst umbringen wollen?

Er stößt laut Luft aus seinem Mund und sagt zögerlich: "Ich bin schwul."

Ich sehe ihn mir genau an, irgendwie wundert es mich nicht. Ich meine darauf gekommen wäre ich jetzt nicht oder so. Es war glaub ich nur so eine leise Ahnung irgendwo tief in meinem Hinterkopf.

"Ich bin im Heim aufgewachsen, keine Ahnung was mit meinen Eltern ist.

Es interessiert mich auch nicht, wenn man sein Kind gleich nach der Geburt weggiebt verdient man nicht, dass sich das Kind später Gedanken über sie macht.

Jedenfalls wuchs ich in dem Heim auf und war sowas wie das Opfer unter ihnen. Sie quälten mich, aber mich störte es nicht sonderlich. Ich habe mich sogar über die Aufmerksamkeit gefreut.

Irgendwann lernte ich dann Samuel kennen. Er naja, ich verliebte mich in ihn und er sich in mich.

Wir kamen zusammen und ich verspürte zum ersten Mal in meinem Leben, was es bedeutet geliebt zu werden.

Schließlich kam es im Heim raus, das ich schwul bin und von da an wurde es immer schlimmer.

Ich wurde verschlagen, schikaniert und man nahm mir jegliche Würde

Ich tennte mich von Samuel, weil ich nicht wollte das ihm das Selbe passiert.

Er nahm es mir sehr übel.

Die Betreuer des Heims unternahmen nichts gegen die Hass-attacken gegen mich.

Und dann kam es wie es musste und ich schlich mich eines Tages in die Küche und machte mir nicht die Mühe irgendwo anders hinzugehen an einen schöneren Ort oder sowas.

Ich schlitzte mir also gemütlich die Handgelenke auf und freute mich schon auf den Moment wenn alles vorbei war.

Doch dazu kam es nicht, eine Putzfrau fand mich und man brachte mich schnell ins Krankenhaus.

Ich durchlitt schwere Depressionen, doch dann traf ich Samuel wieder.

Er zeigt mir, wie lebenswert das Leben eigentlich ist.

Als ich dann auf das Internat kam trennten wir uns, im Guten.

Ich liebe ihn immernoch, doch Liebe bedeutet auch den anderen gehen zu lassen und ich bin mir sicher das wir uns wiedersehen werden."

Mit einem verträumten Blick und einem zuckersüßen Lächeln sieht er mich an.

Ich nehme sein rechtes Handgelenk in meine Hand und schiebe mit der anderen sein Lederband hoch, das er wie mir erst jetzt auffällt immer trägt.

Zum Vorschein kommen Narben, die auf seinen Selbstmordversuch hindeuten.

"Bitte behalt es für dich, Chris und Josh wissen nicht das ich schwul bin und ich habe Angst vor ihren Reaktionen."

Ich lächle ihn sanft an und nicke leicht.

Es bedeutet mir viel das er es zu mir gesagt hat. Alle drei haben mir jetzt ihre Geschichte erzählt. Wie funktioniert das? Erwecke ich soviel Vetrauen in anderen Leuten?

Ich beschließe, falls ich jemals wieder richtig rede, werde ich ihnen meine Geschichte erzählen. Von Anfang bis zum Ende.

Behutsam lege ich meine Arme um seinen Oberkörper und drücke ihn sanft.

Er legt seine Hand auf meinen Rücken.

Als dann Chris und Josh nach einiger Zeit zurück kommen,  beschließen sie das es das Beste ist wenn wir weiter fahren.

Irgendwann halten wir schnell bei McDonalds und essen ein paar Burger.

Wir fahren weiter. Ich hab keine Ahnung wohin wir nun fahren und es ist mir auch egal, ich mache es mir in der Couch mit Nick bequem (schon komisch, seit seinem Geständnis heute sind wir uns irgendwie näher) und falle schließlich in einen traumlosen Schlaf.

Glück.Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt