Auch in der zweiten Nacht bei Perrie schlief ich schlecht.
Ich hatte zwar keinen Albtraum an den ich mich am nächsten Morgen noch erinnern konnte, aber meine Traumwelt wurde von unheimlichen dunklen Schatten und bösen Vorahnungen heimgesucht.
Dementsprechend müde war ich auch am nächsten Tag.
Um 10 Uhr klopfte es an meiner Tür und Perrie trat herein.
"Ich muss etwas Wichtiges mit dir besprechen Jade.", verkündete Perrie in einem ernsten Ton
Die Sängerin sah mindestens so müde aus wie ich selbst an diesem Morgen und das musste schon etwas heißen.
Perrie setzte sich neben mich aufs Bett und musterte mich.
"Geht es dir gut? Du siehst echt müde aus. Hast du schlecht geschlafen?"
Plötzlich war es mir peinlich, dass Perrie mich am morgen sah, ungeschminkt und mit Haaren die vermutlich einem Vogelnest ähnelten.
"Ich weiß ich sehe schreklich aus.", wisperte ich beschämt.
"Hey", sprach Perrie beruhigend und legte ihre Hand auf mein Bein,"Ich wollte nichts in der Art sagen. Ich meine du siehst zwar müde aus aber immer noch wunderschön, wie immer."
Ich errötete doch innerlich freute ich mich. Perrie Edwards hatte mich gerade als wunderschön bezeichnet!!!
Ich bemerkte ein seltsames Kribbeln im Bauch das ich mir nicht erklären konnte.
Ich hatte aber auch keine Zeit darüber nachzudenken.
"Was ist denn nun mit dir."
"G-gar nichts"
"Du siehst total fertig aus. Bitte sei ehrlich mit mir."
Perrie hatte begonnen mit ihrem Daumen kleine Kreise auf meine Oberschenkel zu malen. Es war als ob sie wüsste, dass diese Geste so beruhigend und vertraut auf mich wirkte, dass ich sie einfach nicht mehr anlügen konnte.
"I-ich habe nicht so gut geschlafen."
"Hast du schlecht geträumt?"
Ich nickte nur.
"Du hättest mich wecken sollen."
"S-so schlimm war es n-nicht.", beteuerte ich schnell.
"Es ist mir egal wie schlimm es war. Ich möchte es immer wissen wenn es dir schlecht geht. Versprichst du mir nächstes Mal zu mir zu kommen?"
"J-ja"
Der Gedanke, dass es jemanden geben könnte der mich beruhigte wenn ich Albträume hatte war ungemein verlockend. Allerdings war ich mir nicht sicher ob ich mich jemals trauen würde Perrie zu wecken.
"W-was wolltest du eigentlich vorhin mit mir besprechen?"
Perries Gesichtsausdruck wurde sofort sehr ernst und irgendwie wusste ich schon jetzt das mir, was auch immer sie sagen wollte nicht gefallen würde.
"Naja, es geht nochmal um den...Vorfall gestern."
Sofort schlugen die gruseligen Erinnerungen das Vortages wieder auf mich ein.
Perrie, die zu spüren schien wie unwohl ich mich fühlte, verzog schuldbewust das Gesicht.
"Es tut mir wirklich unglaublich leid, dass ich dich damit belasten muss."
Sie legte mir einen Arm um die Schultern, was mir sofort ein sicheres Gefühl gab.
Dann sprach sie zögerlich weiter: "Also...du hast sicherlich bemerkt, dass wir mehrere Male fotografiert worden sind. Mein Manager hat mich gestern angerufen. Es sind einige der Bilder im Internet gelandet. Man erkennt zwar dein Gesicht nicht aber es ist deutlich zu erkennen, dass ich einen Arm um dich gelegt habe und es gibt schon einige verrückte Vermutungen wer du bist. Worauf ich hinaus will ist...es ist meistens besser solche Sachen direkt aufzulösen, bevor noch mehr Gerüchte entstehen."
Bitte lass sie nicht das meinen was ich denke!
"Was w-willst du damit sagen?"
"Mein Manager will, dass ich morgen einen ofiziellen Presseartikel rausgebe, in dem ich erkläre das ich dich adoptiert habe. Ich würde das natürlich nie machen ohne vorher mit dir darüber zu reden und..."
Ich hörte ab diesem Punkt nicht mehr richtig zu.
Das konnte nicht ihr Ernst sein.
Ich wusste schon in diesem Moment, dass ich damit nicht würde umgehen können.
Allein die paar gemeinen Rufe gestern waren schon zu viel für mich und wenn ich als die Adoptivtochter von Perrie Edwards bekannt werden würde, wird es tausende Leute geben die mich hassen werden. Warscheinlich könnte ich nicht einmal mehr vernünftig auf die Straße gehen.
"Jade, hörst du mir zu?"
"W-was?", fragte ich verwirrt.
Perrie seufzte, "Ich weiß das das für dich wahrscheinlich echt nicht leicht ist und ich kann gar nicht sagen wie leid es mir tut dich in diese Situation gebracht zu haben. Aber ich bin der Meinung das wir dem Presseartikel zustimmen sollten."
"A-aber was ist mit den Fans? Sie werden mich h-hassen!", meine Stimme klang schon wieder weinerlich.
"Ich werde dich nicht anlügen also ja, es wird Leute geben die dich nicht mögen und das werden diese Leute auch zeigen. Aber diejenigen, die wirkliche Fans sind werden dich lieben. Du kannst nicht erwarten das dich jeder mag. Auch ich habe einige Hater die mich hassen. Wichtig ist nur, dass man sich auf die konzentriert die einen mögen. Und bei dir werden das sehr viele sein, weil du ein wunderbarer Mensch bist. Alle die auch nur ansatzweise schlau sind werden das erkennen."
Zweifelnd sah ich Perrie an.
Ich hatte keine Ahnung warum Perrie so gut von mir dachte aber nach meiner bisherigen Erfahrung gab es nicht viele die mich mochten und ich sah keinen Grund warum sich das ändern sollte.
Aber andererseits war die Warheit vielleicht besser als irgendwelche dummen Gerüchte und irgendwann würde eh alles rauskommen.
Ich wusste nicht was in diesem Moment über mich kam, vielleicht war es ein plötzlich wiederkehrendas Selbstbewustsein, welches irgendow in mir versteckt war oder es war einfach Perries Anwesenheit, die mir das Gefühl gab vor nichts mehr Angst haben zu müssen, jedenfalls öffnete ich den Mund und sagte mit erstaunlich fester Stimme: "Okay, dann sollten wir dem Artikel zustimmen."
Perrie blinzelte ein paar Mal verdutzt und hakte noch einmal nach: "Bist du ganz sicher?"
"Ja! Irgendwann wird es eh rauskommen und es ist für alle besser wenn das möglichst früh geschieht. Außerdem fänden es deine Fans bestimmt besser, wenn du keine Geheimnisse vor ihnen hast."
Unversehens wurde ich in eine feste Umarmung gezogen.
"Hat dir schon einmal jemand gesagt was für ein unglaublich selbstloser und mutiger Mensch du bist?"
Ich schüttelte nur den Kopf.
Mutig? Ich war doch so ziemlich das Gegenteil von mutig!
"Dann ist das etwas was schon längst überfällig war. Aber das mit dem Artikel solltest du nicht nur wegen der Fans machen. Du musst dir absolut sicher sein, dass es dir damit gut geht."
"Das bin ich. Ich schaffe das schon."
Das klang jetzt überzeugender als ich mich wirklich fühlte.
"Danke", mit diesen Worten küsste Perrie mich leicht auf die Wange und verschwand aus meinem Zimmer.
Völlig überrumpelt saß ich da und strich mit meinen Fingern dümmlich über die Stelle, die Perries weiche Lippen eben noch gestreift hatte.
Wiso bekam ich immer dieses warme Gefühl im Bauch wenn ich bei Perrie war?
Vielleicht war das ja normal. Ich hatte schon so lange niemanden mehr gehabt bei dem ich mich wohlfühlte. Das musste der Grund sein.
Am Nachmittag kam Leigh-Anne noch einmal vorbei.
Wir saßen alle im Wohnzimmer und unterhielten uns. Naja, ich sagte genau genommen nur etwas wenn man mir eine direkte Frage stellte.
Trotzdem war ich selten so glücklich gewesen. Ich fühlte mich einfach sehr wohl mit den beiden.
Zumindestens bis Leigh das Wort erhob: "Darf ich dich mal was fragen?"
Ich nickte, neugierig was jetzt wohl kommen würde.
"Was ist eigentlich passiert, also ich meine wiso du im Heim warst?"
Vor dieser Frage hatte ich mich schon die ganze Zeit gefürchtet und wie nicht anders zu erwarten, brachen sofort die grauenvollen Erinnerungen über mir zusammen.
Ein leeres Haus.
Ein zerbrochenes Wasserglas.
Ein unförmiger Schatten.
"Jade? Jade!!!"
Ich wurde von Perries Stimme wieder in die Gegenwart gerissen.
Bis jetzt hatte ich nichteinmal bemerkt wie sehr ich zitterte.
Sofort war Perrie bei mir und nahm mich in den Arm während sie Leigh bitterböse anfunkelte.
Als sie zu mir sprach klang ihre Stimme allerdings einfach nur beruhigend: "Shhh alles ist gut. Du brauchst nicht antworten."
"Nein natürlich nicht!", Leigh sah mich entschuldigend an, "Ich wollte nicht das du so eine Angst bekommst. Es tut mir wirklich leid. Ich konnte doch nicht wissen, dass..."
"I-ist schon okay. Ich möchte aber lieber n-nicht darüber r-reden."
"Das ist gar kein Problem, Jade."
Perrie hielt mich noch im Arm, bis ich mich beruhigt hatte, dann ließ sie mich los und rutschte ein wenig zur Seite, bis sie wieder auf ihrem vorherigen Platz saß.
Ich konnte mir das Gefühl der Enttäuschung und Leere nicht erklären, das ich verspürte als Perrie mich los ließ.
In dem Moment wünschte ich mir einfach für immer in ihren Armen liegen zu können.
Leigh musste schon früh gehen und Perrie verschwand in ihr Arbeitszimmer um noch einige Dinge wegen dem Artikel morgen zu klären.
Ich ging also in mein Zimmer und beschloss noch etwas zu lesen. Villeicht würde ich dabei die Angst vor dem morgigen Tag vergessen, an dem der Artikel rauskommen würde.
DU LIEST GERADE
Unexpected Love - Jerrie Fanfiction (Deutsch)
FanfictionJade Thirlwall ist ein schüchternes Mädchen, das nie von irgendwem bemerkt wird. Sie lebt in einem Kinderheim und hatte noch nie jemanden der sich um sie sorgt oder sie wirklich liebt. Perrie Edwards ist ein junger Popstar. Sie hat unglaublichen Erf...
