Kapitel 39

2K 88 35
                                        

Ich wusste nicht wie lange ich schon in dem dunklen Wohnzimmer saß als ich Schritte auf der Treppe hörte.

Einige Sekunden später sah ich Jonnie verschlafen die Treppe herunter kommen.
Als er mich erblickte schien er von meiner Anwesenheit genauso überrascht zu sein wie ich von seiner.

"Es ist schon ziemlich spät", ergriff er schließlich das Wort.

"Ich konnte nicht schlafen", murmelte ich. Perries Bruder war zu mir immer sehr nett gewesen. Trotzdem kannte ich ihn nicht gut und es wiederstrebte mir auch generell einem Menschen zu vertrauen, der Perrie nicht mochte.

Jonnie schien meine Unsicherheit nicht zu bemerken, durchquerte langsam den Raum und setzte sich neben mich.
"Damit sind wir wohl zu zweit.", meinte er und schwieg einige Sekunden bevor er fortfuhr: "Ist es wegen dem Artikel den du heute gelesen hast?"

Ich nickte zustimmend: "Ich habe einfach Angst vor der Reaktion der Leute."

"Also bist du wirklich mit Perrie zusammen?" Jonnies Gesichtszüge waren größtenteils von ehrlicher Neugierde geprägt aber bei der Erwähnung von Perries Namen regte sich noch etwas anderes in seinen Augen und das war definitiv keine positve Emotion.

Meine Antwort war ein stilles, kaum wahrnehmbares Nicken.
Jonnie schwieg, schien aber nicht überrascht zu sein.

"Sie wollte nicht, dass eure Eltern sich trennen.", platzte es kurze Zeit später aus mir heraus.

Jonnies Kopf drehte sich ruckartig in meine Richtung: "Was?"

"Perrie. Was passiert ist hat sie nie gewollt. Es ist nicht fair sie zu hassen."

Jonnie verzog den Mund: "Jade du kennst Perrie noch nicht lange und bist gerade frisch in sie verliebt. Das sind wirklich nicht die Umstände in denen du das beurteilen kannst. Du-"

"-bist blind vor Liebe?", unterbrach ich, weil ich schon ahnte worauf Perries Bruder hinauswollte.

"Wahrscheinlich."

"Nein bin ich nicht! Hör zu, ich kenne Perrie und sie würde niemals-"

"Du kanntest sie nicht damals."

"Aber ich weiß dass-"

"Nein Jade, du weißt gar nichts! Perrie war schrecklich zu der Zeit. Sie wusste, dass sie unsere Familie zerstört und es war ihr egal. Es war ihr einfach egal. Weißt du eigentlich wer immer bei Caitlin im Zimmer saß um sie zu trösten wenn unsere Eltern sich mal wieder anschrien weil Perrie sich bewusstlos gesoffen hatte? Wer musste zusehen wie seine kleine Schwester ihr Leben für Partys und Sex wegschmeißt? Genau ich."

Bei diesen harschen Worten zuckte ich zusammen. Ich fand es immer noch unmöglich mir diese Version von Perrie vorzustellen. Trotzdem würde ich Perrie vermutlich immer verteidigen und gab auch jetzt nicht auf.
"Perrie hatte zu der Zeit ja auch Probleme."

Jonnie lachte trocken. "Achja? Hat es sie gestört dass es nur am Wochenende Parties gab? Oder war es ihr vielleicht zu mühselig immer einen neuen Typen zum ficken zu finden?"

"Ich meine warum sie so geworden ist. Es war bestimmt nicht leicht gemobbt zu werden.", erwiederte ich ruhig.

"Was?", fragte Jonnie mit einem Gesichtsausdruck, der Überraschung und Entsetzen wiederspiegelte.

Ich runzelte die Stirn und ging nochmal alles was ich gesagt hatte im Kopf durch, in der Hoffnung herauszufinden was Jonnie so überraschte.

"Sie wurde gemobbt?", vernahm ich dann seine leise Stimme neben mir.

"Hat sie dir das nie erzählt."

Die Antwort war ein Kopfschütteln.
Ich biss mir unsicher auf die Unterlippe, beschloss dann aber dass es für alle gut wäre wenn Jonnie Bescheid wüsste. "Also ich weiß auch nicht alles. Aber Leigh hat mir erzählt, dass einige Kinder ziemlich gemein zu Perrie waren. Sie ist irgendwann nicht mehr damit klargekommen und hat sich dann wohl so verändert um die anderen abzuschrecken. Das war für sie wahrscheinlich wie eine Art Schutzschild."

Jonnie schluckte.
"Das ist aber auch keine Entschuldigung.", beharrte er.

"Vermutlich nicht aber so weißt du wenigstens, dass sie es nicht grundlos getan hat. Außerdem ist Perrie nun kein bisschen mehr wie damals. Niemand der sie wirklich kennt würde sagen, dass sie sich nicht kümmert oder dass irgendwer ihr egal ist. Eher im Gegenteil. Perrie ist großzügig und hilfsbereit und würde niemals wegschauen wenn jemand Hilfe braucht. Du solltest die Chance nicht verpassen eine solche Person in deinem Leben zu haben. Außerdem macht es sie echt fertig, dass du sie ignorierst."

"Vielleicht hast du recht und ich sollte wirklich einfach mal mit ihr reden.", lenkte Jonnie zögerlich ein.

Ich lächelte sanft: "Das ist alles was ich wollte."

Wieder herrschte einige Minuten ein angenehmes Schweigen.

"Jade?", fragte Jonnie dann.

"Ja?"

"Ich bin froh dass du Perries Freundin bist und damit quasie zur Familie dazugehörst. Ich könnte mir niemanden wünschen, den ich lieber an deiner Stelle hätte."

Nun war ich an der Reihe überrascht zu sein. Wie kam ich eingentlich dazu mitten in der Nacht mit Jonnie im Wohnzimmer zu sitzen und über Perrie zu reden?
Aber eigentlich war das warum auch ziemlich egal. Wenn ich es geschafft hatte, dass Jonnie und Perrie wieder miteinander redeten war das schon ein riesiger Erfolg. Und ich war natürlich auch glücklich, dass Perries Familie mich mochte.

"Danke Jonnie."

Ich bekam ein herzliches Lächeln von ihm zugeworfen, bevor er sich räusperte und aufstand.
"Ich denke ich gehe dann jetzt mal wieder ins Bett. Es ist ziemlich spät. Du könntest den Schlaf auch gebrauchen."

Einige Minuten nachdem Jonnie gegangen war, machte auch ich mich wieder auf den Weg in das Gästezimmer.

Perrie umarmte immer noch das Kopfkissen. Als ich mich ins Bett legte und an sie kuschelte, war das Kissen jedoch schnell vergessen und ihr Arm schlang sich wieder um mich. Und dieses mal gelang es mir auch in dieser beschützenden Umarmung einzuschlafen.

Du hast das Ende der veröffentlichten Teile erreicht.

⏰ Letzte Aktualisierung: Apr 13, 2017 ⏰

Füge diese Geschichte zu deiner Bibliothek hinzu, um über neue Kapitel informiert zu werden!

Unexpected Love - Jerrie Fanfiction (Deutsch)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt