Scott Pov
Mittlerweile ist der Abend schon angebrochen. Der restliche Sonntag ist ruhig vergangen. Ich war mit Lena, Isaac und Jackson erst im Kino und dann etwas essen. Stiles konnte nicht mitkommen, da er irgendwie anderweitig beschäftigt war. Ja und Jackson war wegen Lena mit. Das hat mir und Isaac gar nicht gepasst. Isaac noch weniger, als mir, aber da er wieder in Dereks Rudel ist, müssen wir und besonders Isaac, uns mit Jackson gut stellen. Er will ja auch nur helfen. Irgendwie. „Meine Mom schreibt, dass sie die Nachtschicht doch noch machen muss und ob ich ihr eben etwas zu essen vorbeibringen kann. Wollt ihr mit?", fragt ich, als wir gerade zur Haustür reinkommen. Isaac schüttelt den Kopf und tippt eine Nachricht auf sein Handy zu Ende. „Derek will mich nochmal sehen. Ich passe." Nun schauen wir Lena erwartungsvoll an. Wohin wird sie mitgehen? „Ich komme mit dir.", wende sie sich an den Schwarzhaarigen vor ihr, an mich. Ich nickte und schnappe mir meine Motorradschlüssel. „Dann nimm dir den zweiten Helm und komm. Der Chinese in der Nähe macht in einer viertel Stunde zu." Sie holt sich von oben meinen Zweithelm und zieht dann die Haustür hinter sich zu. Ich sitze schon auf mein Motorrad und Isaac ist auch schon abgehauen.
Wir rasen durch die Straßen. Um diese Zeit ist alles so still hier, leere Straßen und wenig Verkehr. Wir kommen an einem großen Kirchturm vorbei. Im Vorbeifahren schaue ich mir kurz das langsam zerfallende Gebäude an. Durch die Dunkelheit ist es noch düsterer, als sonst. Die Turmuhr geht gerade mit ihren großen Zeigern weiter. 21.22. Wir haben nur noch 8 min, bis der Imbiss zu macht. Keine Minute später hält das Zweirad an und wir eilen zum Chinesen. Und zu meiner Überraschung verkaufen sie uns echt noch was 5 min vor Schluss. Höchstwahrscheinlich kommt es daher, dass ich nicht gerade zum ersten Mal hier bin. Egal Hauptsache Mom bekommt vor ihrer Nachtschicht noch was zu Essen. Mit eingepackten gemischten Nudeln und Schweinefleisch dazu machen wir uns 10 min später auf dem Weg zum Krankenhaus. Dort angekommen herrscht reges Treiben. „Wow das ist aber nicht normal um diese Uhrzeit." Ich schaue zur Wanduhr.21.47. „Nein das ist wirklich ungewöhnlich.", stimme ich Lena zu. Draußen vor dem Eingangsbereich stehen zwei Krankenwagen und mehrere Sanitäter laufen hektisch herum. Innen ist die Lage nicht gerade besser. Dort sitzen am Rand verteilt mehrere Leute mit unterschiedlich starken Wunden. Von einer Blutung am Bauch bis hin zu leichten Schürfwunden. Zwei Leute werden gerade vor uns transportiert wahrscheinlich ins OP. Eine Frau hatte eine starke Kopfwunde und bei der anderen konnte ich es nicht erkennen. Mir tun diese Menschen so leid, aber hier wird ihnen ja geholfen. Lena stupst mich an und zeigt mir etwas weiter vorne in der Menge meine Mom. Als sie uns erblickt, halte ich das Essen nach oben, was ihr einen erleichterten Gesichtsausdruck hervorlockt. „Ich verhungere schon." Sie nimmt mir das Essen ab und stellt es auf die Rezeption. Dann dreht sich sich um und schaut uns beide an. Sie seufzt leicht genervt. „Tut mir leid ich Schussel. Danke fürs vorbeibringen." Mom kommt auf uns zu und umarmt einmal mich und dann Lena. Sie hat Lena nach so kurzer Zeit schon ins Herz geschlossen. Das Gleiche auch bei Isaac. Ich lächle sie aufmunternd an. „Ist alles okay?" „Abgesehen davon, dass die Hälfte der Opfer eines Auffahrunfalls in der Innenstadt hierher gebracht wurden und der Chefarzt der Notaufnahme nicht auf seinen Pecher erreichbar ist, ja." „Was heißt er ist nicht erreichbar?", fragt nun Lena verwirrt. Es ist schon komisch, wenn der Chefarzt der Notaufnahme nicht erreichbar ist, besonders in so einer Situation. „Wir finden ihn nicht. Jetzt warten wir darauf, dass die Vertretung hier aufkreuzt." Auf einmal kommt eine junge Frau zu uns und fragt Mom nach Schmerzmittel, was sie ihr jedoch nicht geben kann, da es die Situation nur verschlimmern würde. Eigentlich wollten wir wieder gehen, aber ich gehe vorher noch zu dieser Frau. Ich kann spüren, dass sie höllische Schmerzen hat. „Was machst du?", flüstert mir Lena zu, als ich mich auf einen Stuhl neben der Braunhaarigen niederlasse. Sie hält sich ihren Arm und wimmert vor Schmerzen leicht. Lena schaut von der Rezeption aus interessiert zu. „Ich habe mal im Internet gelesen, dass menschliche Berührungen sogar auch Schmerzen lindern können." Irgendwas muss ich mir ja einfallen lassen, wenn ich sie gleich anfasse und wie durch Zauberhand die Schmerzen verblassen. Internet geht immer. Das Mädchen neben mir reagiert gar nicht richtig darauf und weint weiter. Ich schaue kurz rüber zu Lena und dann wieder zu ihr. Danach lege ich vorsichtig meine Hand auf ihre und drücke ganz leicht zu. Jetzt hoffe ich nur, dass sie nicht auf meinen Arm schaut. Denn den verzieren gerade mehrere schwarze Adern, die die Schmerzen aufsaugen. Wie ich finde, sehr vorteilhaft beim Werwolfdasein anderenden Schmerz nehmen zu können. Ihr Atem geht langsam etwas gleichmäßiger und sie schaut mich mit großen Augen an. Lena, die das Ganze mitverfolgt hat, scheint genauso überrascht zu sein. Die Unbekannte lächelt mich dankend an, bis ich plötzlich eine mir bekannte Stimme höre. „Ich brauche Hilfe. Jemand muss mir helfen. Holt einen Arzt!" Ich schaue zur Tür und meine Vermutung stimmt. Ethan. Er stützt Danny, der anscheinend Schmerzen hat. Ich höre sein Herz ungleichmäßig und viel zu schnell schlagen. Ethan schaut sich um und erblickt Lena und mich. Er schaut uns mit einen leichten Anflug von Panik an. Ein kurzer Blick zu Lena genügt, um zu wissen, dass ihr diese Begegnung zu schaffen macht. Klar bei der momentanen Situation und dann das jetzt gerade. Das sieht nicht gut für Ethan aus. Wenn er Danny irgendwas angetan hat... Mom rennt sofort zu den beiden. „Los da zum Stuhl!", navigiert sie Ethan und unterstützt mit ihm Danny beim laufen. Dieser atmet laut und verzieht wenn er sich bewegt ständig das Gesicht. „Okay vorsichtig, ganz vorsichtig." Sie setzen den Verletzen auf den Stuhl. Aber Danny blutet gar nicht. Ich kann keine Wunde erkennen. Nun kommen auch Lena und ich aus unserer Starre und eilen zu unserem Klassenkameraden. Ich ziehe Ethan unsanft an der Schulter von Danny weg und schaue ihn wütend an. Ich will gerade was sagen, als mir Lena zuvor kommt. „Was verdammt hast du mit ihm gemacht?", zischt sie sauer und funkelt ihren Bruder an. Dieser schaut abwechselnd zu uns. „Nichts. Er sagte er hat Schmerzen in der Brust und Schwierigkeiten zu Atmen, aber es ist immer schlimmer geworden." Irgendwie weiß ich nicht, ob ich ihm glauben soll. Er hat zwar diese Panik in der Stimme, aber das kann auch vorgespielt sein. „Das ist nicht gut. Ist Dr. Hilliat immer noch nicht da? Sein Kehlkopf ist zur Seite gerutscht. Wahrscheinlich ein Spannungspneumothorax." Alle weichen ein Schritt zurück, als sich Danny auf einmal übergeben muss. Und was wir da sehen ist bestimmt nicht normal. Eine Pflanze kommt mit zum Vorschein, die für Werwölfe äußerst giftig ist. Die Geschwister neben mir schauen genauso perplex auf die Lache, wie ich. Wie kann Danny das nur verschluckt haben? „Das sind Misteln.", spricht Lena das aus, was wir alle schon wussten. Danny wird gerade auf ein Krankenbett hoch gehoben und in ein Zimmer geschoben. Wir laufen mit schnellen Schritten meiner Mom hinterher, die irgendwas bei Danny überprüft. „Geht ihr Drei bitte wieder in den Wartebereich?", versucht sie uns nett abzuwimmeln, was natürlich nicht klappt. Erstens wenn Ethan nicht geht gehen wir auch nicht und zweitens ist Danny immer noch in Gefahr. „Wo sind die Schwestern und Ärzte? Wo sind die alle?", wendet sich Ethan an Mom. Er ist gereizt. „Hier ist heute die Hölle los. Sie kümmern sich um andere Patienten.", gibt sie vollkommen ruhig wieder. Der Alpha neben mir wirkt panisch in sich gekehrt. Lena, die neben Melissa steht, guckt ihren Bruder mitfühlend an und wendet sich dann an die Krankenschwester. „Okay Melissa wie können wir helfen?", fragt sie hoffend. „Irgendwie müssen wir helfen können.", rede ich weiter auf meine Mutter ein. „Schatz das könnt ihr nicht. Seine Lunge ist kollabiert, sein Herz wird gegen sein Brustkorb gepresst, also..." Ich fixiere Danny, der schwer atmend auf dem Bett liegt. Oh nein. „Er wird sterben. Nicht wahr?", frage ich wohlwissend. Ethan schaut mich verzweifelt an, als ob er hofft, dass ich mich irre und Lena beobachtet schweigend ihren Bruder. Im nächsten Moment schaut Mom sich um. „Nein, nein wird er nicht. Scott nimm du das Isolierband, Lena hol du aus dem Schrank gegenüber aus der obersten Schublade die Spritze und du nimm die Schere und schneide sein T-Shirt auf." Jeder macht das was er soll. „Mom er atmet nicht!", werde ich nun panisch. „Ja Scott das weiß ich." Sie nimmt die riesige Spritze und tastet seine rechte Seite ab, da wo der Lungenflügel sitzt. Sie stößt die Spritze rein und holt sie wenig später ganz vorsichtig wieder raus. Nun achten alle ganz gespannt auf Dannys nächstes Lebenszeichen. „Dankeschön.", flüstert er und lächelt meine Mom an. Wir atmen alle erleichtert aus.
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The True Alpha
FanfictionAnna-Lena Hale ist was besonderes. Und sie hasst es. Nicht nur, dass sie als geborener Werwolf Verwandlungsprobleme hat, sondern auch ist ihre Familiengeschichte mehr als kompliziert. Seit dem großen Feuer wohnt sie nicht mehr in Beacon Hills und...
