Kapitel 5

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Meine Umgebung nahm ich dank der Tränen nur sehr verwischt und verschwommen wahr. Aber das interessierte mich nicht.
Alles was in diesem Moment zählte war der Asphalt, der unter meinen Schritten erbebte und der Wind der um mein Gesicht pfiff.
Hinter mir hörte ich rufe, das ich stehen bleiben solle.
Diese Stimme würde ich immer erkennen.
Perrie.
Sie lief mir anscheinend hinterher. Dieser Gedanke veranlasste mich nur dazu noch schneller zu laufen.
Ich konnte ihr nicht unter die Augen treten. Wie sollte ich ihr das überhaupt erklären?
Auf diese Frage hatte ich keine Antwort, also lief ich.

Ich wusste nicht wie lange ich schon gelaufen war, vielleicht Stunden oder auch nur wenige Minuten, als ich nicht mehr konnte und schluchzend auf irgendeiner Bank zusammensackte.
Tanja hatte recht, ich war schwach. Nur auf Grund von meiner Angst hatte ich nun alles versaut, ich hatte Perrie enttäuscht.

In dem Moment schlangen sich zwei dünne aber doch kräftige Arme um meinen Körper und hielten mich einfach fest. Ich nahm den leicht blumigen Duft von Perrie wahr. Zunächst versuchte ich mich gegen die Umarmung zu wehren. Als ich irgendwann merkte, dass dies vergeblich war, ließ ich mich einfach an Perries Brust sinken und genoss die Geborgenheit einer solchen Umarmung.
Seit dem Tot meiner Mutter hatte mich niemand mehr umarmt. Bei dem Gedanken musste ich nur noch mehr schluchzen.
Ich spürte wie Perrie mit der Hand kleine Kreise auf meinen Rücken malte.

Sie wartete bis ich mich einigermaßen beruhigt hatte bevor sie das Wort ergriff: "Wiso? Wiso hast du nein gesagt? Ich hatte nicht den Eindruck das es dir im Heim gefällt. Denkst du wirklich so schlecht von mir, dass du lieber da bleiben willst als mit mir zu kommen."
Ich biss mir auf die Lippe. Schon wieder suchte sie den Fehler nur bei sich, obwohl sie gar nichts falsch gemacht hatte, eher im Gegenteil.
Hier in der Geborgenheit ihrer Arme, dachte ich zum ersten Mal daran mich ihr anzuvertrauen, jemandem von meinen Problemen zu erzählen. Konnte ich ihr vertrauen? Immerhin war sie mir hinterhergelaufen. Obwohl ich sie abgewiesen hatte, hatte sie mich nicht einfach aufgegeben. Sie hatte mich trotzdem einfach in den Arm genommen. Sie kam mir bisher nicht wie jemand vor, der andere schnell verurteilte. Aber würde sie nicht anders von mir denken, wenn sie erfährt wie schwach ich war?

Immer noch an sie gelehnt beschloss ich es einfach zu riskieren und setzte zum Sprechen an: "Es ist nicht wegen dir."
Es erschien mir ganz wichtig ihr des begreiflich zu machen.
"Was ist es dann?", sie lehnte sich etwas zurück um mich ansehen zu können.
Wo sollte ich jetzt bloß anfangen? Und was sollte ich ihr alles erzählen. "Das", ich deutete auf meine Wange,"kommt von Tanja."
Perrie sah mich entsetzt an:"Sie hat dich geschlagen?!"
Als ich nickte tat sie etwas unerwartetes. Perrie strich sanft mit ihren Fingerspitzen über meine Wange. Ich erschauderte unter ihrer Berührung, auf eine gute Art. Im Kontrst zu ihrer sanften Berührung konnte ich in ihren Augen Wut ablesen. "Warum?", hakte sie mit zusammengebissenen Zähnen nach.
"S-sie will von dir adoptiert werden. S-sie meinte...", in diesem Moment kamen mir wieder die Tränen.
"Was meinte sie, Jade?", fragte Perrie in ernstem Ton nach.
"D-das ich es nicht verdienen würde adoptiert zu werden. Sie sagt, dass sie mir w-weh tut wenn ich ja sage. U-und", ich traute mich vor lauter Scham nicht mehr ihr in die Augen zu sehen, "und sie sagt, d-das du mich eh zurückgeben wirst, weil ich wertlos bin." Den letzten Teil flüsterte ich nur noch.

Bei diesen Worten umschlossen mich Perries Arme noch fester.
Es dauerte eine Weile bis ich bemerkte, dass Tränen auf meine Jacke tropften, die nicht meine eigenen waren.
Und ein paar weitere verwirrte Sekunden bis mir klar wurde, dass sie von Perrie stammten.
Entsetzen und Schuld stiegen in mir hoch. Ich hatte Perrie Edwards zum weinen gebracht.
"E-es tut mir l-leid"
"Was?", Perries Stimme zitterte leicht und diese Tatsache brach mir das Herz.
"Du w-weinst"
Perrie erstarrte kurz.
" Entschuldige dich nicht. Nicht dafür. Du kannst mir alles erzählen. Ich kann es nur einfach nicht ertragen, dass diese Zicke dich geschlagen hat und das sie es gewagt hat solche Dinge zu dir zu sagen.", die Wut war inzwischen klar aus Perries Stimme herraus zu hören.
"Das was sie sagt ist doch nur die Warheit."
"Jetzt hör mir mal gut zu", Perrie lehnte sich etwas zurück um mich angucken zu können," Du bist der wunderschönste, gutherzigste, interessanteste und einfach tollste Mensch dem ich je begegnen durfte und das kann ich schon nach zwei Tagen sagen! Also bitte, denke nie wieder das du wertlos bist. Ich werde dich adoptieren und dafür sorgen das Tanja nie wieder auch nur in deine Nähe kommt!"

Erstaunt starrte ich Perrie an. Konnte es sein, dass sie diese Worte ernst meinte, dass sie wirklich etwas in mir sah, was liebenswert oder soger schön war?
Nein ausgeschlossen und schon gar nicht nach nur zwei Tagen. Allerdings, welchen Grund hätte sie mich anzulügen?
Aber eigentlich war es egal ob es sich nun um die Wahrheit oder eine Lüge handelte. Perrie konnte nicht verhindern, dass ich in der Schule fertig gemacht werden würde. Also schüttelte ich zu ihren Worten nur ängstlich meinen Kopf.
"Jade, ich sagte doch bereits das Tanja dir nichts mehr tun wird."
"A-aber sie geht in meine Klasse."
"Dann kannst du die Schule wechseln. Das ist kein Problem. Ich möchte nur das du glücklich bist."
"W-wirklich?"
"Ja. Also wenn du nicht von mir adoptiert werden willst, musst du natürlich nicht und-"
"Natürlich möchte ich von dir adoptiert werden. Ich hatte einfach nur Angst.", an dieser Stelle musste ich sie einfach unterbrechen.
Wie konnte sie nur daran zweifeln?
Bei meinen Worten stiehl sich wieder ein Lächeln auf Perries Gesicht.
Sie nahm mich noch einmal fest in den Arm und gab mir einen Kuss auf den Haaransatz.
Zum Glück war es so dunkel, dass sie nicht bemerkte wie ich bei dieser Geste errötete.
"Lass uns zurückgehen", schlug Perrie schließlich vor.
Ich stimmte zu und wir machten uns langsam auf denn Weg, zurück zum Heim.

Dort angekommen, standen immer noch alle im Flur und diskutierten anscheinend über die neusten Ereignisse.
Als wir in Sicht kamen verstummten sofort alle Stimmen. Perrie, die zu bemerken schien wie unwohl ich mich unter den Blicken der anderen fühlte, nahm meine Hand und drückte diese beruhigend.

In dem Moment kam eine zornige Ms. Miller auf uns zu.
"Wie kannst du es wagen einfach so abzuhauen, glaubst du nicht das Perrie Edwards wichtigere Dinge zu tun hat als einer kleinen Göre wie dir hinterher zu laufen. Und wie konntest du so respektlos sein und...", die aufgebrachte Heimleiterin redete sich immer mehr in Rage. Ich hielt den Kopf gesenkt und wünschte mir einfach nur irgendwo anders zu sein.
Ms. Miller wurde schließlich von Perrie unterbrochen, die mich beschützend näher zu sich gezogen hatte.
"Es ist nicht Jades Schuld. Wir mussten nur etwas wichtiges besprechen."
"Ich dachte Jade möchte nicht von ihnen adoptiert werden, wiso machen sie sich dann überhaupt die Mühe ihr hinterherzulaufen?", mischte sich nun Tanja ein.
Perrie warf mir einen fragenden Blick zu.
Sie wollte wohl nicht für mich sprechen.
Das fand ich an sich ja gut aber ich wusste nicht ob ich in diesem Moment, mit dem zornigen Blick von Tanja auf mir überhaupt ein Wort rausbekommen würde.
Perrie malte mit ihrem Daumen beruhigende Kreise auf meinen Handrücken.
"I-ich", nervös räusperte ich mich und setzte von neuem an,"D-doch, ich möchte von Perrie adoptiert werden."
Tanjas Augen weiteten sich.
Sie hatte wohl damit gerechnet, dass ich genug Angst vor ihr hatte, sodass ich niemals ja sagen würde.
Eigentlich hatte sie damit auch recht, aber mit Perrie an meiner Seite fühlte ich mich einfach sicher und beschützt, als könnte niemand, nicht einmal Tanja mir noch etwas antun.
"Okay", auch Ms. Miller schien überrascht,"wenn du dir sicher bist und auch Ms. Edwards ihre Meinung nicht geändert hat, dann kommen sie doch bitte mit in mein Büro um die Formulare zu unterzeichnen."

Wenig später saßen wir im Büro von Ms. Miller. Diese erklärte irgendetwas über die Formulare, doch ich hörte ihr, im Gegensatz zu Perrie schon bald nicht mehr richtig zu. Schließlich nahm Perrie einen Kugelschreiber und unterschrieb unter einen Vertrag.
Ms. Miller reichte ihr eine Kopie des Dokuments und meinte:" Herzlichen Glückwunsch, sie sind jetzt offiziell die Adoptivmutter von Jade."
Bei diesen Worten fühlte ich in erster Linie Freude. Ich würde tatsächlich aus dem Heim kommen und bei Perrie wohnen.
Trotzdem war da noch ein anderes Gefühl. Irgendetwas sagte mir, dass es sich falsch anhörte Perrie als meine Mutter zu bezeichnen.

Unexpected Love - Jerrie Fanfiction (Deutsch)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt