Seufzend schlug ich mein Tagebuch zu. Ich langte unter mein Bett und holte die Kiste raus in der ich schon einige Dinge versteckte.
Das Buch fand seinen Platz neben meinen Klingen.
Ja, ich ritzte mich und nein ich sah darin kein Problem. Viele sagen das ritzen schlecht ist und das man es nicht tun sollte. Ich aber war der Meinung, dass es mir half. Es war nicht so das ich mich umbringen wollte oder etwas in der Art. Es war einfach eine Möglichkeit, dass ich mich wieder lebendig fühlte, spürte das ich noch existierte.
Manchmal, wenn ich beispielsweise Albträume hatte war es auch einfach ein Mittel um meine Gedanken zum schweigen zu bringen. Und das war gut, es half mir. Ich würde niemals so tief schneiden, dass ich mich ernstaft verletzte und so lange es dabei blieb, sah ich darin kein Problem.
In der Kiste war außer dem noch ein Familien Foto. Ich war auf dem Foto vier Jahre alt und wurde von meiner Mutter auf dem Arm gehalten. Links neben meiner Mutter stand mein großer Bruder. Er kam damals in ein anderes Heim. Seitdem habe ich nie mehr etwas von ihm gehört und ganz egal wie sehr ich ihn vermisste, mein Heim hatte sich nie die Mühe gemacht herauszufinden wo er jetzt ist.
Auf dem Bild sah man noch einen Arm der meiner Mutter um die Schultern gelegt wurde. Der Arm gehörte zu meinem Vater, der eigentlich rechts neben meiner Mutter stand. Ich habe ihn aus dem Bild geschnitten aber darüber möchte ich jetzt definitiv nicht nachdenken.
Schnell packte ich das Bild wieder in die Kiste, schloss den Deckel und schob die Kiste zurück unter mein Bett.
Gerade rechtzeitig, weil in diesem Moment Ms. Miller, die Heimleiterin den Raum betrat und ohne mich auch nur richtig anzugucken sagte: "Es gibt Abendessen."
Im Esszimmer angekommen steuerte ich meinen gewöhnlichen Platz, ein Tisch etwas abseits am Fenster an.
Beim Essen gab es immer eine feste Reihenfolge, obwohl niemand sie jemals aufgeschrieben hatte.
Es war allen klar, dass Tanja sich zuerst ihr Essen holte. Ziemlich unnötig da sie eh selten mehr als einen Salat aß.
Danach kam eine Gruppe älterer Jungs, die meistens den gesammten Nachtisch aufaßen. Ihr Anführer Maik war Tanjas Freund, was vermutlich der Grund war, washalb sie so hoch in der Rangordunug standen.
Tanjas Zickenclique war als nächstes dran. Sie aßen auch alle nur Salat, obwohl ich einige von ihnen sehensüchtige Blicke auf die Pommes und die Schnitzel werfen sah. Es ist doch einfach nur krank sich so sehr von einer Person beeinflussen zu lassen, dass man nicht einmal mehr das isst was man will!
Jedenfalls waren nach ihnen dann die anderen dran, dass hieß alle jüngeren und ich. Ich war vermutlich zu nett aber ich ließ den Kleineren immer den Vortritt. Sie konnten ja nichts dafür, dass Tanja und ihre Gefolgsschaft derartig gemein waren.
So kam es, dass ich am Ende mit einem angebrannten Schnitzel und sechs Pommes da saß.
Immerhin besser als gar nichts.
Nachdem alle aufgegessen hatten, stand Ms. Miller auf um eine Ansage zu machen.
"Also Kinder, morgen ist ein sehr entscheidender Tag für unser Heim", sie machte eine bedeutsame Pause, während ich innerlich die Augen verdrehte. Diesen Satz bekamen wir sehr häufig zu hören. Für Ms. Miller war alles entscheidend. Angefangen bei einem Besuch des Bürgermeisters, der uns stundenlang mit irgendwelchen Reden langweilte bis zu dem Tag an dem diese Einrichtung ihren hundertsten Geburtstag feierte und wir den drei alten Paaren, die als einzige zu diesem ach so tollen Anlass gekommen waren, stundenlang irgendwelche Volkslieder, die bestimmt noch älter als dieses Haus waren, vorsingen mussten.
Wir hatten also schon so ziemlich alles erlebt, weshalb ich auch jetzt nichts wirklich spannendes erwartete.
" Wie ihr sicher schon mitbekommen habt will Perrie Edwards ein Kind adoptieren und sie wird dazu als erstes in unser Kinderheim kommen..."
Ihre Worte gingen in einem ohrenbetäubenden Kreischen vom Tisch der Zicken unter. Aber auch alle anderen, sogar die sonst immer coolen Jungs redeten aufgeregt miteinender.
Mir schwirrte währenddessen nur eine Frage im Kopf herrum: Wer ist Perrie Edwards?
Alle anderen schienen das zu wissen aber ich hatte es sowieso noch nie mit irgendwelchen berühmten Leuten und konnte über die Aufregung der anderen nur den Kopf schütteln.
Ich meine, wer auch immer diese Frau nun ist, sie ist doch auch nur ein Mensch!
Ms. Miller hatte sich inzwischen auch wieder Gehör verschafft.
"Wie euch sicher bewusst ist, könnte Perrie Edwards in jedes Waisenhaus gehen. Es ist eine große Ehre, dass sie zu uns kommt und ich erwarte das ihr einen tadellosen Eindruck hinterlasst.
Ihr müsst morgen nicht zur Schule und werdet staddessen alle mithelfen das Haus zu putzen. Wenn sie dann um 12:30 Uhr ankommt erwarte ich, dass ihr alle schick angezogen seid und sie angemessen begrüßt.
Und jetzt ab ins Bett damit ihr morgen ausgeschlafen seid."
Spätestens am nächsten Morgen wurde mir klar wie bekannt diese Perrie Edwards sein musste.
Ich dachte immer das der Aufwand der für den Bürgermeister unseres Dorfes, das nichmal 2000 Einwohner hatte, betrieben wurde, kaum mehr übertroffen werden könnte.
Aber es war kein Vergleich zu dem was heute los war.
Unser Heim, das sonst immer etwas schmutzig war, wurde komplett gesäubert, bis kein Staubkorn mehr zu sehen war.
Die Betreuer bekamen jedes Mal fast einen Nervenzusammenbruch, wenn jemand es wagte mit Schuhen ins Haus zu kommen.
Einige Kinder wurden damit beauftragt Blumen im Garten anzupflanzen und zwei Jungs mussten Rasenmähen.
Das war bestimmt das erste Mal in 100 Jahren das jemand sich auch nur ansatzweise darum kümmerte, dass dieses verwahrloste Stück Rasen mit dem morschen Klettergerüst drauf irgendwie nach einem Garten aussah.
Vor dem Haus wurden kleine Fähnchen aufgehängt und ein selbsgemaltes Willkommensschild aufgestellt.
Es herschte sogar das Gerücht das ein fünf Sterne Koch für uns Kochen soll.
Die Krönung war es, dass uns allen befohlen wurde unsere Zimmer aufzuräumen, durchzusaugen und zu wischen.
Das war doch nun echt abartig, als würden die unsere Zimmer interessieren!
Wie viele Kinder hofften heute adoptiert zu werden, wurde mir klar als ich sah wie sich alle aufgebretzelt hatten, alle in schicken Kleidern oder Anzügen. Und Tanja hatte es sogar hinbekommen sich noch mehr Schminke als gewöhnlich ins Gesicht zu klatschen.
Ich fühlte mich mit meiner Jeans, meinem T-shirt, den ausgelatschten Snikers und der Schleife, die ich immer im Haar hatte, echt fehl am Platz.
Langsam wurde ich wirklich neugierig was es mit dieser misteriösen Perrie Edwards auf sich hatte.
Als ich gerade damit fertig war die Fenster im Aufenthaltsraum zu putzen und noch keine neue Aufgabe zugewiesen bekommen hatte, nutzte ich die Zeit um mich in den Gemeinschaftscomputer einzuloggen und einen Namen in die Suchzeile einzugeben: Perrie Edwards.
Sofort kamen tausende von Ergebnissen.
Ich klickte die nächstbeste Seite an und begann zu lesen.
"Die nun 20 jährige Perrie Louise Edwards ist eine englische Popsängerin. Ihr Erfolg gründet sich vor allem auf ihrem Sieg bei der Castinshow x-factor. Seitdem hat sie aber noch viele weitere Auszeichnungen bekommen. Sie schreibt zur Zeit an ihrem vierten Album und..."
In dem Moment hörte ich Schritte die den Aufenthaltsraum ansteuerten.
Ich wusste das ich nicht mehr viel Zeit hatte, wenn ich nicht angemeckert werden wollte, warum ich nicht arbeitete.
Ich scrollte schnell zur Liste ihrer Preise und Auszeichnungen.
Ich konnte noch erkennen, dass diese Liste endlos war, bevor ich den Computer ausschalten und ganz beschäftigt tun musste, weil Ms. Miller zur Tür reinguckte. Sie nickte zufrieden als sie mich arbeiten sah und ging weiter.
Eine Popsängerin also und wohl eine ziemlich erfolgreiche.
Es war nicht so das ich Musik nicht mögen würde aber dieses ganze Fangetue konnte ich noch nie nachvollziehen.
Das war doch echt übertrieben!
Nachdem ich noch so gefühlte tausend Aufgaben bekommen hatte, war es dann so weit und alle versammelten sich vor der Tür um Perrie Edwards zu empfangen.
Die Betreuer rannten wie aufgeschreckte Hühner um uns herum, stellten uns in Reihen auf, warfen mir aufgrund meiner Kleidung misbilligende Blicke zu und ermahnten uns immer wieder, dass wir uns benehmen sollten.
Dann bog eine große schwarze Limosine in unsere Straße ein und eine gespannte Stille legte sich über die Menschenmenge.
Die hintere Tür öffnete sich, das Gekreische ging los und ich sah sie zum ersten Mal. Die Person die mein Leben verändern würde.
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Unexpected Love - Jerrie Fanfiction (Deutsch)
FanfictionJade Thirlwall ist ein schüchternes Mädchen, das nie von irgendwem bemerkt wird. Sie lebt in einem Kinderheim und hatte noch nie jemanden der sich um sie sorgt oder sie wirklich liebt. Perrie Edwards ist ein junger Popstar. Sie hat unglaublichen Erf...
